China hat seine Leitzinsen am Sonntag zum 16. Mal in Folge unverändert gelassen. Der einjährige Kreditprime-Zins (LPR) verharrt bei 3,00 Prozent, während der fünfjährige Zinssatz für Hypotheken bei 3,50 Prozent bleibt. Die People’s Bank of China begründet den Schritt mit sinkender Kreditnachfrage und stark verengten Bankmargen.
Zinsstagnation im Gleichklang mit den Markterwartungen
Die Entscheidung der Notenbank am Sonntag kam für Marktbeobachter keineswegs überraschend. Sämtliche 21 Teilnehmer einer Reuters-Umfrage hatten exakt diesen Stillstand vorausgesagt.
Parallel dazu verbleibt der über fünfjährige LPR, an dem sich vor allem Baufinanzierungen und Immobilienkredite orientieren, bei 3,50 Prozent. Beide Zinssätze wurden seit einer leichten Absenkung um zehn Basispunkte im Mai 2025 nicht mehr angetastet. September war).
Divergenz zur US-Geldpolitik und der Druck auf den Yuan
Während in Peking Stillstand herrscht, zieht die US-Notenbank in die entgegengesetzte Richtung. Die Federal Reserve hatte kurz zuvor ihren Leitzins um 25 Basispunkte angehoben und weitere Schritte in Aussicht gestellt (Miami Herald meldet ergänzend, dass der neue US-Zentralbankchef Kevin Warsh an dieser einstimmigen Entscheidung beteiligt war, die auch die Sorge über eine vom Trump-Präsidenten bislang unkontrollierte Inflation widerspiegelt).
Dieser Spagat schränkt den Handlungsspielraum der chinesischen Währungshüter massiv ein. Zinssenkungen in Peking würden den Druck auf den Yuan verstärken, da Kapital verstärkt in US-Dollar-Anlagen abfließen könnte.
Die neue Normalität schrumpfender Kreditnachfrage
Im Zentrum der internen Herausforderungen stehen die schwächelnde Immobilienbranche und die angespannte Haushaltslage der lokalen Verwaltung. Beide traditionellen Säulen der Kreditvergabe dämpfen die Nachfrage nach frischem Kapital stärker, als es aufstrebende Industriezweige ausgleichen können.
Pan Gongsheng, Gouverneur der People’s Bank of China, erklärte, dass ein langsameres Kreditwachstum für die chinesische Wirtschaft zur neuen Normalität geworden sei.
Gouverneur Pan Gongsheng hat diesen Strukturwandel öffentlich als die neue Normalität bezeichnet. Eine aggressive Zinssenkung birgt zudem die Gefahr, die ohnehin strapazierten Nettozinsmargen der heimischen Banken weiter zu gefährden und damit die finanzielle Stabilität zu belasten.
Analystenprognosen für das vierte Quartal und darüber hinaus
Angesichts dieser Gemengelage gehen Experten davon aus, dass die Notenbank vorerst an ihrer abwartenden Haltung festhält. Die Wahrscheinlichkeit einer breit angelegten geldpolitischen Lockerung im Schlussquartal sei stark gesunken, so die Einschätzung aus dem Bankensektor.

Serena Zhou, Senior China-Strategin bei Mizuho Securities, führte aus, dass aus ihrer Sicht die Wahrscheinlichkeit einer breit angelegten geldpolitischen Lockerung im vierten Quartal abgenommen habe, sofern die Inlandsnachfrage nicht noch wesentlich stärker nachlasse, insbesondere vor dem Hintergrund einer strafferen US-Notenbank.
Auch BNP Paribas teilt diese Einschätzung und sieht das gegenwärtige Zinssenkungsprogramm nahezu ausgereizt.

Jacqueline Rong, Chefökonomin für China bei BNP Paribas, erklärte in Bezug auf die Geldpolitik, dass sich China ihrer Ansicht nach in der Endphase seines Zinssenkungszyklus befinde. Ihr Basisszenario bleibe, dass die People’s Bank of China für den Rest dieses Jahres abwarte, eingeschränkt durch knappe Nettozinsmargen der Banken und einen Übergang von Deflation zu milder Inflation, während das Risiko für ihre Einschätzung bei enttäuschendem Wirtschaftswachstum in Richtung einer Zinssenkung tendiere.
Unterdessen verweist die staatliche Berichterstattung auf positive Signale aus der Realwirtschaft. Nach Angaben von China Daily bewegte sich der gewichtete Durchschnittszins für neu ausgegebene Unternehmenskredite im August 2026 auf ein Niveau von unter 3 Prozent und lag damit etwa 0,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Die Zinsen für private Wohnungsbaukredite verharrten derweil stabil bei rund 3,1 Prozent, gestützt von einer robusten Exportentwicklung und anziehenden Erzeugerpreisen.
Weiterlesen