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Bund prüft Ampeln an 120 Autobahnzufahrten

Das Bundesamt für Strassen prüft an mehr als 120 Autobahnzufahrten den Einsatz von Dosierampeln, um den Verkehr in der Schweiz zu steuern. Die Behörde nimmt dabei bewusste Rückstaus auf das untergeordnete Strassennetz in Kauf, was bei Kantonen und Städten auf scharfe Kritik stösst.

Ein zentrales Element dieser Strategie ist die sogenannte Rampendosierung an Autobahnauffahrten. Das Bundesamt für Strassen (Astra) untersucht derzeit schweizweit mehr als 120 Standorte, an denen Ampelanlagen den Zufluss von Fahrzeugen regeln sollen. Betroffen sind vor allem die grossen Ballungsräume um Zürich, Basel und in der Westschweiz. Die Anlagen sollen Fahrzeuge gestaffelt auf die Nationalstrassen lassen und damit den Verkehrsfluss verbessern.

Rückstaus auf Kantons- und Gemeindestrassen als kalkuliertes Risiko

Das Konzept der Dosierungsanlagen zielt darauf ab, den Verkehrsfluss auf den Hauptverkehrsachsen zu stabilisieren, indem Autos vor der Einfahrt gestaffelt zurückgehalten werden. Dass sich der anfallende Verkehr dadurch auf das umliegende Strassennetz verlagert, ist der Behörde durchaus bewusst. Eine interne Aktennotiz aus einer Sitzung Ende Januar 2025 belegt, dass das Astra solche Anlagen auch dann realisieren will, wenn dadurch Rückstaus auf nachgelagerten Kantons- und Gemeindestrassen entstehen. Bereits sind in der Schweiz 15 solcher Dosierungen im Betrieb. Eine solche Steuerung ist äusserst anspruchsvoll, wie eine bestehende Anlage bei Kirchberg BE zeigt: Hält sie zu viele Autos zurück, wächst der Rückstau auf dem Zubringer, während bei zu vielen durchgelassenen Fahrzeugen der Verkehr auf der A1 stockt.

Bund prüft Ampeln an 120 Autobahnzufahrten
Foto: zuerioberland24.ch

Im Jahr 2025 registrierte der Bund auf den Schweizer Autobahnen insgesamt 68’040 Staustunden – ein Anstieg von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit den Ampeln an den Einfahrten will das Astra an ausländischen Vorbildern anknüpfen. In den Niederlanden und Deutschland habe man gute Erfahrungen mit der Rampendosierung gemacht, wie Astra-Sprecherin Sarina Keusch betonte: «Diese Effekte wollen wir auch in der Schweiz nutzen.»

Konkrete Standorte von Rüti bis Effretikon im Visier

Die offizielle Standortübersicht des Astra zeigt, dass die Massnahmen tief in regionale Verkehrsnetze eingreifen sollen. Im Zürcher Oberland wird etwa der Anschluss Rüti auf der A15 in Fahrtrichtung Reichenburg geprüft, während beim A1-Anschluss Effretikon beide Fahrtrichtungen untersucht werden. Weitere Standorte wie bei den Zufahrten Gisikon-Root und Cham sind laut der zugehörigen Projektwebsite des Bundes ebenfalls in Prüfung. Allein im Raum Basel sind 19 Standorte im Prüfungsverfahren für neue Rampendosierungen erfasst.

Bund prüft Ampeln an 120 Autobahnzufahrten
Foto: 20 Min

Dennoch befinden sich die meisten dieser Vorhaben noch in einer frühen Phase. Das Astra untersucht an den aufgeführten Standorten zunächst die bauliche Machbarkeit sowie die verkehrliche Wirkung.

Kritik aus Kantonen und Städten am fehlenden Einbezug

Die Pläne stossen bei den betroffenen Kommunen und Kantonen auf spürbaren Widerstand. So sagte Daniel Hofer vom Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, man sehe mögliche Rückstaus auf das Stadtstrassennetz kritisch.

Die politische Debatte zeigt derweil unterschiedliche Fronten. Grünen-Nationalrätin Franziska Ryser hält die Ampeln grundsätzlich für sinnvoll, sieht jedoch Rückstaus auf Kantons- und Gemeindestrassen kritisch und fordert, die Auswirkungen auf das lokale Strassennetz zu berücksichtigen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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