Frankreichs Staatsverschuldung knackt 2026 den höchsten Stand seit fast 50 Jahren und erreicht voraussichtlich 119,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Finanzministerium in Paris räumte ein, dass die Neuverschuldung damit mehr als doppelt so hoch liegt wie die in den EU-Regeln festgelegte Referenzgrenze.
Die französische Staatsverschuldung hat ein historisches Rekordniveau erreicht. Nach Angaben des französischen Statistikamtes Insee klettert die Schuldenquote in diesem Jahr auf 119,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und soll im kommenden Jahr auf 121,7 Prozent steigen. So hoch lagen die Staatsschulden zuletzt im Jahr 1978, wie das zuständige Finanzministerium in Paris einräumte.
Strenge EU-Vorgaben und europäischer Vergleich
Mit diesen Werten überschreitet Frankreich die europäische Referenzgrenze für die Staatsverschuldung von maximal 60 Prozent des BIP inzwischen um mehr als das Doppelte. Innerhalb der Eurozone belegt Frankreich damit den dritten Platz bei der Verschuldung. Höhere Schuldenquoten weisen von den Gemeinschaftsländern lediglich Griechenland und Italien auf.
Andere südeuropäische Staaten verzeichnen derweil rückläufige Quoten. So sank die Verschuldung in Spanien im Juli unter 100 Prozent des BIP, während die portugiesische Regierung ihre Schulden im Laufe des Jahres 2025 unter die Marke von 90 Prozent drückte. Auch beim öffentlichen Defizit entfernt sich Paris deutlich von den Brüsseler Vorgaben. Die EU-Regeln sehen Obergrenzen von maximal drei Prozent des BIP vor. Im vergangenen Jahr lag das Defizit in Frankreich jedoch bei 5,1 Prozent, und für das laufende Jahr kalkuliert die Regierung mit einem Anstieg auf 5,4 Prozent.
Milliardeneinsparungen und interne Unstimmigkeiten in Paris
Um der Haushaltskrise Herr zu werden, plant die französische Regierung für das kommende Jahr Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro. Premierminister Sébastien Lecornu strebt zudem an, das Defizit im Jahr 2027 auf fünf Prozent des BIP zu senken. Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure hatte dieses Ziel allerdings noch vor wenigen Tagen als unrealistisch bezeichnet.
Die Obergrenze für die Staatsverschuldung in der Eurozone wurde ursprünglich geschaffen, um eine solide und verlässliche Finanzpolitik zu garantieren. Obwohl die Mitgliedstaaten eine gemeinsame Währung nutzen, bleibt die Haushaltsführung im Wesentlichen Ländersache. Der feste Regelrahmen soll verhindern, dass einzelne Staaten exzessive Schulden anhäufen und damit die Stabilität des gesamten Euroraums gefährden, wie es während der Euro-Schuldenkrise ab 2010 der Fall war.
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