Rekordhohe Treibstoffpreise belasten im Oktober 2026 den Schweizer Fahrschulmarkt massiv. Während Dieselfahrzeuge pro Fahrstunde Mehrkosten von über einem Franken verursachen, tragen Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer diese Betrag im laufenden Monat noch vollständig selbst, da Tarifanpassungen im harten Branchenwettbewerb bislang ausbleiben.
Treibstoffkosten an Zapfsäulen belasten Schweizer Fahrschulen
Die Spritpreise in der Schweiz verharren auf Rekordniveau an den Zapfsäulen. Für einen Liter Diesel zahlen Autofahrer im Durchschnitt 2.46 Franken, während der Liter Benzin bei 2.14 Franken liegt. Diese Entwicklung trifft besonders fahrintensive Wirtschaftszweige wie die Schweizer Fahrschulen hart, deren Margen ohnehin unter Druck stehen.
Dario Lichtensteiger, ausgebildeter Fahrlehrer und Gründer des Fahrschulmarktplatzes Drivelab, schildert die Realität des Alltagsgeschäfts. Etwa zwei Drittel der Fahrzeuge auf seiner Plattform werden von Verbrennungsmotoren angetrieben, während das restliche Drittel elektrisch unterwegs ist und von den teuren Treibstoffpreisen verschont bleibt. Ein typisches Schulfahrzeug legt inklusive An- und Rückfahrt rund 20 Kilometer pro 45-Minuten-Lektion zurück. Wegen des ständigen Manövrierens, des Parkierens und des dichten Stadtverkehrs liegt der Verbrauch im Schnitt bei elf Litern Benzin auf 100 Kilometer. Autobahnfahrten machen dabei lediglich jede vierte Lektion aus.
Konkrete Mehrkosten pro Fahrstunde im Rechenexempel
Die tatsächliche finanzielle Belastung zeigt sich in einer direkten Berechnung für den Fahrunterricht. Bei Verwendung von Bleifrei 95 benötigt ein Schulfahrzeug auf den 20 Kilometern einer Lektion rund 2.2 Liter Benzin. Durch den Preisanstieg seit Jahresbeginn schlagen hier pro Lektion 1.03 Franken an Mehrkosten zu Buche. Bei Dieselfahrzeugen fällt der Verbrauch mit etwa acht Litern auf 100 Kilometer zwar niedriger aus, doch wegen des kräftigen Preisanstiegs auf 2.46 Franken pro Liter liegen die Mehrkosten pro Lektion mit 1.07 Franken sogar noch etwas höher.

Rechnet man diese Werte auf ein voll ausgelastetes Pensum mit zehn Lektionen am Tag an 20 Tagen im Monat hoch, absolviert eine Fahrlehrperson rund 4000 Kilometer monatlich. Die Benzinkosten steigen in diesem Rechenmodell von zuvor 735 Franken auf nunmehr 942 Franken an, was eine monatliche Mehrbelastung von 207 Franken pro Person ergibt. Beim Diesel betragen die zusätzlichen Ausgaben 214 Franken im Monat.
Harter Preiskampf und überfällige Stundentarife
Trotz dieser deutlichen Mehrbelastung geben die Fahrschulen die Beträge im Oktober 2026 noch nicht an ihre Kundschaft weiter. Keine der Partnerfahrschulen mit Verbrennungsmotor auf der Drivelab-Plattform hat wegen der Spritpreise die Tarife erhöht; die Fahrlehrer fangen die Differenz gegenwärtig selbst auf. Gleichzeitig herrscht in der Schweiz ein intensiver Preiskampf, wie Michael Gehrken, Präsident des Fachverbandes L-Drive, betont. In Ballungsregionen drängen zahlreiche Anbieter auf den Markt, was die Marge zusätzlich schmälert.
Der Verbandspräsident weist darauf hin, dass die Stundentarife im Grunde schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten kaum angepasst wurden und eine Preisanpassung daher ohnehin überfällig wäre. Derzeit kostet eine Fahrstunde in der Schweiz im Schnitt rund 90 Franken, je nach Angebot und Region. Neben den Treibstoffkosten schlagen vor allem die Anschaffungskosten für die Fahrzeuge stark zu Buche, während auch der Lebensunterhalt durch den Unterricht verdient werden muss.
Der hohe Benzinpreis sollte darum dem einen oder anderen Fahrlehrer jetzt die Augen öffnen, dass er seine Kosten genauer anschaut. Dass man Preisanpassungen zumindest ins Auge fassen muss.
Michael Gehrken, Präsident L-Drive, via SRF
Gesamtkosten für den Führerschein und die Sicherheit im Strassenverkehr
Der Touring-Club der Schweiz (TCS) beziffert das gesamte Budget für den Erwerb des Auto-Führerscheins bei 20 Fahrstunden einschliesslich aller obligatorischen Kurse wie Nothelferkurs, Verkehrskunde und Lernfahrausweis auf mindestens 2900 Franken. Der Ausweis kostet dabei bis zu knapp 3000 Franken. In der Schweiz sind laut L-Drive rund 3500 aktive Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer registriert, die allerdings nicht gleichmässig über das Land verteilt sind.
Konsumentenschutz-Organisationen kritisieren diese Preise schon seit Längerem und monieren, dass die Tarife der Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer zu hoch seien und sich junge Leute die Fahrstunden kaum leisten könnten.
Das sind wohl dieselben Kreise, die dann jammern, wenn die Unfallzahlen steigen.
Michael Gehrken, Präsident L-Drive, via SRF
Aus Sicht des Branchenverbandes macht der Treibstoff zwar nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten aus, doch gebe es schon seit Längerem Nachholbedarf beim Stundentarif.
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