Eine Pressekonferenz der irischen Fußballnationalmannschaft vor dem Nations-League-Spiel gegen Israel ist in Bačka Topola nach verbalen Auseinandersetzungen mit Reportern abrupt abgebrochen worden. Der Vorfall am Samstag verschärft die ohnehin angespannte sportliche und politische Atmosphäre vor dem Duell am Sonntagabend.
Die Begegnung in der UEFA Nations League zwischen der Republik Irland und Israel hat bereits im Vorfeld für heftige Kontroversen gesorgt. Am Samstag eskalierte die Situation während eines Medientermins in Serbien, als irische Offizielle die Veranstaltung beendeten.
Wortwechsel über Terrorakt und Rassismusvorwürfe
Auslöser für den Abbruch waren laut übereinstimmenden Medienberichten mehrere konfrontative Fragen von Journalisten. Zunächst forderten Berichterstatter eine Stellungnahme zu einem Vorfall an Bord eines Flydubai-Fluges, bei dem ein Co-Pilot den Piloten mit einer Axt attackiert hatte und den die emiratischen Behörden als Terrorakt
einstuften.
Unter anderem wandte sich ein Journalist an den Nationaltrainer und stellte die Frage, was dieser zu den Personen sage, die seine Mannschaft unterstützen, mit der Behauptung, deren Ideologie basiere auf Mord, während in derselben Woche ein Versuch stattgefunden habe, zahlreiche Menschen an Bord zu töten. Der irische Pressesprecher Kieran Crowley wies Fragen zu den politischen Ansichten der Mannschaft als unzulässig zurück. Unmittelbar danach warf ein weiterer israelischer Journalist den irischen Nationalspielern vor, israelische Spieler während des Spiels als „Affen“ bezeichnet zu haben. Der Kommunikationschef unterbrach ihn daraufhin und erklärte die Anschuldigung für „völlig unwahr, woraufhin er die Gesprächsrunde für beendet erklärte.
”
Was sagen Sie zu den Menschen, die Sie unterstützen? Ihre Ideologie basiert auf Mord.
Journalist, via Ligaportal
Der irische Pressesprecher lehnte derartige Fragen als unzulässig ab. Kurz darauf warf ein weiterer israelischer Journalist den irischen Spielern vor, während der Partien rassistische Beleidigungen zu nutzen. Als dem Reporter das Mikrofon weggenommen wurde, beendete die irische Delegation die Fragerunde sofort.
Im Anschluss an den abrupten Abbruch der Hauptkonferenz wurde ein separates Briefing angesetzt, das ausschließlich für irische Medien vorgesehen war. Als ein Vertreter des israelischen Rundfunks daran teilnehmen wollte, wurde diese Veranstaltung von den Verantwortlichen in einen anderen Bereich des Stadions verlegt. Der Vorfall unterstreicht die massiven Spannungen vor dem sportlichen Aufeinandertreffen in Serbien.
Verschärfte Spannungen und Boykottdebatten
Die sportlichen Auseinandersetzungen stehen im Schatten des anhaltenden Gaza-Krieges. Die Republik Irland zählt zu jenen europäischen Staaten, die das israelische Vorgehen scharf kritisieren und 2024 offiziell Palästina als Staat anerkannten.
Die Boykottdiskussionen äußerten sich auch im Kader der irischen Nationalmannschaft. So hatte Ersatztorwart Gavin Bazunu das vorangegangene Spiel boykottiert und stand der Mannschaft auch für die anstehende Partie nicht zur Verfügung. Zudem hatten irische Spieler im Hinspiel in Ungarn auf übliche Höflichkeitsgesten wie das Abklatschen vor oder nach dem Spiel verzichtet und stattdessen getragene schwarze Armbinden genutzt, um der Opfer des Konflikts zu gedenken; bei der Hymne hielten sie ihre Köpfe gesenkt.
Auch die Wortwahl im Trainerlager sorgte für diplomatische Verstimmungen. Hallgrímsson hatte zuvor erklärt, sein Team spiele gegen Völkermord
, was den israelischen Fußballverband zu einer scharfen Entgegnung veranlasste, in der er dem isländischen Coach Ignoranz vorwarf (Yahoo). Der irische Ministerpräsident Micheál Martin bezeichnete die Reaktion des israelischen Verbandes daraufhin als inakzeptabel.

Sicherheitsvorkehrungen und die Rolle der UEFA
Das Gruppenspiel in der UEFA Nations League findet aufgrund der Sicherheitslage unter strengen Auflagen in Serbien statt. Bereits das Hinspiel in Ungarn war von politischen Protesten begleitet worden, bei denen irische Spieler auf übliche Gesten verzichteten und schwarze Armbinden trugen (ORF).
Trainer Hallgrímsson wollte sich zu den neuesten Ereignissen nicht detailliert äußern und erklärte, er werde nicht im Detail darauf eingehen, was gesagt wurde
(ORF). Beide Verbände haben offizielle Meldungen bei der UEFA eingereicht, die die Vorfälle nun prüfen wird.
Nach Angaben des irischen Trainers Heimir Hallgrimsson haben beide beteiligten Verbände Berichte über die Vorfälle eingereicht. Die Geschehnisse sollen demnach zunächst innerhalb der zuständigen Abteilungen und im Anschluss von der Europäischen Fußball-Union UEFA geprüft werden.
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