Künstliche Intelligenz kann Österreichs Bruttowertschöpfung um bis zu 18 Prozent steigern. Während Investitionen und digitale Infrastruktur wachsen, zeigt eine neue Studie, dass der echte Produktivitätsschub davon abhängt, ob Unternehmen ihre Arbeitsstrukturen von Grund auf neu denken, anstatt bestehende Büroprozesse lediglich zu beschleunigen.
Wirtschaftliches Potenzial konzentriert sich auf vier Schlüsselbereiche in Österreich
Das gesamtwirtschaftliche Potenzial von Künstlicher Intelligenz verteilt sich keineswegs gleichmäßig über die Alpenrepublik. Auch im öffentlichen Sektor bestehen erhebliche Potenziale, insbesondere in Verwaltung, Bildung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.
Als Fortsetzung einer vorangegangenen Untersuchung von Economica aus dem Jahr 2024 zeigt die aktuelle Auswertung, dass durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz ein Zuwachs der Bruttowertschöpfung in Österreich von maximal 18 Prozent möglich ist. Das damit verbundene zusätzliche Wertschöpfungspotenzial beläuft sich auf etwa 72 Milliarden Euro, womit gleichzeitig ein Volumen von bis zu 2,24 Milliarden Arbeitsstunden eingespart werden kann.

Warum höhere Geschwindigkeit nicht automatisch zu mehr Produktivität führt
Trotz spürbarer Investitionen in Unternehmen zeigen volkswirtschaftliche Kennzahlen ein vertrautes Phänomen. Bereits Ende der 1980er-Jahre verwies der amerikanische Nobelpreisträger Robert Solow auf die historische Beobachtung, dass man das Computerzeitalter überall sieht, nur nicht in den Produktivitätsstatistiken. Eine ähnliche Situation lässt sich aktuell bei Künstlicher Intelligenz beobachten, wie Jürg Müller, Direktor des Think-Tanks Avenir Suisse, in einem Beitrag für die NZZ am Sonntag ausführt.
Zwar lassen sich einzelne Aufgaben wie das Verfassen einer E-Mail, das Erstellen eines Foliensatzes oder das Zusammentragen von Informationen mittlerweile in Minuten erledigen. Doch das effizientere Abarbeiten einzelner Arbeitsschritte führt nicht zwingend dazu, dass eine Organisation als Ganzes produktiver arbeitet. Wenn neue Präsentationen und Berichte im Minutentakt erstellt werden, müssen diese von jemandem gelesen, beurteilt und je nachdem verbessert werden, was beim Empfänger neue Arbeit auslöst.

Kulturelle und strategische Neuausrichtung in Unternehmen
Experten weisen darauf hin, dass wer die Vorteile der neuen Technologie wirklich nutzen will, Prozesse grundlegend neu denken muss. Sonst führt KI nur zu mehr Geschäftigkeit. Wer dank KI viele falsche Dinge hocheffizient erledigt, ist alles andere als produktiver geworden, sondern hat sich stattdessen ein enorm schnell drehendes Hamsterrad geschaffen. Dabei gilt der bereits von Management-Guru Peter Drucker betroffene Grundsatz: Nichts ist so nutzlos, wie etwas mit grosser Effizienz zu erledigen, was gar nicht erledigt sollte.
Wer planlos erledigt, verschwendet nicht nur seine Ressourcen und seine Rechenleistung, sondern zunehmend auch jene seines Umfelds. Der nächste Schritt besteht nun darin, die solide Ausgangsbasis stärker in konkrete Wertschöpfung und produktive Anwendungen zu überführen.
Infrastruktur und Rahmenbedingungen am Standort
Um die wirtschaftlichen Chancen nachhaltig zu sichern, arbeiten verschiedene Akteure an den entsprechenden Grundlagen. Wie bei der offiziellen Präsentation der Untersuchung durch Hermann Erlach, Alexander Pröll und Christian Helmenstein festgehalten wurde, stehen die Erschließung dieser Hebel und die Realisierung des Potenzials im Zentrum der weiteren wirtschaftspolitischen Entwicklung.
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