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Cornell-Universität: Sonderermittlerin nach Vergewaltigungsvorwürfen ernannt

Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, hat die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates New York, Letitia James, zur Sonderermittlerin in dem Fall ernannt, nachdem sie das Vorgehen der Campus-Polizei von Cornell und der Staatsanwaltschaft bezüglich eines mutmaßlichen Sexualdelikts an der Cornell University im Jahr 2024 infrage gestellt hatte.

Der Fall des bekannten Zivilprozesses rund um sieben Studenten der Cornell University hat eine schwere Krise auf dem Campus in Ithaca im US-Bundesstaat New York ausgelöst. Anfang September reichte eine zu diesem Zeitpunkt 20-jährige Studentin, die in Gerichtsdokumenten als Jane Doe geführt wird, eine Zivilklage ein. Darin wirft sie mehreren Mitgliedern der Chi Phi-Fraternity vor, sie am 19. Oktober 2024 nach dem Konsum von Alkohol, Marihuana und dem Betäubungsmittel Ketamin über Stunden hinweg sexuell missbraucht zu haben.

Die Rolle von Ketamin und die Hürden der Beweisführung

Experten betonen die besonderen pharmakologischen Wirkungen der Substanz. Personen, die Ketamin zum ersten Mal einnehmen, erleben oft eine rasche Veränderung, bei der eine anfängliche Entspannung in eine beängstigende Entfremdung umschlagen kann. Betroffene schilderten, sie seien sich ihrer Handlungen nicht mehr bewusst gewesen oder hätten trotz starker Betäubung keine Gegenwehr leisten können, während andere wie mit weiten Augen dastehende Personen wirken, die auf einfache Anweisungen reagieren, ohne das Geschehen zu begreifen.

Zudem stehen die Gesetze des Bundesstaates New York zur freiwilligen Intoxikation im Fokus der juristischen Debatte. Nach geltendem Recht ist es für Überlebende von Übergriffen schwer, mangelnde Zustimmung zu belegen, wenn sie freiwillig Substanzen konsumierten, es sei denn, sie befanden sich in einem Zustand völliger Hilflosigkeit. Viele Experten und Anwälte kritisieren diese Vorschriften als veraltet, während Gouverneurin Kathy Hochul erklärte, dass das Gesetz geändert werden sollte.

Konfrontation zwischen Polizei und Bezirksstaatsanwaltschaft

Schwerwiegende Fragen warf die Aufarbeitung des Falls durch die lokalen Behörden auf. Der zuständige Bezirksstaatsanwalt von Tompkins County, Matthew Van Houten, hatte im November 2024 entschieden, keine strafrechtlichen Anklagen zu erheben.

Medienberichte und Akten, darunter Recherchen von NBC News und CNN, zeigten jedoch, dass die Cornell University Police Department (CUPD) im Spätherbst 2024 umfangreiches Material gesammelt hatte. Dazu zählten Zeugenbefragungen, anonyme Hinweise sowie Datenauszüge von Snapchat, nachdem die Polizei im November einen entsprechenden Antrag auf Datenverlauf gestellt und im Dezember Hunderte von Datensätzen erhalten hatte. Jane Doe hatte im Zuge der Ermittlungen auch ein schriftliches, sechseitiges Statement bei der Universitätspolizei eingereicht.

Cornell-Universität: Sonderermittlerin nach Vergewaltigungsvorwürfen ernannt
Foto: HuffPost

„In welcher Welt führt die Staatsanwaltschaft kein einziges Gespräch mit ihr oder anderen Beteiligten und fordert nicht einmal das vollständige Protokoll an?“ Kathy Hochul, New York Gouverneurin”

Interne Disziplinarmaßnahmen und Proteste der Studentenschaft

Parallel zu den strafrechtlichen Verfahren führte die Hochschule eine interne Title IX-Untersuchung durch. Nach Angaben der Universität wurden im Zuge dieser Disziplinarverfahren unter anderem Ausschlüsse und Suspendierungen verhängt, während die Universität betonte, dass der Schutz von Datenschutzgesetzen nicht als Gleichgültigkeit gegenüber dem Fehlverhalten gedeutet werden dürfe. Die Redaktion kritisierte, dass Vorwürfe sexuellen Fehlveraltungs als rein erzieherische Probleme mit Workshops und Aufgaben behandelt wurden und dass die fehlende Transparenz eine schwere Last für die Studierendenschaft darstelle.

Anfang Oktober 2026 hielt die Student Assembly eine öffentliche Anhörung ab. Dort kritisierten Studierende wie die Junior-Studentin Sophia Riley Sim öffentlich mangelnde Transparenz, fehlende Rechenschaftspflicht und das Sicherheitsgefühl auf dem 2.300 Hektar großen Campus in der Region der Finger Lakes. Im Jahr 2021 hatte dieser Wert noch bei 20 Prozent gelegen.

Einschaltung der Generalstaatsanwaltschaft als Sonderermittlerin

Als Konsequenz aus den Widersprüchen zwischen den Ermittlungsbehörden entzog Gouverneurin Hochul dem Bezirksstaatsanwalt die Zuständigkeit. Sie kündigte zudem an, dass die Universität einer unabhängigen Überprüfung ihrer Erstmaßnahmen zustimmt. Letitia James wurde von der Gouverneurin als Sonderermittlerin eingesetzt, um den Fall umfassend zu untersuchen und zu bewerten, ob strafrechtliche Schritte eingeleitet werden.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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