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Technik und Wissenschaft

Umweltgruppen kritisiert neuen Naturabgabeplan in Norfolk

Um Tausende Wohnungen in Norfolk zu ermöglichen, sollen Bauherren eine neue Naturabgabe von 2.675 Pfund pro Haus zahlen. Während die Regierung von einer Win-Win-Situation spricht, kritisieren Umweltgruppen den Plan scharf: Die Abgabe adressiere die eigentlichen Wasserverschmutzungen nicht und gefährde seltene Kreidebäche.

Die britische Regierung plant ein Pilotprojekt in Norfolk, das den Wohnungsbau mit dem Umweltschutz verknüpfen soll. Über den sogenannten Environmental Delivery Plan (EDP) sollen Bauherren pro neuem Haus eine Abgabe von 2.675 Pfund entrichten.

Ziel ist es laut den Angaben, Einnahmen in Höhe von etwa 42m Pfund zu generieren, um damit rund 15.780 geplante Wohnungen freizugeben, deren Bau derzeit durch strengen Gewässerschutz blockiert wird.

Regierung nennt Plan Win-Win-Situation, während Umweltverbände Alarm schlagen

Environment Secretary Angela Eagle verteidigt das Vorhaben als Win-Win-Lösung für Entwicklung und Natur.

Das Geld soll in konkrete Maßnahmen wie die Anlage neuer Feuchtgebiete, die Flussrenaturierung und gezielte Hirschabschüsse fließen, um Umweltschäden im Einzugsgebiet auszugleichen. Geplant sind Projekte unter anderem für den River Wensum, die Bure Broads und Sümpfe sowie den River Yare.

Doch Naturschützer und Ökologen bezweifeln, dass diese Maßnahmen ausreichen. Sally Haines, Chefin des Chartered Institute of Ecology and Environmental Management, kritisiert, dass die geplanten Schritte zwar Lebensräume verbessern können, aber das eigentliche Problem der Wasserverschmutzung ungelöst lassen.

Umweltgruppen kritisiert neuen Naturabgabeplan in Norfolk

Wenn man das nicht tut, wird man keine gute Naturerholung erreichen, warnt Haines.

Sally Haines, Hauptgeschäftsführerin des Chartered Institute of Ecology and Environmental Management, erklärte dazu: „Obwohl die im Plan dargelegten Maßnahmen die ökologischen Lebensräume in dem Gebiet verbessern würden, gehen sie nicht unbedingt gegen die Verschmutzung vor, die in das Wasser gelangen wird.

Besonders die seltenen Kreidebäche in Norfolk, die oft als Englands Regenwälder bezeichnet werden, gelten als akut gefährdet. Kampagnenarbeiter wie Mark Dye von der Gruppe Gaywood River Revival bemängeln, dass kontinuierlich mehr Verschmutzung in die Flüsse eingeleitet werde, ohne die Ursachen zu bekämpfen.

Regeln zu Nährstoffneutralität sollen ersetzt werden

Das neue System soll die bisher komplizierten Regeln zur Nährstoffneutralität ersetzen. Diese wurden in der Vergangenheit unter anderem dafür verantwortlich gemacht, dass das Sanierungsprojekt für die ehemalige Senffabrik Colman’s Mustard Factory an den Carrow Works in Norwich blockiert wurde.

Natural England leitet das Projekt. Marian Spain, Chefin der Organisation, betont die Vorteile: Statt das Problem kleinteilig anzugehen, ermögliche der Plan wirksame Naturschutzmaßnahmen in ganz Norfolk. Ein Regierungssprecher unterstrich, die Abgabe erleichtere den Entwicklern das Leben.

Gleichzeitig widerspricht Sally Haines der Darstellung der Regierung, dass Umweltvorschriften der Hauptgrund für stockenden Wohnungsbau seien. Sie bezeichnet dies als Trugschluss und verweist auf andere Hürden wie Material- und Arbeitskräftemangel sowie Grundstückspreise.

Auch Steve Turner vom Home Builders Federation sieht das Problem woanders: Seiner Ansicht nach verschmutzen vor allem Landwirte die Gewässer, während Wassergesellschaften zu wenig in die Infrastruktur investieren, um Abwassereinleitungen zu stoppen.

Naturschützer prüfen Auswirkungen auf geschützte Naturstätten

Eliot Lyne, Chef des Norfolk Wildlife Trust, äußerte Sorge, dass die allgemeinen Änderungen der Planungsregeln bestehende Schutzräume für national und global bedeutende Naturstätten wie Kreidebäche, Feuchtgebiete und Talkessel schwächen könnten. Seine Organisation benötige mehr Zeit zur Prüfung.

Die Öffentlichkeit kann noch im Rahmen einer Konsultation Stellung beziehen, die am 17. September begann und am 27. Oktober endet. Erst danach will Natural England die finalen Pläne bei Angela Eagle und ihrem Ministerium einreichen.

Unklar bleibt indes, ob das Modell künftig auch in anderen Regionen Englands eingeführt wird, obwohl Natural England dies anstrebt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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