Forscher haben 14 veränderbare Risikofaktoren identifiziert, mit denen sich das persönliche Demenzrisiko um bis zu 45 Prozent senken lässt. Die von der Neurologen Prof. Christoph Kleinschnitz von der Uniklinik Essen hervorgehobenen Maßnahmen reichen von Bewegung und Ernährung bis hin zur Behandlung von Hörproblemen und Bluthochdruck.
V. leben in Deutschland rund 1,84 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, und jährlich erkranken Hunderttausende neu. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Viele Menschen fragen sich: Kann man sich vor der Erkrankung schützen? Jeder zweite Deutsche befürchtet, an Demenz zu erkranken – doch das lässt sich beeinflussen. Prof. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Neurologie am Universitätsklinikum Essen, erklärt: „Mit kleinen Kniffen im Alltag können Sie das Demenz-Risiko um 45 Prozent senken.
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. und Alzheimer-Krankheit
Alzheimer ist eine eigenständige, bislang unheilbare Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen fortschreitend absterben. Sie ist die häufigste Form der Demenz. Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entfallen schätzungsweise 60 bis 70 Prozent aller weltweiten Demenzdiagnosen auf Alzheimer. V. bedeutet das: Jeder Mensch mit Alzheimer entwickelt im Verlauf eine Demenz. Aber nicht jede Demenz wird durch Alzheimer verursacht. Die Krankheit beginnt unbemerkt Jahrzehnte vor den ersten Symptomen. Als Auslöser gilt hierbei das Beta-Amyloid-Eiweiß, welches sich im Gehirn zwischen den Neuronen ansammelt und dort deren Signalübertragung blockiert. Im Zellinneren verändert sich zudem das sogenannte Tau-Protein. Die 14 Risikofaktoren und das Potenzial zur Prävention
Risikofaktoren für Demenz
Forscher haben 14 zentrale Risikofaktoren identifiziert, die das Demenzrisiko erhöhen könnten. Zu den körperlichen Faktoren zählen Hörprobleme, hoher Cholesterinspiegel, Kopfverletzungen, Bewegungsmangel, Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht und Sehschwäche. Hinzu kommen Lebensstilfaktoren wie geringe Bildung, übermäßiger Alkoholkonsum, soziale Isolation, Depressionen und Luftverschmutzung. Übergewicht erhöht das Demenzrisiko um 30 Prozent. Bereits ein Body-Mass-Index von 25 oder mehr hat einen kritischen Effekt. Tatsächlich erhöht Rauchen das Risiko um 30 bis 50 Prozent – Giftstoffe und Gefäßerkrankungen begünstigen Entzündungen im Gehirn.
Bewegung und Ernährung als Schutzfaktoren
Bewegungsmangel und soziale Isolation
Eine zentrale Rolle spielt Bewegungsmangel. Jeder fünfte Demenzfall ist auf mangelnde körperliche Aktivität zurückzuführen. Wer dreimal pro Woche für jeweils 40 Minuten moderat trainiert, regt die Ausschüttung von Botenstoffen an, welche das Gehirn vor degenerativem Abbau bewahren. Auch das Fehlen sozialer Kontakte schadet: Wer nur wenige soziale Bindungen pflegt, weist eine um 26 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit auf, an Demenz zu erkranken. Mangelnder Kontakt führt zum Absterben von Nervenzellen und zum Abbau der Gehirnsubstanz.
Ernährung dient ebenfalls als Schutzfaktor gegen Demenz. Mediterrane Kost mit viel Gemüse, Ballaststoffen, Fisch und Olivenöl versorgt das Gehirn optimal. Eine Kombination aus Vollkornmüsli, Joghurt, Beeren und Mandeln versorgt den Körper mit B- und E-Vitaminen, wodurch einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung vorgebeugt wird. Kaffee und Tee schützen mit Antioxidantien. Dunkle Schokolade enthält Flavonoide, die die grauen Zellen schützen. Auch eine Handvoll Nüsse – Mandeln, Walnüsse oder Paranüsse – stärken das Gehirn. Rotwein kann in Maßen positive Wirkungen haben, wobei die enthaltenen Stoffe die Regeneration grauer Zellen beschleunigen können. Mehr als 24 Gramm Alkohol täglich – etwa ein großes Glas Wein oder zwei Bier – schaden jedoch.
Erste Anzeichen von Alzheimer erkennen
Altersmediziner Johannes Pantel
Erste Anzeichen wie der vergessene Einkaufszettel, der verlegte Schlüssel oder der Name, der einem plötzlich nicht mehr einfällt, verunsichern viele Menschen. Doch gelegentliche Vergesslichkeit ist noch kein Grund zur Sorge. Typische Warnzeichen zeigen sich häufig darin, dass Betroffene mitten im Gespräch den Faden verlieren, vertraute Handlungsabläufe nicht mehr fehlerfrei ausführen, Verhaltensänderungen zeigen oder sich in ihrer gewohnten Umgebung plötzlich schlechter orientieren können.
Altersmediziner Johannes Pantel von der Goethe-Universität Frankfurt weiß, wie man frühe Warnsignale von normaler Altersvergesslichkeit unterscheidet. Ein wichtiges Indiz sei das Nachlassen grundlegender mentaler Fähigkeiten. Im Gegensatz zu einem gesunden Gehirn, bei dem die Lernfähigkeit oftmals bis ins hohe Alter bestehen bleibt, geht diese hier verloren. Johannes Pantel, Altersmediziner, erklärt, dass man selbst mit sehr viel Anstrengung beispielsweise eine neue Sprache dann nicht mehr erlernen könne. Regelmäßige Vorsorge und kleine Veränderungen im Alltag können dabei helfen, mehrere Risikofaktoren gleichzeitig zu reduzieren.