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Welt

Hendrik Wüst kritisiert Mineralölkonzerne wegen Tankrabatt-Weitergabe

Der am 1. Oktober 2026 in Kraft getretene Tankrabatt der Bundesregierung sorgt für hitzige politische Debatten. Während der Bund die Energiesteuer vorübergehend senkt, werfen Kritiker wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst den Mineralölkonzernen vor, die Entlastung nicht vollständig an den Zapfsäulen weiterzugeben.

Sinkende Preise zum Start und heftige Reaktionen im Land

Der staatliche Steuernachlass für Benzin und Diesel hat in der Nacht zum 1. Oktober zu spürbaren Preissenkungen an den Tankstellen geführt. Bundesweite Durchschnittspreise auf Portalen wie Tankerkönig sackten in den ersten Stunden um rund zehn bis elf Cent ab (der Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter). Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel, die Tanklager und Raffinerien verlassen, ein Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter. Kartellamtspräsident Mundt erklärte gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk, dass die Preise in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag im Schnitt um rund 18 Cent je Liter sanken. An vielen Orten bildeten sich Schlangen, und mancherorts war Superbenzin der Sorte E10 für weniger als zwei Euro zu haben. Im Landkreis Cuxhaven lag der Preis für Super E10 gegen 11.45 Uhr an einer Tankstelle bei 2,009 Euro pro Liter, während ein Liter Diesel zur selben Stunde 2,139 Euro kostete. Im Rhein-Main-Gebiet konnten Autofahrer in Hattersheim Super E10 für 1,869 Euro tanken, und in Wesertal gab es Diesel teilweise für 1,999 Euro.

Doch die Freude hielt nur kurz. Schon am Mittag des ersten Tages zogen die Preise in vielen Regionen wieder an (Preise nach 12 Uhr wieder angehoben). Tankstellenbesitzer und Autofahrer erlebten eine volatile Preisentwicklung, während einige Stationen in Dannenberg, Lüneburg und Bad Bevensen kurzzeitig leerliefen und auf neue Lieferungen warten mussten. Der ADAC ermittelte für den Freitagmorgen bundesweit einen Durchschnittspreis von 2,098 Euro je Liter für Super E10, was einem Anstieg von 3,6 Cent im Vergleich zum Donnerstagmorgen entsprach, während sich Diesel binnen eines Tages um 3,9 Cent auf 2,248 Euro verteuerte.

Hendrik Wüst kritisiert Mineralölkonzerne wegen Tankrabatt-Weitergabe
Foto: focus.de

Politische Kritik an den Mineralölkonzernen und der Vorwurf des Skandals

Weil die Entlastung an den Zapfsäulen nach Ansicht vieler Beobachter schnell wieder aufgezehrt wurde, geraten nun die Mineralölkonzerne ins Visier der Politik. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst äußerte scharfe Kritik an der Preisgestaltung der Konzerne (Hendrik Wüst: CDU-Politiker schießt gegen Ölkonzerne).

Wenn sich die Mineralölkonzerne an den Entlastungsmaßnahmen für Pendler und Unternehmen bereichern, ist das ein Skandal.

Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, via Bild

Wüst betonte, dass ein solches Verhalten nicht nur Löcher in die Familienkasse reiße, sondern auch das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft untergräbt (Spritpreise: Hendrik Wüst spricht von „Skandal“). Gleichzeitig verteidigte der CDU-Politiker das Eingreifen der Bundesregierung als notwendige Reaktion auf die extrem hohen Kraftstoffpreise, die durch Konflikte im Nahen Osten angeheizt worden seien. Auch der CDU-Politiker Lars Rohwer stimmte im Bundestag mit „Jafür den Tankrabatt und erklärte, er sei zufrieden mit der Entscheidung, sehe aber für die Zukunft weiteren Bedarf an langfristigen Strategien wie einem Spritpreisdeckel oder gezielten Direktzahlungen.”

Hendrik Wüst kritisiert Mineralölkonzerne wegen Tankrabatt-Weitergabe
Foto: NDR.de

Position des ADAC und wirtschaftliche Einordnung

Der Allgemeine Deutscher Automobil-Club teilt die Einschätzung, dass die Kraftstoffpreise zu hoch bleiben. Laut Angaben des Automobilclubs bestehen weiterhin Spielräume für Preissenkungen, zumal es an den Rohstoffbörsen in den Tagen zuvor keine nennenswerten Preisschübe gegeben habe (Wüst attackiert Ölkonzerne wegen Spritpreisen).

Wirtschaftsexperten blicken indes skeptisch auf das milliardenschwere Paket. Clemens Fuest vom Ifo-Institut bemängelt, dass der Tankrabatt eine Umverteilung zugunsten von Vielfahrern mit großen Autos bewirke, während Haushalte ohne Auto keine Entlastung erhalten und die Maßnahme mitfinanzieren müssten. Bei monatlich 1000 Kilometern und einem Verbrauch von sechs Litern betrage die Ersparnis lediglich zehn Euro, während gesamtwirtschaftlich spürbare Kosten von 2,5 Milliarden Euro entstünden, die an anderer Stelle besser eingesetzt werden könnten. Ähnlich äußerte sich Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, der betonte, dass vor allem Haushalte mit höheren Einkommen profitieren. Der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie (en2x), Christian Küchen, hält dagegen und erklärt, dass die Energiesteuersenkung die Gewinne der Ölkonzerne nicht verändere, da weltweite Knappheiten infolge des Ukraine-Krieges und des Konflikts im Iran die Hauptursache seien.

Hendrik Wüst kritisiert Mineralölkonzerne wegen Tankrabatt-Weitergabe
Foto: SWR3
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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