Am sechsten Tag der Beratungen im Mordprozess gegen Lindsay Clancy in Plymouth, Massachusetts, droht eine Einstellung des Verfahrens wegen einer festgefahrenen Jury. Nachdem das Gremium am 3. September 2026 eine weitere Frage zum Thema begründete Zweifel vorlegte, forderte die Verteidigung die Entlassung eines geschworenen Mitglieds.
Der aufsehenerregende Fall um die frühere Krankenpflegerin bewegt seit Wochen die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten. Am 27. Juli 2026 begann der Prozess vor dem Gericht in Plymouth, in dem die heute 36-jährige Angeklagte sich für den Tod ihrer drei Kinder verantworten muss. Die Bluttat ereignete sich am 24. Januar 2023. Damals soll Clancy ihre Kinder Cora, Dawson und Callan im Alter von fünf Jahren, drei Jahren und acht Monaten erwürgt haben, bevor sie aus einem Fenster im zweiten Stock ihres Hauses in Duxbury sprang und seitdem querschnittsgelähmt ist.
Zweite Sackgasse und erneute Beratungen im Gerichtsaal von Plymouth
Nach fast fünftägigen Beratungen hatte die aus neun Frauen und drei Männern bestehende Jury am Dienstag, dem 1. September 2026, eine erste Mitteilung über eine festgefahrene Entscheidung eingereicht. Richter William Sullivan wies das Gremium daraufhin mit sogenannten Tuey-Rodriguez-Anweisungen an, die Beratungen fortzuführen, da ein einstimmiges Votum wünschenswert sei. Nach einer zweiten Sackgasse-Meldung am Mittwoch wandten sich die Geschworenen am Donnerstag erneut mit einer Frage an den Richter, die sich nach Angaben aus dem Gerichtssaal um den Begriff des begründeten Zweifels drehte.
Richter Sullivan lehnte es ab, die Notiz im Wortlaut vorzulesen, und wiederholte stattdessen seine Instruktionen. Sullivan erläuterte den Geschworenen laut der Berichterstattung von NBC News, eine Anklage gelte dann als zweifelsfrei bewiesen, wenn man nach dem Vergleich und der Abwägung aller Beweise im eigenen Geist eine bleibende Überzeugung von einer moralischen Gewissheit habe, dass die Anklage wahr sei.
Eskalation um einen ausscherenden Geschworenen und scharfe Kritik der Verteidigung
Die erneute richterliche Anweisung stieß bei der Verteidigung auf heftigen Widerstand. Rechtsanwalt Kevin Reddington zeigte sich im Gerichtssaal äußerst ungehalten, schlug Papiere auf den Tisch und argumentierte lautstark, dass die Anweisungen des Richters nicht ausreichen würden, um das Problem zu lösen. Er beantragte offiziell die Entfernung eines Jurors aus dem Gremium.
Kevin Reddington, Verteidiger von Lindsay Clancy, führte aus, es gebe dort einen Geschworenen, der sich weigere, sich an das Gesetz zu halten, das ihm oder ihr zum Thema des begründeten Zweifels vorgegeben worden sei, und er schlage respektvoll vor, dass die sanfte Anweisung, die das Gericht ihnen am Richtertisch mit den Worten gegeben habe, ob sie sich an das vom Gericht angeordnete Gesetz halten könnten, den Kern des Problems nicht treffe.

So schilderte die New York Post die dramatischen Szenen im Gerichtssaal. Während Reddington die Entlassung des Jurors forderte, widersprach die Staatsanwaltschaft. Staatsanwältin Jennifer Sprague betonte, es gebe keine Möglichkeit, die internen Beratungen der Geschworenen genau zu bewerten, und bewertete das Vorgehen des Richters als angemessen. Auch Richter Sullivan lehnte den Antrag ab und erklärte, er wolle sich nicht auf eine Seite der Beratungen schlagen. Er betonte, dass jeder Juror zuvor einzeln befragt worden sei und bestätigt habe, den Anweisungen des Gerichts folgen zu können.
Postpartale Psychose als zentraler Streitpunkt im Prozess
Der Kern des juristischen Streits dreht sich um Clancys psychischen Zustand zum Tatzeitpunkt. Während die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass die Tat geplant war und die Angeklagte den Ehemann gezielt mit Besorgungen weggeschickt habe, führt die Verteidigung eine schwere postpartale Psychose ins Feld. Nach Angaben von Familienangehörigen, darunter ihrem früheren Ehemann Patrick Clancy sowie ihrer Mutter und Schwiegermutter, hatte Clancy in den Monaten vor der Tat unter extremen Ängsten gelitten, zahlreiche Medikamente eingenommen und sich wiederholt in klinische Behandlung begeben. Sie sei von beharrlichen inneren Stimmen getrieben worden.
Sollte die Jury nach den sechs Tagen der Beratung zu keinem einstimmigen Ergebnis kommen, steht dem Verfahren eine Aussetzung als Fehlversuch bevor. Während Reddington in Medienäußerungen seine Zuversicht betonte, im Falle eines neuen Verfahrens sofort bereit zu sein, bleibt abzuwarten, wie das Gericht über den weiteren Fortgang der Beratungen entscheidet.
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