Die britische Regierung hat eine offizielle Überprüfung der umstrittenen Berechnungsmethoden für Gewerbesteuern in Pubs und Hotels in England und Wales eingeleitet. Der Experte Jerry Schurder soll bis März 2027 Reformvorschläge erarbeiten, während die Branche zugleich unter steigenden Betriebskosten und jüngsten Steuererhöhungen leidet.
Jerry Schurder übernimmt die Leitung der Bewertungsreform
Die britische Regierung treibt die Reform der Gewerbesteuern im Gastgewerbe voran. Wie das Ministerium in London bekannt gab, wurde der erfahrene Gewerbesteuerexperte Jerry Schurder mit einer umfassenden Untersuchung der bisherigen Bewertungssysteme für Pubs und Hotels betraut. Schurder, ehemaliger Leiter der Gewerbesteuerabteilung beim Immobiliendienstleister Newmark, soll bis Ende März 2027 seine Ergebnisse vorlegen. Die daraus resultierenden Empfehlungen sollen dann im Rahmen der nächsten turnusmäßigen Hauptbewertung am 1. April 2029 umgesetzt werden.
Begleitet wird dieser Prozess von einer öffentlichen Konsultation. Landwirte, Brauereien, Hotelbetreiber und Inhaber gastronomischer Betriebe sind ausdrücklich dazu aufgerufen, sich an dem Verfahren zu beteiligen, um lang überfällige Veränderungen herbeizuführen.
Kritik am Umsatz-basierten Bewertungsverfahren für Pubs
Im Zentrum der Kritik steht die Art und Weise, wie der steuerliche Wert von Pubs und Hotels ermittelt wird. Im Gegensatz zu anderen Branchen wie Restaurants oder Cafés, deren Steuern primär auf Basis der reinen Mietfläche berechnet werden, greift im Gastgewerbe eine umsatzbasierte Methode.
Das sogenannte Fair Maintainable Trade
-Verfahren sorgt dafür, dass die steuerliche Belastung parallel zum steigenden Umsatz eines Betriebs anwächst. Branchenverbände bemängeln seit Jahren, dass diese Praxis die wirtschaftliche Realität des Marktes verfehlt. Die British Beer and Pub Association (BBPA) betonte, dass die Gewerbesteuerlast für Pubs dadurch unverhältnismäßig hoch ausfalle und deren Überlebenskampf verschärfe. Nach Angaben der BBPA mussten im ersten Quartal des laufenden Jahres allein in England, Schottland und Wales 161 Pubs schließen, was den Verlust von rund 2.400 Arbeitsplätzen zur Folge hatte.
Politische Reaktionen und finanzielle Rahmenbedingungen
Die Reformankündigung trifft auf ein gespaltenes Echo in der britischen Politik und Wirtschaft. Finanzstaatssekretär James Murray begründete den Schritt mit der Notwendigkeit eines Überdenkens der Bewertungen, um ein faireres System für die Zukunft aufzubauen. Emma McClarkin, Chefin der BBPA, bezeichnete die Initiative als dringend erforderlich und äußerst willkommen, da die bisherigen Lasten die Fähigkeit vieler Betriebe zum Offenhalten untergraben hätten.
Diese Schritte erfolgen als Reaktion auf den Wegfall von pandemiebedingten Vergünstigungen im Herbst 2025 und drastische Kostensteigerungen.
Sir Mel Stride, Schattenkanzler, erklärte, Steuererhöhungen auf Geschäftsgrundstücke und Arbeitsplätze sowie vernichtende Regulierungen im Gesetz über Arbeitnehmerrechte hätten viele Gastronomiebetriebe an den Rand des Ruins gebracht.
Kritiker aus der Opposition zeigen sich skeptisch. Der konservative Schattenkanzler Sir Mel Stride warf der Regierung vor, die Maßnahmen kämen viel zu spät für einen Sektor, den diese Labour-Regierung bereits ihr Bestes getan hat, um ihn zu zerstören. Neben den Gewerbesteuern belasten auch gestiegene Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und der erhöhte Mindestlohn die Betriebe massiv.
Forderungen nach weiteren Entlastungen und Reformen im Einzelhandel
Neben dem Gastgewerbe melden sich auch andere Wirtschaftsverbände zu Wort. Craig Beaumont von der Federation of Small Businesses (FSB) lobte zwar Schurders Ernennung als Zuzug entscheidender, gewichtiger Fachkompetenz im Bereich der Gewerbesteuern in das Finanzministerium, forderte jedoch gleichzeitig, dass die Freigrenzen für die Kleinunternehmensteuerbefreiung angehoben werden müssten.

Tom Ironside vom British Retail Consortium betonte, es sei lebenswichtig, dass die Bedürfnisse des Einzelhandels nicht übersehen werden. Auch die Liberaldemokraten forderten flankierende Maßnahmen, darunter eine Notfallsenkung der Mehrwertsteuer sowie eine Rücknahme der jüngsten Steuererhöhungen auf Arbeitsplätze, welche die Gastronomie besonders hart getroffen hätten. Ob die nun gestartete Untersuchung von Jerry Schurder die strukturellen Probleme des Sektors bis zum Stichtag im April 2029 nachhaltig lösen kann, bleibt angesichts der akuten Kostenkrise abzuwarten.
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