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Lindsay Clancy: Jury berät am dritten Tag im Mordprozess in Massachusetts

Die Geschworenen im Mordprozess gegen Lindsay Clancy haben am Montag ihre Beratungen am dritten Tag im Plymouth County Superior Court in Massachusetts fortgenommen. Die aus zwölf regulären Geschworenen – neun Frauen und drei Männern – sowie sechs Ersatzmitgliedern bestehende Jury berät über die Frage, ob die 36-jährige Angeklagte für die Tötung ihrer drei Kinder strafrechtlich verantwortlich gemacht werden kann. Der Fall hat in den USA eine breite öffentliche Debatte über mütterliche psychische Gesundheit nach der Entbindung ausgelöst, wie unter anderem die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet.

Die Jury berät am dritten Tag im Mordprozess gegen Lindsay Clancy

Nach Angaben von Boston.com hatten die Geschworenen nach den Schlussplädoyers am vergangenen Donnerstag zunächst rund zehn Stunden verteilt auf zwei Tage beraten, ohne zu einem Urteil zu gelangen. Richter William Sullivan wies die Jury am Montagmorgen an, ihre Arbeit fortzusetzen, nachdem er sichergestellt hatte, dass sie keinen unzulässigen äußeren Einflüssen ausgesetzt war.

Hintergrund der Tat und Vorwürfe der Anklage

Die Taten ereigneten sich am 24. Januar 2023 im Keller des Hauses der Familie im Küstenort Duxbury südlich von Boston. Opfer waren die fünfjährige Cora, der dreijährige Dawson und der acht Monate alte Callan Clancy. Die Kinder wurden den Feststellungen zufolge mit Gymnastikbändern erdrosselt, während der damalige Ehemann Patrick Clancy unterwegs war, um Essen zu holen und eine Apotheke aufzusuchen. Nach der Tat schnitt sich Lindsay Clancy nach Angaben aus Gerichtsakten selbst in den Hals und an den Pulsadern und stürzte sich aus einem Fenster im zweiten Stock. Sie überlebte den Suizidversuch, ist seither jedoch von der Taille abwärts beidseitig gelähmt.

Lindsay Clancy: Jury berät am dritten Tag im Mordprozess in Massachusetts
Photo: sueddeutsche.de

Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin Jennifer Sprague, wirft Clancy drei Fälle von Mord ersten Grades vor. In den Plädoyers argumentierte die Anklage, Clancy sei im Januar 2023 depressiv und lebensmüde gewesen und habe erkannt, dass ihre Kinder sie davon abhielten, ihrem Leiden ein Ende zu setzen. Sie habe bewusst den Entschluss gefasst, die Kinder als vermeintlichen Schutzfaktor zu beseitigen, bevor sie versuchte, sich selbst zu töten. Die Staatsanwaltschaft verwies dabei auf Widersprüche in Aussagen bezüglich angeblicher Stimmenhörens und betonte, Clancy habe konkrete Entscheidungen über Ort, Methode und Tatmittel getroffen.

Die Argumentation der Verteidigung und das Plädoyer für den Freispruch

Die Verteidigung unter Leitung von Rechtsanwalt Kevin Reddington bestreitet nicht, dass Lindsay Clancy ihre Kinder getötet hat. Sie plädiert jedoch auf nicht schuldig wegen fehlender strafrechtlicher Verantwortung infolge einer schweren psychischen Erkrankung. Reddington argumentierte, Clancy habe als fürsorgliche Mutter unter den Folgen einer schweren Wochenbettpsychose (postpartum psychosis) sowie fehlerhafter medizinischer Behandlung nach der Geburt ihres dritten Kindes gelitten. Sie habe den Bezug zur Realität völlig verloren und unter dem Zwang akustischer Hallonisationen gehandelt, die ihr befohlen hätten, die Kinder und sich selbst zu töten.

Lindsay Clancy: Jury berät am dritten Tag im Mordprozess in Massachusetts
Photo: Boston.com

Vor Beginn der Beratungen am Montag äußerte sich Verteidiger Kevin Reddington gegen journalistische Medienberichte und zeigte sich besorgt über den Ausgang des Verfahrens. Über Details zum emotionalen Zustand seiner Mandantin am Montag äußerte er sich zunächst nicht; zuvor hatte er angegeben, sie sei nervös, traurig und ängstlich gewesen.

Mögliche Urteile und rechtliche Optionen der Jury

Den Geschworenen stehen im Rahmen der Urteilsfindung verschiedene Optionen offen:

Prozess um Lindsay Clancy: Geschworene setzen Beratungen im Dreifachmord-Fall am dritten Tag fort
  • Verurteilung wegen Mordes ersten Grades, worauf eine lebenslange Freiheitsstrafe stehen kann.
  • Verurteilung wegen geringerer Anklagepunkte wie Mord zweiten Grades oder Totschlag.
  • Freispruch im Sinne von „nicht schuldig wegen mangelnder strafrechtlicher Verantwortlichkeit“ aufgrund einer psychischen Erkrankung.

Sollte die Jury Clancy aufgrund einer psychischen Störung freisprechen, bedeutet dies nach Angaben aus dem Prozessverlauf nicht ihre sofortige Freilassung. Wie Richter Sullivan erläuterte, können die Staatsanwaltschaften in solchen Fällen beantragen, die Betroffene in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen, sofern weiterhin eine Gefahr für sie selbst oder andere besteht.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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