Die Elmshorner Backstuv GmbH hat beim Amtsgericht Pinneberg ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Betroffen von der Pleite sind die Traditionsbäckerei Millahn mit zwölf Standorten und 66 Beschäftigten in Elmshorn und Umgebung im Kreis Pinneberg. Das 1977 gegründete Familienunternehmen kämpft mit steigenden Kosten und dem Wegfall wichtiger Kunden.
Insolvenzantrag beim Amtsgericht Pinneberg für zwölf Standorte
Das deutsche Bäckerhandwerk gerät weiter unter Druck. In Elmshorn und im umliegenden Kreis Pinneberg hat es nun die Traditionsbäckerei Millahn getroffen. Wie berichtet wurde, hat die Betreibergesellschaft Elmshorner Backstuv GmbH beim zuständigen Amtsgericht Pinneberg die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt.
Von dem Schritt sind insgesamt zwölf Standorte sowie 66 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Darunter befindet sich auch ein Betrieb in Klein Offenseth-Sparrieshoop. Das Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück: Im Jahr 1977 hatten Horst und Cornelia Millahn das Familienunternehmen gegründet, das über die Jahrzehnte zu einer festen Größe im lokalen Handwerk heranwuchs und klassisches Bäckerhandwerk mit moderner Technik verband.

Steigende Kosten und der Wegfall von Großkunden als Ursachen
Hinter der Pleite stecken massive wirtschaftliche Belastungen. Laut Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalterin Jennie Best von der Kanzlei Reimer, die zuerst bekannt wurden, brachen dem Betrieb gleich zwei wichtige Großkunden weg.
Gleichzeitig drückten stark gestiegene Preise für Energie und Rohstoffe auf die Bilanz. Zusätzliche Lasten brachten der höhere Mindestlohn, der am 1. Januar 2026 um 8,4 Prozent auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen war, sowie ein hoher Krankenstand. Wegen fehlenden Personals mussten einzelne Filialen ihre Öffnungszeiten zeitweise einschränken, was wiederum zu weiteren Umsatzeinbußen führte. Hinzu kommt ein branchenweiter Verdrängungswettbewerb, da immer mehr Verbraucher Brot und Kuchen im Discounter oder Supermarkt kaufen.
Bundesweit leiden Bäckereien unter ähnlichen Problemen, wie zahlreiche weitere Insolvenzfällen in verschiedenen Regionen Deutschlands zeigen. So traf es im Sauerland die Genuss-Bäckerei Tillmann mit acht Filialen und 105 Beschäftigten, während in Bayern die Bäckerei Maier mit sechs Standorten und 50 Mitarbeitern ebenfalls Pleite anmeldete. In Schleswig-Holstein musste eine weitere Kette mit knapp 100 Beschäftigten und neun Filialen Insolvenz anmelden. Auch in Berlin und Brandenburg sowie bei der niedersächsischen Bäckerei Leifert, wo zwölf Standorte geschlossen wurden, kam es zu drastischen Einschnitten. Lediglich Großbäcker, die Supermärkte beliefern, verzeichnen Gewinne, wie etwa Deutschlands größte Bäckerei, die eine neue Brot-Fabrik errichtet und dafür 200 Millionen Euro investiert.
Produktion läuft vorerst weiter und Investorensuche gestartet
Trotz des Insolvenzantrags geht der Betrieb an den Standorten vorerst weiter. Produktion und Verkauf sind nicht sofort gestoppt worden.

„Unsere Filialen haben wie gewohnt geöffnet, unsere Backstube läuft, und unser Team steht jeden Morgen für Sie bereit
Unternehmensmitteilung, Elmshorner Backstuv GmbH
Die finanzielle Absicherung der Löhne und Gehälter ist für die kommenden drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gewährleistet. Die vorläufige Insolvenzverwalterin zeigt sich zuversichtlich für die Zukunft des Betriebs und hob hervor, dass die Bäckerei fest in der Region verwurzelt ist und auf einen treuen Kundenstamm zählen kann.
„Die Backstuv ist fest verankert und kann auf einen treuen Kundenstamm bauen. Das ist eine gute Grundlage für die Fortführung des Unternehmens. Erste Anfragen potenzieller Investoren liegen bereits vor
Jennie Best, vorläufige Insolvenzverwalterin
Verwandte Artikel