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Unternehmen

Wien: 54 Prozent der Unternehmen durch KI-Cyberangriffe unter Druck

Wiener Unternehmen stehen im Visier automatisierter Cyberangriffe, wie eine KPMG-Untersuchung von 474 befragten Betrieben zeigt. Gleichzeitig verzeichnete Check Point in Deutschland im Februar 2026 durchschnittlich 1.345 Attacken pro Organisation und Woche – ein Anstieg von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Branchen wie Energie, Versorger und Bildung besonders hart trifft.

Die digitale Bedrohungslage für den Wirtschaftsstandort Wien hat sich drastisch verschärft. Laut einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu Cyberangriffen geben 54 Prozent der 474 befragten Betriebe an, vermehrt mit Angriffen konfrontiert zu sein, bei denen künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt.

Wie künstliche Intelligenz automatisierte Massenangriffe auf Unternehmen steuert

Die Ergebnisse der Befragung zeichnen das Bild einer sich wandelnden Angriffsstrategie. Demnach nutzen Kriminelle die Möglichkeiten der Technologie wie eine Schrotflinte im digitalen Raum. Anstatt mühsam einzelne Ziele manuell zu sondieren, ermöglichen es KI-gestützte Systeme, eine enorme Anzahl an potenziellen Schwachstellen gleichzeitig und automatisiert unter Beschuss zu nehmen.

Diese Streuwirkung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass selbst kleine Sicherheitslücken in komplexen Unternehmensnetzwerken gefunden und ausgenutzt werden. Die Automatisierung drückt die Hürden für komplexe Vorstöße, während die Geschwindigkeit, mit der Betriebe auf neue Bedrohungen reagieren müssen, stetig steigt. Herkömmliche Verteidigungsmechanismen geraten durch diese Skalierung massiv unter Druck.

Konkrete Zahlen und betroffene Branchen in Deutschland

Im Februar 2026 registrierte Check Point in Deutschland durchschnittlich 1.345 Cyberangriffe pro Organisation und Woche. Dies entspricht einem Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Weltweit lag der Wert bei 2.086, in Europa bei 1.764 Angriffen pro Woche, wobei auch der europäische Raum ein Wachstum von 11 Prozent verzeichnete.

In Deutschland standen im Februar Energie- und Versorgungsunternehmen, der Bildungssektor, das Bau- und Ingenieurwesen sowie Telekommunikation, Medien und Unterhaltung an der Spitze der am stärksten attackierten Bereiche. International bleibt der Bildungssektor der am häufigsten ins Visier genommene Sektor, was laut der Auswertung zu einem bekannten Muster passt: Angreifer suchen gezielt Umgebungen, in denen Verfügbarkeit kritisch ist, viele Nutzerkonten existieren oder die Sicherheitsorganisation nicht mit der Digitalisierung Schritt hält.

Diese hohen Taktzahlen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Phishing-Kampagnen, Zugangsdatenmissbrauch, Schadsoftware, DDoS-Attacken oder Vorstufen von Ransomware durchrutschen. Selbst mittelständische Organisationen, die sich nicht als prominente Ziele verstehen, treffen dadurch vermehrt auf Angreifer mit industriellem Vorgehen.

Wirtschaftlicher Schaden und die unterschätzte Rolle von GenAI

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung verdeutlichen weitere Erhebungen. Die Bitkom-Studie Wirtschaftsschutz 2025 zeigt, dass 87 Prozent der befragten Unternehmen von Angriffen berichten oder solche vermuten. Der Gesamtschaden wird dort mit 289,2 Milliarden Euro beziffert, wovon 70 Prozent direkt auf Cyberattacken entfallen.

Interessant an der aktuellen Februar-Auswertung ist zudem, dass der generelle Angriffsdruck hoch bleibt, obwohl die weltweit veröffentlichten Ransomware-Fälle im Jahresvergleich zurückgingen. Experten verweisen hier auf einen Basiseffekt durch eine besonders große Clop-Kampagne im Vorjahr, warnen jedoch davor, sinkende Ransomware-Zahlen als Entspannung zu werten. Gleichzeitig wächst die Angriffsfläche durch unkontrollierte GenAI-Prozesse im Arbeitsalltag, wenn Mitarbeitende sensible Inhalte in unterschiedliche Künstliche-Intelligenz-Werkzeuge eingeben.

Gezielte Infiltration und die Debatte um aktive Abwehrmaßnahmen

Neben technologischen Attacken deckt die KPMG-Untersuchung in Wien eine spezialisierte Gefahrenquelle auf: Ausländische Staaten versuchen demnach gezielt, Mitarbeiter in Unternehmen einzuschleusen. Dabei greifen die Akteure zu manipulativen Methoden wie gefälschten Lebensläufen, um Rekrutierungsprozesse zu überlisten. Besonders betroffen sind Betreiber kritischer Infrastrukturen wie Energie- und Wasserversorgung, der Rüstungssektor sowie Forschung und Entwicklung. Ziel dieser staatlich gelenkten Infiltrationen ist offenbar langfristige Spionage oder die Vorbereitung von Sabotageakten.

Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen nahmen im Februar 2026 um 11 Prozent zu. Warum die neuen Check-Point-Zahlen für
Photo: ilja-schlak.de

Angesichts dieser hybriden Bedrohungen wächst die Debatte über die Grenzen der digitalen Selbstverteidigung. Ein Drittel der befragten Wiener Betriebe fordert mittlerweile die rechtliche Befugnis, eigene Cyberangriffe zur Verteidigung durchführen zu dürfen. Dieses Streben nach sogenannten Hack-Back-Kompetenzen verdeutlicht das schwindende Vertrauen in rein passive Schutzmaßnahmen in einem technologischen Wettrüsten, dessen rechtliche Umsetzung jedoch hochkomplex bleibt.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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