Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Bitcoin-Mining-Firmen verlagern Investitionen in Künstliche Intelligenz

Bitcoin-Mining-Unternehmen lenken massiv Rechenleistung und Investitionen in Richtung Künstliche Intelligenz um.

Millionenschwere Compute-Deals und der Wandel zu Anthropic

Unternehmen, die einst riesige Lagerhallen mit Computern füllten, um Kryptowährungen zu schöpfen, orientieren sich im grossen Stil um. Die Konzerne nutzen dabei ihre langjährige Erfahrung im Betrieb grosser Rechenzentren und bei der Suche nach günstiger Elektrizität.

Ein prominentes Beispiel für diese Entwicklung ist Riot Platforms. Das Unternehmen unterzeichnete einen Berechnungsvertrag im Wert von neun Milliarden Dollar über eine Laufzeit von 20 Jahren mit dem KI-Entwickler Anthropic. Auch Branchengrössen wie TerraWulf, Ionic Digital, Core Scientific, Iris Energy, Bitdeer und Hut 8 lenken ihre Infrastruktur gezielt in Richtung Hochleistungsrechnen um.

Yerbolsyn Sarsenov, Chief Executive von Enegix, erklärte via Yahoo, dass man sich heute zuversichtlich in Richtung Künstliche Intelligenz bewege und die schrittweise Ausrichtung der Energie- und Infrastrukturkapazitäten sowohl in Kasachstan als auch anderswo auf die Entwicklung von KI-Infrastruktur plane.

Yerbolsyn Sarsenov, Chief Executive von Enegix, via Yahoo

Investitionen und wirtschaftlicher Wandel in Appalachen-Gemeinden

Der Strukturwandel zeigt sich nicht nur in Bilanzen, sondern auch vor Ort in traditionellen Industriegebieten. In einer Schlucht im US-Bundesstaat Kentucky rüstet Blockware Solutions eine verlassene Kohlenwaschanlage in Belfry um, um dort eine neue Operationsstätte für digitales Geld zu errichten. Die Bauarbeiter absolvierten im vergangenen Winter Schichten von zehn bis zwölf Stunden, um das Gelände anzupassen.

Warren Rogers, Chief Strategy Officer von Blockware Solutions, beschrieb das Vorhaben vor Ort mit den Worten, man versuche, Kohle zu digitalisieren. Die Anlage soll nach Fertigstellung bis zu drei Bitcoins pro Tag erzeugen, deren Wert kürzlich bei über 100,000 Dollar lag, und dabei mehr Strom verbrauchen als alle Haushalte in Belfry zusammen.

Während Kohleminen in der Region früher Tausende Menschen beschäftigten, kommen Krypto-Standorte mit kleinen Teams von weniger als einem Dutzend Arbeitern aus. Dennoch bringt der Sektor dringend benötigte Investitionen in die Region. Der Standort in Belfry schafft nach Angaben des Unternehmens fünf bis zehn Vollzeitarbeitsplätze mit einem Stundenlohn von 23 Dollar. Kentucky wirbt derweil international um Betreiber und verabschiedete ein steuerliches Anreizpaket, das den Bundesstaat jährlich etwa 9 Millionen Dollar an Steuereinnahmen kosten könnte.

Börsenboom und regulatorische Rahmenbedingungen

Die Neuausrichtung hin zu KI-Infrastrukturen vollzieht sich vor dem Hintergrund einer kräftigen Erholung der Kryptomärkte. Bitcoin kletterte im Zuge einer breiten Markterholung über die Marke von 79,000 Dollar, was den Kurs börsennotierter Krypto-Unternehmen stark angetrieben hat. Der Bitcoin-Miner Canaan verzeichnete an einem Freitag Gewinne von mehr als 25 Prozent, während MARA Holdings um fast 16 Prozent zulegte. Auch Brokerage-Plattformen wie Robinhood und Coinbase profitierten von der gesteigerten Nachfrage.

Bitcoin-Mining-Firmen verlagern Investitionen in Künstliche Intelligenz
Photo: techjuice.pk

Zusätzlichen Rückenwind erhielten die Märkte durch Ankündigungen des US-Finanzministeriums, den Rückkauf bestimmter langfristiger Anleihen zu verdoppeln, um die Liquidität zu verbessern. Gleichzeitig erneuerte US-Präsident Donald Trump seine Forderung an den Kongress, das CLARITY Act voranzutreiben. Das Gesetz soll die Zuständigkeiten zwischen der Commodity Futures Trading Commission und der Securities and Exchange Commission klar abgrenzen.

Langfristige Folgen für die Energieinfrastruktur

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass der Trend zur Künstlichen Intelligenz auch dann anhalten wird, wenn sich der Bitcoin-Kurs erholt. Wolfie Zhao von der Publikation Energy Mag betont, dass ein Zurück oft nicht wirtschaftlich ist, sobald die Energieinfrastruktur einmal auf Rechenzentren für KI umgerüstet wurde.

Bitcoin-Mining-Firmen verlagern Investitionen in Künstliche Intelligenz
Photo: Context

Wolfie Zhao, Analyst beim Energy Mag, erklärte via Yahoo, dass es kein Zurück mehr gebe, sobald diese Multi-Gigawatt-Energieinfrastruktur erst einmal auf KI- oder HPC-Colocation umgerüstet sei.

Wolfie Zhao, Analyst beim Energy Mag, via Yahoo

Dennoch planen nicht alle Unternehmen den vollständigen Ausstieg aus dem klassischen Krypto-Geschäft. Bitdeer kündigte zwar ebenfalls einen 16-Jahres-Vertrag mit Anthropic an, will aber laut Chief Strategy Officer Haris Basit weiterhin Bitcoin schürfen. Das Unternehmen setzt auf ein Dual-Modell, bei dem die Flexibilität des Krypto-Minings mit den langfristigen Einnahmen aus KI-Workloads kombiniert wird.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.