Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich bei einem Interview mit der Deutschen Welle bereit erklärt, den russischen Präsidenten Wladimir Putin beim anstehenden G20-Gipfel in Miami persönlich zu treffen. Das Treffen setzt voraus, dass beide Staatschefs eingeladen werden und Putin im Dezember nach Florida reist.
Gesprächsangebot für den G20-Gipfel in Miami
Der ukrainische Präsident hat sich bereit erklärt, den russischen Staatschef Wladimir Putin am Rande des kommenden G20-Gipfels persönlich zu treffen. Bedingung dafür sei, dass beide Seiten eine offizielle Einladung erhalten und der Kremlchef die Reise in die Vereinigten Staaten antritt. Der internationale Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer findet am 14. und 15. Dezember im Trump National Doral Miami im US-Bundesstaat Florida statt.
Die Vereinigten Staaten haben in diesem Jahr den Vorsitz der Gruppe inne und kündigten im Frühjahr an, Russland zu dem Treffen einzuladen. Während der Kreml im April signalisierte, dass eine Reise Putins oder die Entsendung eines anderen Vertreters grundsätzlich möglich sei, steht eine offizielle Bestätigung aus Moskau bislang aus. Die Ukraine selbst ist kein Mitglied der G20 und müsste von den USA als Gast eingeladen werden.
„Wir müssen uns treffen, miteinander sprechen und Entscheidungen treffen.“
Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident, via Berliner Zeitung
Auf die atmosphärische Begleitung eines solchen Treffens legt die ukrainische Führung nach eigenen Angaben keinen Wert. Er erklärte im Interview, dass die rein diplomatischen Worte bei einer Begegnung unerheblich seien.
„Was ich ihm sagen werde oder was er mir sagen will, spielt keine Rolle. Ergebnisse zählen. Das ist alles.“
Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident, via Berliner Zeitung
Diplomatische Vermittlung der USA ohne sofortigen Durchbruch
Das Gesprächsangebot folgt auf intensive diplomatische Sondierungen durch die US-Seite. Trumps Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner reisten kürzlich nach Moskau, wo sie zuerst mit Wladimir Putin zusammentrafen, bevor sie nach Kiew weiterreisten, um mit dem ukrainischen Präsidenten zu sprechen.
US-Präsident Donald Trump erklärte, dass Putin grundsätzliche Bereitschaft signalisiert habe, eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges zu erzielen. Ein Abkommen bleibe allerdings an die Zustimmung Kiews geknüpft. Die Fronten in den Verhandlungen bleiben derweil verhärtet. Moskau fordert weiterhin die vollständige Kontrolle über die ostukrainische Region Donezk. Die Ukraine lehnt jede Abtretung der von ihr gehaltenen Gebiete strikt ab und schlägt stattdessen vor, die Kampfhandlungen zunächst entlang der gegenwärtigen Frontlinie einzufrieren.
Anhaltende Kämpfe und schwere Angriffe in den Regionen
Trotz der diplomatischen Kontakte geht der Krieg mit unverminderter Härte weiter. In der südostukrainischen Großstadt Krywyj Rih kamen nach Angaben des dortigen Gouverneurs Olexander Hanscha zwei Menschen bei einem Angriff auf einen Industriebetrieb ums Leben, vier weitere wurden verletzt.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte die Luftangriffe auf Industriebetriebe der Metallwirtschaft in Saporischschja und Krywyj Rih sowie auf Infrastruktureinrichtungen in der Region Odessa. Unabhängig davon meldeten Behörden in Bulgarien eine Explosion in einem Munitionslager des Rüstungsunternehmens Emco nahe dem Ort Gorni Varpishta, nachdem es dort bereits im Vormonat zu einem Brand gekommen war. Das Nato- und EU-Mitglied Bulgarien unterstützt die Ukraine, und Munition des betroffenen Herstellers kommt im Kriegsgebiet zum Einsatz.
Historischer Hintergrund und offene Fragen
Ein persönliches Zusammentreffen zwischen Selenskyj und Putin hat es seit Dezember 2019 nicht mehr gegeben, als sich beide Politiker während eines Ukraine-Gipfels in Paris gegenübersaßen. Seit Beginn des russischen Großangriffs im Februar 2022 gab es keinen direkten physischen Austausch. Ein früherer Vorstoß Selenskyjs für ein bilaterales Treffen war im Juni von Moskau abgewiesen worden.
Weder aus Moskau noch aus Washington gab es unmittelbar nach Selenskyjs Interview eine offizielle Reaktion auf das erneute Gesprächsangebot.
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