Der Bezirksstaatsanwalt von Tompkins County hat die Ermittlungen zu Vorwürfen einer Gruppenvergewaltigung an der Cornell University im Oktober 2024 wieder aufgenommen. Eine ehemalige Studentin, bekannt als Jane Doe, reichte am 16. September eine Zivilklage ein, in der sie behauptet, von sieben Mitgliedern der Chi-Phi-Verbindung unter Drogen gesetzt und missbraucht worden zu sein.
Wiederaufnahme der strafrechtlichen Untersuchung
Nachdem die Ermittlungen zunächst eingestellt worden waren, kündigte der Bezirksstaatsanwalt von Tompkins County, Matthew Van Houten, an, den Fall erneut zu prüfen. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte Van Houten, dass der Fall vor einer Grand Jury verhandelt werden soll, sobald die entsprechenden Anklagepunkte festgelegt sind, um eine objektive und unparteiische Strafverfolgung zu gewährleisten.
Die Cornell University teilte mit, sie unterstütze die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Der Vizepräsident für universitäre Beziehungen, Kyle Kimball, wies jedoch die Vorwürfe aus der Zivilklage zurück, wonach die Hochschule die beschuldigten Studenten nicht angemessen bestraft habe. Laut der Universität wurde das Chi-Phi-Kapitel auf dem Campus bereits im Jahr 2024 geschlossen und bleibt weiterhin verboten.

Vorwürfe in der Zivilklage von Jane Doe
Die Klägerin, die zum Zeitpunkt der Ereignisse im Oktober 2024 zwanzig Jahre alt war, schildert in ihrer Klageschrift eine stundenlange Tortur. Laut den Unterlagen begann der Vorfall am Abend des 19. Oktober 2024, nachdem Doe eine Sorority-Party und zwei Bars besucht hatte. Sie gab an, in den Bars trotz Kennzeichnung als unter 21-Jährige Alkohol erhalten zu haben.
In der Chi-Phi-Verbindung, zu der sie von einem der späteren Beschuldigten eingeladen worden war, soll sie laut Klage zum Konsum von Ketamin, Cannabis und Rum gedrängt worden sein. Die Klägerin beschreibt, dass sie das Bewusstsein verlor, während Mitglieder der Verbindung sie missbrauchten.
Einer der Männer schickte eine Nachricht in eine Snapchat-Gruppe, in der er andere Verbindungsmitglieder zum Mitmachen einlud, und schrieb, es gäbe „kostenlose Muschi“.
Bericht über die Klageschrift
Kommunikation und Zeugenaussagen
Die Klageschrift und interne Dokumente der Universität beleuchten den Austausch zwischen der Klägerin und den Beschuldigten in den Wochen nach dem Vorfall.
Am 8. November 2024 erstattete Doe offiziell Anzeige bei der Campus-Polizei. Zu diesem Zeitpunkt suspendierte die Universität die Verbindung Chi Phi vorläufig und leitete interne Anhörungen ein. Die Kritik an der internen Aufarbeitung bleibt jedoch bestehen: Kritiker bemängeln, dass viele der beschuldigten Studenten lediglich dazu verpflichtet wurden, Essays über ihr Fehlverhalten zu verfassen, anstatt von der Universität verwiesen zu werden.
Reaktionen und öffentlicher Diskurs
Der Fall hat eine breite Debatte über sexualisierte Gewalt an amerikanischen Hochschulen ausgelöst. Online-Nutzer ziehen Vergleiche zu anderen prominenten Fällen, während Alumni der Cornell University laut Berichten damit drohen, ihre finanzielle Unterstützung einzustellen. Die öffentliche Empörung richtet sich besonders gegen die Tatsache, dass trotz der Dokumentation des Snapchat-Verlaufs, der von über 50 Mitgliedern gesehen wurde, zunächst keine strafrechtlichen Konsequenzen folgten.
Jane Doe, die ihr Studium nach den Ereignissen abbrach, hat bisher keine Rückerstattung ihrer Studiengebühren erhalten. Ihr Anwalt beschrieb ihren Zustand gegenüber Medien als prekär, während sie versucht, die Folgen der Tat zu bewältigen.
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