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Mordprozess gegen Lindsay Clancy: Pattsituation der Jury lässt Fehlverfahren befürchten

Die Geschworenen im Mordprozess gegen Lindsay Clancy stehen in Plymouth, Massachusetts, nach 23 Beratungsstunden vor einer festfahrenen Entscheidung. Nach zwei Hinweisen auf eine Pattsituation droht in dem aufsehenerregenden Fall nun ein Fehlverfahren.

Die festgefahrene Jury und die Drohung des Fehlverfahrens

Nach einem kräftezehrenden und fünf Wochen andauernden Mordprozess im Plymouth Superior Court schaut die Öffentlichkeit auf eine Jury, die sich in einer Sackgasse befindet. Die aus neun Frauen und drei Männern bestehende Gruppe hat dem Richter an zwei aufeinanderfolgenden Tagen schriftlich mitgeteilt, dass sie sich nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen kann. Das Gericht berichtete darüber nach einer Reihe von Beratungsnotizen, die den Druck auf den Vorsitzenden Richter erhöhten.

Die 36-jährige Angeklagte bestreitet nicht, im Januar 2023 ihre drei Kinder – die fünfjährige Cora, den dreijährigen Dawson und den acht Monate alten Callan – im Keller ihres Familienhauses in Duxbury getötet zu haben. Ihre Verteidigung argumentiert jedoch, dass Clancy zum Tatzeitpunkt an einer schweren Wochenbettpsychose litt und daher nicht in der Lage war, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Die Staatsanwaltschaft hält dem entgegen, dass die Taten von langer Hand geplant waren und die Angeklagte genau wusste, was sie tat.

Nachdem die Juroren zunächst 18 Stunden und im Anschluss insgesamt 23 Stunden beraten hatten, schickte Richter William Sullivan das Gremium nach Hause, lehnte ein sofortiges Ende jedoch ab. Wie unter anderem aus Gerichtsdokumenten und Berichten hervorgeht, forderte der Richter die Juroren auf, ihre Arbeit fortzusetzen und verwies auf den enormen Umfang des Verfahrens mit mehr als 80 Zeugen und 300 Beweisstücken.

Welche Optionen dem Richter und der Jury verbleiben

Sollte die Jury nach weiteren Beratungen erneut erklären, dass eine Einigung unmöglich ist, läuft das Verfahren auf ein Fehlverfahren hinaus. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass Richter Sullivan unter dem Recht von Massachusetts noch strengere Instruktionen anwenden kann, falls die Blockade anhält. Strafverteidiger Peter Elikann verwies in diesem Zusammenhang auf die sogenannte Tuey-Rodriguez-Anweisung, die umgangssprachlich auch als Dynamit-Ladung bezeichnet wird und die Juroren mit Nachdruck zu einer Einigung drängen soll.

Mordprozess gegen Lindsay Clancy: Pattsituation der Jury lässt Fehlverfahren befürchten
Photo: cbsnews.com

Ein anderer erfahrener Verteidiger, Brad Bailey, erklärte gegenüber Reportern, dass alternativ auch eine mildere Instruktion nach den Richtlinien der American Bar Association in Betracht gezogen werden könne, falls der Richter das Stadium eines echten Stillstands noch nicht als erreicht ansehe. Sollten diese Maßnahmen jedoch scheitern, bliebe dem Gericht die Option, das Verfahren abzubrechen.

  • Nicht schuldig
  • Mord ersten Grades
  • Mord zweiten Grades
  • Totschlag

Religiöse Aussagen und der Streit um den psychischen Zustand

Der Prozess war bereits im Vorfeld der Beratungen von harten juristischen Auseinandersetzungen und dramatischen Aussagen geprägt. Für Aufsehen sorgte kurz vor Ende der Beweisaufnahme die Aussage eines forensischen Psychologen, der Details über Gespräche mit der Angeklagten und deren Vorstellungen von Religion schilderte.

Lindsay Clancy in court
Photo: bbc.co.uk

„That was part of her expectation was that she and her children would be together in heaven with God. She was raised as a Catholic. As I understand Catholic considerations, that’s not necessarily what happens.“Dr. Kirk Heilbrun, forensischer Psychologe

Die Verteidigung rief daraufhin sofort zu einem Fehlverfahren auf, weil das Thema Glaube und Religion das Grundprinzip der Trennung von Kirche und Staat berühre und die Geschworenen unzulässig beeinflussen könne. Wie der Sender berichtete, lehnte der Richter den Antrag auf ein sofortiges Ende des Prozesses zwar ab, erteilte der Staatsanwaltschaft jedoch eine Rüge und wies die Juroren an, die Äußerungen als unmaßgeblich und irrelevant zu betrachten.

Die Aussichten für eine mögliche Neuverhandlung

Sollte tatsächlich ein Fehlverfahren erklärt werden, steht die Justiz vor einer neuen Runde. Der Verteidiger der Angeklagten, Kevin Reddington, betonte, er würde das Mandat im Falle eines neuen Prozesses weiterführen, zeigte sich jedoch besorgt über die physische und psychische Verfassung seiner Mandantin. Da Clancy bei ihrem Suizidversuch in der Tatnacht eine schwere Querschnittlähmung erlitt, sei eine zweite Prozessrunde eine enorme Belastung.

Prozess um Lindsay Clancy: Könnte eine festgefahrene Jury zu einem Fehlurteil führen?

Bis zu einer endgültigen Entscheidung der Frauen und Männer im Beratungsraum bleibt der Ausgang des Verfahrens offen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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