Die Wiener Börse AG verbuchte für das Geschäftsjahr 2025 Rekordumsätze von 90,1 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Steuern von 53,4 Millionen Euro. Getrieben durch hohe Handelsvolumina und eine starke Performance des ATX-Index, festigte die Börsengruppe ihre Position als zentrale Kapitalmarktinfrastruktur in Mitteleuropa, während das brachliegende Kapital auf Sparkonten weiterhin ein zentrales Thema bleibt. Als Anbieter von Handels-, Clearing- und Settlement-Dienstleistungen fungiert die Gruppe als technologische und regulatorische Schnittstelle zwischen Emittenten und Investoren.
Rekordumsatz und gestiegene Handelsvolumina
Das Geschäftsjahr 2025 markiert einen historischen Wendepunkt für die Wiener Börse AG. Der Konzern konnte sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis vor Steuern neue Höchststände erreichen. Während der Umsatz im Vorjahr noch bei 81,8 Millionen Euro lag, stieg er im aktuellen Berichtszeitraum um rund 10 Prozent auf 90,1 Millionen Euro. Dieses Wachstum korreliert direkt mit der erhöhten Marktaktivität und der Volatilität an den Finanzplätzen.

Besonders deutlich wurde der Wachstumstrend bei den Handelsvolumina der gesamten Börsengruppe. Diese erhöhten sich von 74 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf insgesamt 84 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die Diversifizierung über verschiedene Märkte hinweg ermöglichte es der Gruppe, von der Dynamik in unterschiedlichen Wirtschaftsräumen zu profitieren.

- Wien: 67 Milliarden Euro
- Prag: 18 Milliarden Euro
Neben dem Kerngeschäft mit Handel und Listings trugen auch die Erlöse aus dem Verwahrgeschäft in Tschechien sowie der Verkauf von Marktdaten maßgeblich zum Erfolg bei. Das Geschäft mit Marktdaten stellt dabei eine wichtige wiederkehrende Einnahmequelle dar, da institutionelle Anleger zunehmend auf präzise Echtzeitinformationen für ihre Handelsstrategien angewiesen sind.
| Kennzahl | 2025 | 2024 |
|---|---|---|
| Konzernumsatz | 90,1 Mio. EUR | 81,8 Mio. EUR |
| Ergebnis vor Steuern (EBT) | 53,4 Mio. EUR | 50,1 Mio. EUR |
| Handelsvolumen (Gruppe) | 84 Mrd. EUR | 74 Mrd. EUR |
Überperformance der Indizes ATX und PX
Die Dynamik an den Aktienmärkten war ein wesentlicher Treiber für die Zahlen. Der österreichische Leitindex ATX, der die größten und liquidesten Unternehmen des österreichischen Aktienmarktes abbildet, lieferte eine internationale Performance ab, die weit über dem Marktdurchschnitt lag. Inklusive der Dividenden verzeichnete der ATX ein Plus von 52,17 Prozent. Im Jahr 2025 durchbrach der Index zudem mehrere wichtige Marken und überschritt erstmals die Schwelle von 15.000 Punkten, was einen psychologisch bedeutenden Meilenstein für die lokale Finanzmarktentwicklung darstellt.
Noch stärker entwickelte sich der tschechische PX-Index. Der PX TR, der als Total Return Index die Wertentwicklung inklusive der reinvestierten Dividenden misst, legte im gleichen Zeitraum um 61,42 Prozent zu. Diese Entwicklung unterstreicht die Attraktivität der mittel- und osteuropäischen Märkte in einem Umfeld hoher Volatilität an den internationalen Finanzplätzen.
„Österreichs Aktienmarkt befindet sich auf Rekordhoch und sticht auch im internationalen Vergleich hervor. Um es passend zur Fußball-WM zu formulieren: Die Dividende ist der Spielmacher unseres Marktes – weltweit angesehen und begehrt.“ Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse
Marktanteile und die Rolle als Listingplatz
Die Wiener Börse festigt ihre Rolle als bedeutender Akteur für die Kapitalbeschaffung, insbesondere im Segment der kleineren und mittleren Unternehmen (KMU). Durch die geplante Registrierung des Segments "direct market plus" als EU-KMU-Wachstumsmarkt soll der Zugang zum Kapital für kleinere Firmen weiter vereinfacht werden. Die Einstufung als Wachstumsmarkt zielt darauf ab, die regulatorischen Hürden und Transparenzanforderungen im Vergleich zum Hauptmarkt zu reduzieren, um die Kosten für das Listing zu senken.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Segment bereits drei neue Listings. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Anleihen-Bereich, wo die Gruppe mit rund 31.500 Primärlistings ihre Position als der aktivste Listingplatz Europas behauptet. Diese Dominanz im Bereich der Unternehmensanleihen ist ein zentraler Pfeiler der aktuellen Wachstumsstrategie, da Unternehmen verstärkt auf die direkte Kreditaufnahme am Kapitalmarkt setzen, um ihre Finanzierung zu diversifizieren.
Das brachliegende Milliardenpotenzial am Kapitalmarkt
Trotz der Rekordzahlen und eines steigenden Interesses der Bevölkerung zeichnet sich eine Diskrepanz zwischen der Börsenperformance und der privaten Vermögensallokation ab. Der Wertpapierbesitz in Österreich ist zwar gestiegen: Rund 31 Prozent der Bevölkerung besitzen mittlerweile Wertpapiere, was einem Zuwachs von etwa 25 Prozent gegenüber der Erhebung im Jahr 2023 entspricht. Dieser Trend deutet auf ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung von Sachwerten hin.

Dennoch bleibt ein enormes Volumen ungenutzt. Laut Angaben der Börsengruppe parken über 350 Milliarden Euro auf niedrig verzinsten Konten oder liegen als Bargeld vor. Dieses Kapital steht der Wirtschaft nicht für produktive Investitionen zur Verfügung, was eine erhebliche Opportunitätskost darstellt. Die Führungsebene sieht hier eine dringende Notwendigkeit für politische Reformen.
Während Länder wie Deutschland oder Polen bereits steuerlich begünstigte Sparkonten zur Förderung der privaten Vorsorge nutzen, fehlt in Österreich eine umfassende Strategie zur Stärkung der privaten Altersvorsorge über den Kapitalmarkt. Die Mobilisierung dieser Mittel gilt als entscheidend für die langfristige Finanzierung der Wirtschaft und die Sicherung des Lebensstandards im Alter.
„Der steigende Wertpapierbesitz in Österreich zeigt, dass viele Menschen die Chancen des Kapitalmarkts längst erkannt haben. Nun gilt es, dieses Interesse durch bessere politische Rahmenbedingungen weiter zu fördern.“ Angelika Sommer-Hemetsberger, Vizepräsidentin des Aufsichtsrates der Wiener Börse
Die Reform der betrieblichen Altersvorsorge und die Umsetzung des EU Listing Act werden als positive Schritte gewertet. Der EU Listing Act zielt darauf ab, die Attraktivität der europäischen Kapitalmärkte durch die Vereinfachung der Regeln für Emittenten zu erhöhen. Dennoch reichen diese Maßnahmen laut der Aufsichtsrat-Vizepräsidentin nicht aus, um das volle Potenzial des Kapitalmarktes für die langfristige Wohlstandssicherung zu erschließen.
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