Eine Überprüfung der Gewerbesteuern für Pubs und Hotels in England und Wales wird von Experten geleitet und zielt auf ein faires System ab, während in Wales gleichzeitig gezielte Steuersenkungen für den Gastgewerbesektor in Kraft treten.
Das Bewertungsverfahren im Fokus: Warum sich Pubs ungerecht behandelt fühlen
Die Berechnungsgrundlage für die Gewerbesteuern im Gastgewerbe steht seit Jahren in der Kritik. Während Einzelhändler und andere Branchen nach reiner Bodenfläche besteuert werden, bemisst sich die Abgabe für Schankwirtschaften nach einer Methode namens Fair Maintainable Trade (FMT). Steigt der Umsatz eines Pubs, erhöht sich automatisch auch die steuerliche Belastung. Branchenvertreter kritisieren diese Praxis scharf als Bestrafung des wirtschaftlichen Erfolgs.
So erklärte Jonathan Lawson, Vorstandschef der Butcombe Group mit rund 120 Pubs im Süden und Südwesten Englands, gegenüber der BBC, dass im Gegensatz zu großen Online-Händlern in Lagern die tatsächliche Umsatzstärke einer Stätte einfließt. Dadurch könne ein sehr großer Standort eine vergleichsweise geringe Gewerbesteuer zahlen, während ein kleiner Pub mit hohen Abgaben belastet werde.
Jonathan Lawson, Chief Executive der Butcombe Group, äußerte, dass man einen sehr großen Standort haben könne, der eine vergleichsweise geringe Gewerbesteuer zahle, im Gegensatz zu einem relativ kleinen Pub, der eine sehr hohe Gewerbesteuer zahle.
Die neue Untersuchung unter der Leitung von Jerry Schurder
Um diese strukturellen Schieflagen zu korrigieren, hat das britische Finanzministerium eine umfassende Untersuchung der Gewerbesteuern für Pubs und Hotels in England und Wales eingeleitet. Als Leiter der Kommission wurde der Steuerexperte Jerry Schurder berufen. Schurder, an ehemaliger Experte für Gewerbesteuerpolitik bei der Beratungsfirma Newmark UK, soll die Ratenbewertungen durchleuchten und im März 2027 seinen Abschlussbericht vorlegen. Seine Ergebnisse sollen direkt in die nächste allgemeine Neubewertung der Sätze im Jahr 2029 einfließen.
James Murray, Staatssekretär im Finanzministerium, betonte, dass die Überprüfung auf eine Überarbeitung der Bewertungen ausgerichtet sei, um ein gerechteres System für die Zukunft zu schaffen. Auch Wirtschaftsverbände begrüßten den Schritt, forderten jedoch weitergehende Reformen. Emma McClarkin, Chefin des britischen Bier- und Pub-Verbandes BBPA, erklärte, dass die jahrzehntelange Benachteiligung der Schankwirtschaften deren Existenz gefährdet habe.
Emma McClarkin, Chief Executive des BBPA, führte aus, dass Pubs jahrelang eine unverhältnismäßig hohe Gewerbesteuerrechnung gezahlt hätten, was ihre Fähigkeit, den Betrieb aufrechtzuerhalten, zermürbt habe, weshalb diese Überprüfung dringend erforderlich und äußerst willkommen sei.
Steuersenkungen und Entlastungen in Wales und England
Parallel zu den langfristigen Reformplänen greifen akute Entlastungen. In Wales erhalten Pubs, Hotels und Fitnessstudios eine Kürzung der Gewerbesteuern um 15 Prozent. Zudem plant die walisische Regierung für das Fiskaljahr 2026/27 gezielte Erleichterungen für die Gastronomie: Pubs, Restaurants, Cafés, Bars und Livemusik-Spielstätten erhalten 15 Prozent Rabatt auf ihre Steuerschuld, wobei die Förderung pro Unternehmen auf 110.000 Pfund gedeckelt ist.

David Chapman, Direktor von UK Hospitality Cymru, beschrieb die Situation der Unternehmer als einen Drahtseilakt, den er mit Tellerdrehen auf einem Heimtrainer verglich. Neben den Gewerbesteuern belasten laut Chapman gestiegene Energiepreise, Inflation, eine problematische Mehrwertsteuer sowie höhere Lohnkosten durch Änderungen bei den Sozialabgaben (National Insurance) die Branche.
David Chapman, Direktor von UK Hospitality Cymru, erklärte, dass es massive Steuerbelastungen aus allen Bereichen gebe und man neben den Gewerbesteuern ein Mehrwertsteuerproblem habe, zudem in den letzten Jahren eine hohe Inflation in der Branche herrsche, die Energiekosten hoch gewesen seien und die Arbeitskosten durch die Änderungen bei den Sozialabgaben unglaublich gestiegen seien.
Verschärfte Meldepflichten und neue Multiplikatoren ab April 2026
Um Betrug und Fehleinschätzungen im System einzudämmen, führt die walisische Regierung ab dem 1. April 2026 strengere Vorgaben ein. Betreiber sind demnach verpflichtet, Änderungen wie den Bezug oder die Räumung von gewerblichen Immobilien innerhalb von 60 Tagen an die zuständige Kommunalbehörde zu melden. Bei Missachtung drohen Geldbußen von 500 Pfund sowie bis zu 1.000 Pfund bei falschen Angaben.

Zusätzlich greifen ab demselben Stichtag drei gestaffelte Steuermultiplikatoren in Wales, darunter ein reduzierter Einzelhandelsmultiplikator für kleine und mittlere Geschäfte mit einem Einheitswert von unter 51.000 Pfund. Während die britische Zentralregierung für England eine weitergehende 20-Prozent-Entlastung für Pubs auf den Weg gebracht hat, bleibt abzuwarten, ob die Untersuchung von Jerry Schurder im März 2027 die geforderte umfassende Modernisierung des gesamten britischen Gewerbesteuersystems einleiten kann.
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