Die irische Nationalmannschaft hat im umstrittenen Nations-League-Duell gegen Israel in Bácsatopolya erneut auf den Handschlag verzichtet und den Kopf gesenkt. Während das Spiel am Sonntag mit einem 1:1 endete, sorgten tumultartige Szenen im Spielertunnel und Vorwürfe wegen einer Spuckattacke für zusätzliche Brisanz.
Das Spiel endete nach Toren von Troy Parrott und Dor Peretz mit einem 1:1-Unentschieden. Irland war im ungarischen Debrecen noch als klarer 3:0-Sieger vom Platz gegangen, hatte jedoch auch dort vor dem Anpfiff für Aufsehen gesorgt.
Protestaktionen und fehlender Handschlag vor leeren Rängen in Bácsatopolya
Schon vor dem Anpfiff in der TSC Arena ließen die irischen Akteure keinen Zweifel an ihrer Haltung. Wie bereits beim vorangegangenen Auswärtsspiel trugen die Spieler schwarze Trauerbänder in Gedenken an die Getöteten im Gazastreifen. Als die israelische Nationalhymne «Hatikva» erklang, senkten die irischen Spieler demonstrativ ihre Köpfe.
Der irische Ersatztorhüter Caoimhín Kelleher, der den nachwuchsbedingt abwesenden Dara O’Shea als Kapitän vertrat, mied beim traditionellen Zeremoniell jeglichen Körperkontakt. O’Shea hatte bereits im Hinspiel den Handschlag mit dem israelischen Kapitän verweigert; Kelleher führte diesen Boykott beim Münzwurf mit dem neuen israelischen Spielführer Dor Peretz nahtlos fort. Die israelischen Spieler liefen ihrerseits mit Trauerbänder auf, um der Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 zu gedenken.

Tumulte im Spielertunnel und Spuckvorwurf
Die emotionale Anspannung entlud sich zur Halbzeitpause im Stadionkatakomben. Beim Gang in die Kabinen kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Spielern und Betreuern beider Teams. Dabei soll ein israelischer Spieler den irischen Athletiktrainer Damien Doyle angespuckt haben. Fernsehbilder fingen einen Ausruf ein, in dem jemand empört rief, er sei angespuckt worden.
Irlands Nationaltrainer Heimir Hallgrímsson versuchte nach Abpfiff, die Wogen zu glätten, ohne den Vorfall kleinzureden.
Ich war dabei. Ich werde das nicht kommentieren. Das ist etwas, das sich wahrscheinlich ein Disziplinarcomité ansehen wird. Es gab den Vorwurf, dass jemand angespuckt wurde, aber ich habe es nicht gesehen und ich möchte nicht darüber reden. Es wird überprüft werden wie alles andere, was zwischen den Teams passiert ist.
Heimir Hallgrímsson, Nationaltrainer der Republik Irland
Der israelische Coach Ran Ben Shimon erklärte hingegen, er habe von den Vorkommnissen im Tunnel nichts mitbekommen. Er sei zur Halbzeit in seinem Raum mit seinem Trainerstab gewesen und wolle die Sache erst nach eigener Prüfung kommentieren.
Sportlicher Verlauf und sportrechtliche Konsequenzen
Auf dem Platz ging die Republik Irland durch einen Foulelfmeter von Troy Parrott in der 39. Minute in Führung. Für den Stürmer war es bereits der zehnte Treffer in seinen letzten sieben Pflicht Länderspielen. Unmittelbar nach dem Seitenwechsel glich Dor Peretz in der 47. Minute für Israel aus, das in der zweiten Hälfte noch zweimal Aluminium traf und dem Siegtreffer nach Ansicht israelischer Medien näher war.
Die UEFA wartet nun auf die offiziellen Berichte des Schiedsrichters Jose Luis Munuera Montero sowie des UEFA-Delegierten. Erst nach deren Auswertung wird das unabhängige Disziplinarorgan über mögliche Sanktionen entscheiden. Hallgrímsson zeigte sich unterdessen erschöpft von den Begleiterscheinungen des Lehrgangs und erklärte, allein das Überstehen dieser Länderspielwoche als geschlossene Einheit fühle sich wie ein massiver Sieg an.

Reaktionen und politische Begleitumstände der Partien
Die Berichterstattung über die Begegnung in den Medien spiegelte die anhaltende politische Aufladung wider. Israelische Zeitungen wie Yisrael Hayom und N12 kritisierten die Gesten der irischen Auswahl scharf und sprachen von billigen Provokationen sowie einer Geringschätzung der eigenen Nationalhymne. Auf Seiten der irischen Anhänger und Offiziellen wurde der Boykott des Handschlags hingegen als notwendiger Mittelweg beschrieben, nachdem im Vorfeld massive Forderungen nach einer vollständigen Absage der Spiele laut geworden waren.
Bereits im Vorfeld der Partie im serbischen Bácsatopolya hatte es erhebliche Spannungen rund um den Spielbetrieb gegeben. So war der Aufenthalt der irischen Mannschaft von Diskussionen und einer Abstimmung unter den Spielern über die Durchführung der Begegnung begleitet worden, nachdem Torhüter Gavin Bazunu seine Teilnahme aus persönlichen Überzeugungen abgesagt hatte.
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