Polen hat nach Regierungsangaben russische Drohnen im eigenen Luftraum abgeschossen, nachdem 19 Grenzverletzungen während eines Angriffs auf die Ukraine verzeichnet wurden. Premierminister Donald Tusk rief Beratungen nach Artikel vier des Bündnisvertrags an, während NATO-Chef Mark Rutte Kreml-Chef Wladimir Putin direkt aufforderte, die Angriffe auf alliierte Gebiete sofort zu beenden.
In einer dramatischen Eskalation des Konflikts hat Polen erstmals seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine Schüsse auf eingedrungene Flugobjekte abgefeuert. Nach Angaben der Regierung handelte es sich um russische Drohnen, die während eines Angriffs auf die Ukraine in den Luftraum des NATO-Staates eingedrungen waren. Ein großer Teil der Flugkörper drang dabei über Belarus in den polnischen Luftraum ein. Mehrere führende Politiker aus dem Westen warfen Russland eine Eskalation vor und erklärten sich demonstrativ solidarisch mit Polen.
Artikel-Vier-Konsultationen und Reaktionen der Bündnispartner
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk machte im Parlament keinen Hehl aus der historischen Tragweite des Vorfalls. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg standen wir einem offenen Konflikt so nah, sagte Ministerpräsident Donald Tusk im Parlament. Die politische Lage habe sich verändert. Tusk berief daraufhin offizielle Konsultationen der NATO-Verbündeten ein und stützte sich dabei auf Artikel vier des Bündnisvertrags, der Beratungen der Allianz vorsieht, sobald sich eines ihrer Mitglieder bedroht sieht.

An dem Abwehreinsatz waren einem Insider zufolge polnische F-16-Kampfjets, niederländische F-35-Maschinen, italienische AWACS-Aufklärungsflugzeuge sowie gemeinsam von der NATO betriebene Tankflugzeuge beteiligt. Nach Angaben des polnischen Innenministeriums wurden bis Mittag an verschiedenen Orten sieben Drohnen sowie Trümmerteile einer Rakete gefunden. Die Herkunft der Objekte sei noch nicht geklärt. Opfer gab es nach polnischen Angaben keine.
NATO-Chef Mark Rutte richtet scharfe Warnung an Wladimir Putin
Angesichts der Luftraumverletzungen wandte sich der Chef der NATO, Mark Rutte, jetzt direkt an Kreml-Chef Wladimir Putin. Er hat die Verletzung des polnischen Luftraums durch russische Drohnen als „absolut rücksichtslos“ bezeichnet.”

„Ob es Absicht war oder nicht, es ist absolut rücksichtslos, es ist absolut gefährlich.
Mark Rutte, NATO-Chef
Seine Botschaft sei klar: Beenden Sie den Krieg in der Ukraine. Hören Sie auf, den Luftraum der Verbündeten zu verletzen. Und wissen Sie, dass wir bereitstehen, dass wir wachsam sind und dass wir jeden Zentimeter des NATO-Gebiets verteidigen. Parallel zu diesen Vorfällen treibt das Bündnis seine strukturellen Vorkehrungen weiter voran. On Tuesday (7 July 2026) at the NATO Summit Defence Industry Forum, NATO Allies announced that over 40 billion dollars will be invested in counter-drone capabilities over the next five years. Sie zielten zudem darauf ab, bis Ende 2027 fünfmal so viele Drohnenbetreiber auszubilden.
Parallele Zwischenfälle und weitreichende Untersuchungen in Europa
Die Besorgnis über unbemannte Flugobjekte erstreckt sich indessen über den gesamten europäischen Raum. Bereits während der vergangenen Tage seien potenziell größerer Drohnen
im Luftraum von Luxemburg gesichtet worden, sagte Premierminister Luc Frieden. In der Nacht auf Samstag dann wohl auch am Flughafen des kleinen NATO-Landes berichtet der „ORF“. Daher musste der Flugverkehr vorübergehend gestoppt werden. Insgesamt seien 1.800 Passagiere betroffen gewesen. Ganze 17 Flüge habe man nach Brüssel, Paris und Frankfurt umgeleitet. Der Vorfall führte jedenfalls zu einer Krisensitzung mit dem Verteidigungs- und Innenminister des Landes. Aktuell würde die Causa von den luxemburgischen Behörden in Zusammenarbeit mit anderen NATO-Mitgliedsstaaten untersucht werden. Laut Frieden sei es jedoch noch zu früh, um sagen zu können, woher die Drohne stammt. Für Luxemburg sei die Situation jedenfalls neu gewesen. In anderen europäischen Staaten kam es in der jüngeren Vergangenheit allerdings zu Vorfällen. So wurde eine mit Sprengstoff beladene Drohne am Leipziger Flughafen entdeckt. Die Deutschen machen dafür Russland verantwortlich.
In Moskau zeigt man sich indessen über den Umgang der westlichen Seite mit solchen Vorfällen irritiert. The North Atlantic Alliance has not approached Russia with proposals to jointly investigate drone crashes, Vladislav Maslennikov, director of the Russian Foreign Ministry’s Department of European Affairs, told Izvestia. Nor does the bloc make use of emergency communication channels through the Russian embassy in Belgium, he added. Germany has accused Russia of involvement in the drone incident at Leipzig Airport. In May, Romania blamed Moscow for the shooting down of a drone in the city of Galati. Natalya Yeryomina, a professor at St. Petersburg State University, told Izvestia in an interview that NATO’s refusal to conduct a joint investigation with Russia is linked to concerns about exposing Ukraine’s role.