August 2026 bei einem Treffen der Koalition der Willigen in Kiew eine massive Ausweitung der ukrainischen Drohnenproduktion gefordert. Um Russland mit Schlägen tief im Hinterland zu treffen, fehle es dem Land trotz hoher Produktionskapazitäten vor allem an finanziellen Mitteln aus dem Ausland.
Die Ukraine kann nach Angaben ihrer Staatsführung derzeit täglich 200 bis 300 Langstreckendrohnen herstellen. Zwar reichen die industriellen Kapazitäten aus, um diese Stückzahlen zu erreichen, doch das Budget der Verteidigung hinkt dem Bedarf massiv hinterher. Auf einer Pressekonferenz am Rande des Treffens der Koalition der Willigen bezifferte der ukrainische Präsident die finanzielle Lücke auf 27 Milliarden Dollar, was umgerechnet rund 23,2 Milliarden Euro entspricht. Als konkrete Entlastung nannte er die Möglichkeit, einen Teil der für das kommende Jahr geplanten europäischen Kredite vorzuziehen. Laut der Nachrichtenagentur Ukrinform tätigte er die Aussagen bei einer Pressekonferenz am Rande des Treffens der sogenannten Koalition der Willigen. An dem Gipfel nahmen am Unabhängigkeitstag der Ukraine 30 Amtsträger und Spitzenpolitiker aus EU- und Nato-Staaten teil, ein Großteil davon virtuell.
Finanzierungslücke und ungenutzte Kapazitäten in Kiew
Während Russland laut Angaben aus Kiew rund 340 Milliarden Euro in den Krieg investiert, stehen auf ukrainische Seite etwa 140 Milliarden Euro zur Verfügung. „Wir brauchen mehr Geld, viel mehr“, sagte der Präsident im Beisein der Staats- und Regierungschefs der EU- und Nato-Staaten. Das Land produziert nach eigenen Angaben verschiedene Typen von Langstreckendrohnen sowie Raketen und Raketendrohnen, deren Reichweiten zwischen 350 und 3.000 Kilometern liegen. Die Systeme seien bereits bei ukrainischen Angriffen eingesetzt worden. Für die geplante Ausweitung der Angriffe auf militärische und wirtschaftlich wichtige Ziele tief in Russland sei zusätzliches Geld aus dem Ausland entscheidend.”
Die Aufrüstung im unbemannten Bereich soll als taktisches Gegengewicht zu den massiven russischen Luftangriffen dienen. Russland hat seine Luftangriffe im Frühjahr und Sommer 2026 deutlich verstärkt. Nach Angaben der UN gehörte diese Zeit für Zivilisten zu den tödlichsten seit den ersten Tagen der großangelegten Invasion. Ende März griff Russland demnach erstmals an einem einzigen Tag mit fast 1000 Drohnen an und übertraf damit den bisherigen Höchstwert. Inzwischen setzt Moskau bei seinen Attacken laut ukrainischen Angaben regelmäßig bis zu 500 Drohnen ein, während bei den größten Wellen in einer einzelnen Attacke 500 Schahed-Drohnen gestartet und insgesamt bis zu 1.000 Fluggeräte gleichzeitig eingesetzt werden.
Druck auf Moskau als Verhandlungsstrategie
Die ukrainische Führung verfolgt mit den erweiterten Langstreckenangriffen ein klares kalkuliertes Ziel. Wenn der Krieg für die russische Bevölkerung stärker spürbar werde, könne dies Präsident Wladimir Putin zu Verhandlungen bewegen. Das sei „eines der Mittel, um Putin an den Verhandlungstisch zu bringen“, erklärte Selenskyj laut Kyiv Post. Um diesen Druck aufrechtzuerhalten, strebt Kiew eine „wettbewerbsfähige Zahlan unbemannten Fluggeräten an, die den russischen Massenangriffen in etwa entspricht.
”
Bei den verwendeten Systemen spielen iranisch entwickelte Schahed-Drohnen, deren russische Variante Geran-2 heißt, weiterhin eine wichtige Bestandteil der Angriffe auf die Ukraine. Sie können große Sprengköpfe tragen. Häufig werden sie schwarz lackiert, damit sie nachts schwerer zu erkennen sind. Laut dem ukrainischen Militärgeheimdienst erreichen sie rund 2500 Kilometer und Geschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometern pro Stunde. Russland hat das Modell im Verlauf des Krieges immer weiter verändert und modernisiert. Inzwischen setzt Moskau verstärkt auch schnellere, düsengetriebene Drohnen bei Luftangriffen ein.
Politische Umbildung und Patriot-Raketen für den Winter
Überraschend hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine weitere Regierungsumbildung angekündigt. So soll Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko nach nur einem Jahr im Amt andere Aufgaben bekommen und abgesetzt werden. Die Entlastung muss formal noch vom Parlament bestätigt werden. Als möglicher Nachfolger wird laut ukrainischen Medienberichten Serhij Koretskyj gehandelt, der Chef des Energiekonzerns Naftohas. Es wird erwartet, dass weitere personelle Veränderungen in der ukrainischen Regierung folgen werden. „Die Ukraine ändert ihre politische Strategie, schrieb der ukrainische Präsident in den Sozialen Medien.

Demnach solle in Zukunft eine konkrete Person für priorisierte Bereiche der Außen- und Innenpolitik verantwortlich sein, betonte Selenskyj. Außenpolitisch gehörten unter anderem die Arbeit mit den Vereinigten Staaten und Verhandlungen über die Herstellung von Patriot-Flugabwehrraketen in der Ukraine zu den drängendsten Themen. Demnach solle Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko in Zukunft die Zusammenarbeit mit einem wichtigen Partner leiten, betonte Selenskyj. Für die kommenden Wintermonate fordert die ukrainische Regierung umgehend zusätzliche Unterstützung und benötigt nach eigenen Angaben mindestens 300 Patriot-Abfangraketen. „Jede Rakete bedeutet gerettete Leben“, sagte der Präsident in seiner Ansprache, während die Teilnehmer der Koalition am Montag weitere militärische Unterstützung zusagten, um die ukrainische Luftabwehr zu verstärken, enger mit der Rüstungsindustrie des Landes zusammenzuarbeiten und den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen.”