Chinas Immobilienmarkt ist im August auf ein Zwei-Jahrzehnt-Tief eingebrochen und drückt mit verschuldeten Entwicklern und massiven Vermögensverlusten auf die Konjunktur, wie aus aktuellen Analysen hervorgeht.
Mehr als 70 große Projektentwickler sind insolvent, und die Gesamtverschuldung der Branche wird auf 4 Billionen US-Dollar geschätzt. Das entspricht etwa 15 Prozent des gesamten chinesischen Bruttoinlandsprodukts. Die Lage verdeutlicht, wie stark die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt durch Altlasten im Bausektor gebremst wird.
Immobilienkrise als Konjunkturbremse
Laut dem Stanford Center for China’s Economy and Institutions funktionierten „Chinas Immobilieninvestitionen, einst ein verlässlicher Treiber des lokalen Wachstums, heute als Belastung“, wie die Auswertung der Marktdaten bei Eurasia Review zeigt.”

Mehr als die Hälfte der Entwicklerschulden befindet sich bereits im Ausfall. Rund 70 Prozent des chinesischen Haushaltsvermögens stecken in Immobilien, weshalb die Talfahrt zu einer massiven Vernichtung von Werten geführt hat.
Staatlich gelenkte Banken und das Erbe billigen Kredites
Die Wurzeln der Krise reichen tief in das Finanzsystem hinein. Das chinesische Bankensystem ist mit Vermögenswerten von rund 70 Billionen US-Dollar das größte weltweit; zum Vergleich wird das US-Bankensystem auf 25 Billionen US-Dollar beziffert. Die vier großen Banken – Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), China Construction Bank (CCB), Bank of China (BoC) und Agricultural Bank of China (ABC) – befinden sich überwiegend in staatlicher Hand. Sie fungierten gemeinsam mit lokalen Behörden als Hauptfinanzierer des Baubooms.
Der Fall des einst wertvollsten Immobilienkonzerns der Welt, Evergrande, steht mustergültig für diese Entwicklung. Die Verknüpfung aus billigem Geld, steigenden Preisen und hochgezüchteter Hebelwirkung führte schließlich zu Liquiditätsengpässen, als die staatlichen Regulierungen die Refinanzierung erschwerten. Die Entflechtung dieses Geflechts hat zu strengeren Kreditvergaben und einer spürbaren Verunsicherung der Märkte geführt.
Parallelen und Risiken für andere Schwellenländer
Die asiatische Immobilienkrise dient internationalen Beobachtern als deutliche Warnung vor den Gefahren von FOMO, moralischem Hazard und spekulativer Überkonzentration. Indien gilt neben China als die einzige größere Wirtschaftsnation, in der Immobilien mehr als 55 Prozent des privaten Haushaltsvermögens ausmachen. Wie Branchenanalysen zeigen, hängt der Bausektor dort eng mit über 250 nachgelagerten Industriezweigen zusammen – von Stahl und Zement bis hin zu Farben.
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