Europas Fußball-Dachverband UEFA bereitet in der Schweiz strafrechtliche Schritte gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino vor. Wie aus juristischen Dokumenten hervorgeht, wird dem FIFA-Präsidenten in diesem Zusammenhang kriminelle Misswirtschaft nach Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches vorgeworfen. Im Zentrum der Vorwürfe steht ein inzwischen verworfener Plan zur Auslagerung und dem Verkauf von kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaften sowie der Klub-Weltmeisterschaft an private Investoren. Die entsprechenden Unterlagen wurden im Rahmen von US-Rechtsverfahren, unter anderem vor einem Bundesgericht, eingereicht, um Beweismittel und Dokumente zugänglich zu machen, wie Reuters berichtet.
UEFA bereitet Strafverfahren gegen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino vor
Der umstrittene Plan sah vor, die kommerziellen Rechte in ein neues, unter dem Namen FIFA Forward Enterprise (FFE) firmierendes Tochterunternehmen zu überführen. Laut Angaben von BBC Sport wurde das Konzept im Sommer nach internen Abstimmungen und über einen längeren Zeitraum vorbereitet, ohne dabei den FIFA-Rat, die regionalen Konföderationen oder die 211 Mitgliedsverbände einzubeziehen. Zu den beteiligten Investoren sollte die von Joshua Kushner geleitete Investmentfirma Thrive Capital gehören, während der frühere Liberty-Media-Chefwirt Greg Maffei als kommerzieller Berater fungierte.
Kritik an Bewertung und Geheimhaltung des FFE-Plans
Die von The Guardian eingesehenen Gerichtsdokumente bemängeln insbesondere den Unternehmenswert des geplanten Vorhabens. Demnach sollten Investoren für 4,2 Milliarden US-Dollar eine 20-prozentige Beteiligung an den FIFA-Turnieren erhalten, was einem impliziten Unternehmenswert von rund 20 Milliarden US-Dollar entspricht. Dieser Betrag sei weder das Ergebnis einer offenen und wettbewerblichen Auktion noch von einem unabhängigen Gutachter geprüft worden, sondern stelle einen zu niedrigen Wert dar.

In den Anträgen wird zudem geltend gemacht, dass das Vorhaben das Ansehen, die Führungsstruktur und die kommerziellen Beziehungen der FIFA geschädigt habe. Neben Gianni Infantino könnten auch weitere FIFA-Offizielle und Berater ins Visier der Ermittlungen geraten. Zur Durchsetzung der Dokumentenherausgabe nutzte die UEFA in den Vereinigten Staaten unter anderem Anträge nach Paragraf 1782 sowie gerichtliche Schritte im Distriktgericht für den südlichen Distrikt von New York, in denen auch die Beteiligung von Banken wie JP Morgan und Thrive Capital beleuchtet wird, wie Yahoo und Yahoo Sports aufführen.
Widerstand im Weltfußball und Boykottdrohungen
Das Vorhaben stieß im internationalen Fußball rasch auf massiven Widerstand. Die 55 Mitgliedsverbände der UEFA erklärten in einer Notbesprechung, die Teilnahme an FIFA-Wettbewerben auszusetzen, sollte der Plan nicht zurückgezogen werden. Später schlossen sich auch der asiatische Verband (AFC) und CONCACAF dieser Haltung an. Carlos Cordeiro, der als Seniorberater von Infantino für globale Strategie und Governance tätig war, trat infolge der Vorgänge zurück und bezeichnete das Geschäft als schlechten Deal für den Fußball.

Nachdem das Konzept am 1. August aufgegeben worden war, forderten europäische Stellen zusätzliche Garantien. Die UEFA kündigte an, die Entwicklungen im Hinblick auf die kommenden FIFA-Wahlen zu bewerten und gegebenenfalls eigene Kandidaten zu unterstützen, falls Gianni Infantino im Amt bleibt.
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