Der berühmte Dirigent Riccardo Muti kritisiert scharf den Zustand von Kulturstätten wie der Villa Verdi und warnt vor einer zunehmenden Entfremdung von Regisseuren vom musikalischen Text. Muti kündigte zudem an, Verdis Requiem nicht mehr zu dirigieren, und betonte, dass das Dirigieren mit den Jahren immer schwieriger werde.
Ein Bild des Meisters bewacht das Studio des Dirigenten in Ravenna. Dem Andenken des Komponisten galt auch der jüngste Auftritt Mutis: Vor der Villa Verdi in Sant’Agata musizierte er als Protest gegen die Schließung und den langsamen Verfall der noch vollständig eingerichteten Wohn- und Arbeitsstätte des Meisters. Seit 2022 ist diese für Besucher geschlossen.
Als der Gast aus Wien berichtete, dass auch in Österreich Gedenkstätten für Haydn, Schubert und Johann Strauß zumindest vorübergehend geschlossen wurden, reagierte er empfindlich.
Riccardo Muti über Partituren und die Schwierigkeit des Dirigierens
In seinem Arbeitszimmer in Ravenna steht der Blüthner-Flügel, den sich Muti in den allerersten Jahren seiner Karriere anschaffen konnte. Bis heute leistet der Blüthner treue Dienste. Aufgeschlagen liegen dort Partituren, darunter Bruckners Achte – auf dem Programm einer Japanreise mit den Wiener Philharmonikern sowie vorab im Wiener Musikverein –, aber auch Verdis Requiem.
Muti erklärte, dass er das Requiem vor der sommerlichen Aufführung bei den Salzburger Festspielen erneut studiert habe und dass das Dirigieren mit den Jahren schwieriger werde. Er erwähnte, dass er das Werk häufig dirigiert und dreimal aufgenommen habe und dass er sich entschlossen habe, es nicht mehr zu dirigieren.
Verdis Partituren bleiben laut Muti rätselhaft. Er führt aus, dass der Komponist Unmögliches verlange, vor allem dynamisch, und sechsfaches Piano fordere. Leise Töne würden oft von Sängern verlangt, die trotzdem oft brüllen. Verdi fordert sechsfaches Piano, und die Sänger brüllen oft trotzdem herum,
wird Muti in dem Bericht zitiert. So beginnen Tenöre laut Muti das Kyrie eleison
gern, als ginge es um eine Heldenpartie, was ihn zu Unterbrechungen zwingt, da es sich um ein Gebet handelt.
Kritik an der modernen Opernregie
Muti, der über das jugendliche Cherubini-Orchester auch Kurse für Dirigenten anbietet, ortet mangelnde Sensibilität bei angehenden Kollegen. Ein Interpret könne durch genaues Studium Stilsicherheit und Geschmack entwickeln, vor allem in der Oper, wo es zuallererst auf den Text und die Musik ankomme.
Während in seiner Jugend Sänger und Korrepetitoren wochenlang um den am Flügel sitzenden Dirigenten versammelt waren, um die Aufführung detailgetreu nach der Partitur einzustudieren, probieren Regisseure heute wochenlange ohne Musik, kritisiert Muti. Dabei würden Konzepte
realisiert, die kaum etwas mit Libretto und Komposition zu tun hätten. Diesem Betrieb hat sich Muti entzogen; er dirigiert Opern nur noch konzertant.
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