Angesichts eines rasanten Masernausbruchs in ländlichen Regionen hat die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, am Montag einen landesweiten Katastrophennotstand ausgerufen. Die Maßnahme soll den Zugang zu Impfungen und Tests erheblich erweitern, während die Fallzahlen in den USA den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreichen.
Der Ausnahmezustand in New York und die aktuelle Infektionslage
New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul hat am Montag einen Notstand erklärt, nachdem die Behörden im US-Bundesstaat 108 bestätigte Masernfälle verzeichneten. Die Anordnung gilt zunächst bis zum 4. November und soll dazu dienen, den lokalen Partnern und ländlichen Gemeinden bei der Eindämmung des Virus unter die Arme zu greifen.
Der dramatische Anstieg konzentriert sich vor allem auf unterimmunisierte Landstriche. Von den 108 erfassten Infektionen im Staat entfallen 101 auf Regionen außerhalb von New York City, wobei allein 92 Fälle seit dem 15. Juli in ländlichen Gemeinschaften über 18 Landkreise hinweg registriert wurden. Otsego County verzeichnet mit 20 Infektionen seit Januar die höchste Fallzahl innerhalb des Staates.

Impfkampagnen laufen bereits auf Hochtouren. Lokale Gesundheitsämter haben in den betroffenen ländlichen Regionen seit Mitte Juli mehr als 1.000 Dosen des MMR-Impfstoffs verabreicht.
Erweiterte Befugnisse für medizinisches Personal und strengere Meldepflichten
Um dem Virus effektiv zu begegnen, ändert das Dekret die bisherigen Zuständigkeiten bei Impfungen und Tests grundlegend. Bislang durften oft nur approbierte Ärzte Masern-Mumps-Rubella-Impfungen verabreichen; nun wird der Kreis der Berechtigten deutlich erweitert.
- Registrierte Pflegekräfte dürfen offiziell Tests auf Masern anordnen.
- Apotheker können den MMR-Impfstoff künftig an Kleinkinder ab einem Alter von zwei Jahren verabreichen.
- Notfallsanitäter, fortgeschrittene Rettungskräfte und Hebammen dürfen ebenfalls in den Impfbetrieb einsteigen.
- Jede MMR-Impfung muss innerhalb von 72 Stunden an die staatlichen oder städtischen Immunisierungsregister gemeldet werden, wobei die Einwilligung von Erwachsenen für diese Meldung vorübergehend ausgesetzt wird.
James McDonald, Gesundheitskommissar des Staates New York, betonte die Dringlichkeit dieser Schritte für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. Die Maßnahmen sollen helfen, Infektionsketten in den betroffenen Gemeinden rasch zu unterbrechen.
Die Situation in Pennsylvania und der nationale Kontext
Der Ausbruch in New York steht in direktem Zusammenhang mit einer weitaus heftigeren Welle im Nachbarstaat Pennsylvania. Dort hat die Gesamtzahl der Masernfälle die Marke von 1.000 überschritten, was den schwersten Ausbruch in dem Staat seit mehr als drei Jahrzehnten darstellt. Fünf Menschen sind in Pennsylvania im Zusammenhang mit der Infektion gestorben, und fast 200 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Bundesweit verzeichnen die US-Gesundheitsbehörden nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) fast 3.900 bestätigte Masernfälle im laufenden Jahr. Dies ist der schlechteste Wert für die Vereinigten Staaten seit 1991. Neil Manair, Professor für öffentliche Gesundheitspraxis an der Northeastern University, warnt, dass ein einziger Nieser an einem belebten Flughafen viele Menschen infizieren könnte.
Die Pan American Health Organization (PAHO) hatte den Vereinigten Staaten im Jahr 2000 den Status eines masernfreien Landes verliehen. Ob die USA diesen Titel bei einem für kommenden Monat angesetzten Treffen der internationalen Organisation behalten können, hängt stark von der Eindämmung der aktuellen Infektionsherde ab.