Zum Inhalt springen
Unternehmen

BASF legt unverbindliches Übernahmeangebot für Evonik vor

Der Chemieriese BASF hat bei dem Essener Konkurrenten Evonik ein unverbindliches Übernahmeangebot eingereicht. Das freiwillige öffentliche Angebot zielt auf sämtliche Aktien ab. Die RAG-Stiftung als Evonik-Großaktionär nimmt eine Schlüsselrolle ein, während die Börsenkurse nach den Berichten spürbar reagierten.

BASF

Die deutsche Chemiebranche blickt auf eine mögliche Großtransaktion. Der Ludwigshafener Konzern BASF hat beim Spezialchemiekonkurrenten Evonik ein unverbindliches Übernahmeangebot hinterlegt. Der Vorstand von Evonik gab bekannt, dass bei dem Essener Betrieb »eine unverbindliche Ansprache durch die BASF« eingegangen sei. In der Erklärung des Evonik-Managements hieß es ergänzend: »Diese ist auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet«.

Evonik wolle den Vorgang nicht weiter kommentieren. »Gespräche finden derzeit nicht statt«, erklärte das Unternehmen. Zuerst hatten mehrere Medienberichte über die Vorbereitungen Schlagzeilen gemacht. Laut der Financial Times schlugen Evonik und die RAG-Stiftung einen Zusammenschluss vor. Eine in die Vorgänge eingeweihte Person berichtete der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, dass Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen bestünden. BASF erklärte zu den Marktgerüchten: »Grundsätzlich kommentieren wir keine Marktgerüchte oder Spekulationen.«

Rolle der RAG-Stiftung und Reaktion der Börsenkurse

RAG-Stiftung

Eine Schlüsselrolle bei einer möglichen Übernahme käme der RAG-Stiftung zu. Als Ankeraktionär hält sie rund 43 Prozent der Anteile an Evonik. Die RAG-Stiftung will jedoch ihre Abhängigkeit von der Chemieindustrie verringern und den Anteil perspektivisch auf 25,1 Prozent abschmelzen. Die Stiftung äußerte sich zunächst nicht zu den Vorgängen.

Die Marktreaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Durch die Übernahmegerüchte stieg die Aktie von Evonik am Freitagmittag zwischenzeitlich um elf Prozent auf knapp über 20 Euro, womit sie den höchsten Wert seit Mai 2025 erklomm. Evonik ist an der Börse rund 8,4 Milliarden Euro wert, während BASF in Ludwigshafen mit 47 Milliarden Euro bewertet wird. Die Aktien von BASF als Kaufinteressent korrigierten um mehr als drei Prozent an ihre 100-Tage-Linie. Die Aktien von BASF waren im Tagesverlauf rund drei Prozent im Minus.

Strategische Hintergründe und Marktumfeld im Chemiesektor

Financial Times

Unter Berufung auf eingeweihte Kreise berichtete die Financial Times, dass die Ludwigshafener mit der Evonik-Übernahme ihre weltweite Präsenz und ihr Angebot ausweiten wollen, um sich im anspruchsvollen Branchenumfeld zu behaupten. Um sich im Wettbewerb gegen chinesische Konkurrenten besser zu behaupten, strebt der weltgrösste Chemiekonzern durch die Übernahme eine Vergrößerung seines regionalen Wirkungskreises und seiner Produktpalette an. Bereits am Dienstag hatte das Magazin Dealreporter über angebliches Interesse von BASF an Evonik berichtet. Seither haben sich Evonik-Aktien sukzessive erholt, nun mit kräftigem Schwung. Eine so große Übernahme zwischen zwei deutschen Konzernen gab es nach Branchenangaben seit Jahrzehnten nicht mehr.

BASF legt unverbindliches Übernahmeangebot für Evonik vor
Foto: boerse-online.de

Aufgrund der konjunkturellen Schwäche in Deutschland leidet das von Natur aus zyklische Chemiegeschäft bereits seit einigen Jahren unter schwierigen Bedingungen. Hinzu kamen in diesem Jahr stark anziehende Energiepreise infolge des Krieges im Nahen Osten. Allerdings verbuchten einige Sparten in der Chemie auch eine Sonderkonjunktur, weil die Sperrung der Straße von Hormus das Angebot durch Konkurrenten verknappte und die Preise in die Höhe trieb. Die Stimmung in der chemischen Industrie hellte sich zuletzt spürbar auf, wobei der ifo-Geschäftsklimaindex im August von minus 26,3 auf minus 2,4 Zähler kletterte.

Umbaupläne und geplante Umstrukturierungen bei Evonik

Claus Rettig

Unabhängig von den aktuellen Spekulationen treibt Evonik seinen Umbau voran. Laut Mitteilung von Evonik wird das Unternehmen angesichts der Krise im Sektor unter der Führung von Interimschef Claus Rettig an seinen Umstrukturierungen festhalten. »Wir werden diese Polykrise nutzen, um alte Strukturen zu ändern und uns besser aufzustellen«, sagte Rettig nach einer Strategieklausur von Vorstand und Aufsichtsrat. Evonik-Chef Rettig will sich auf das profitable Kerngeschäft konzentrieren.

BASF legt unverbindliches Übernahmeangebot für Evonik vor
Foto: WELT

Bereits Mitte Juni hatte das Unternehmen angekündigt, bis Ende 2029 etwa 3.200 Stellen weltweit zu streichen, 2.150 davon in Deutschland. Durch die Fokussierung des Unternehmens auf ertragreiche Kernbereiche möchte Interimschef Claus Rettig finanzielle Spielräume für künftige Investitionen erarbeiten.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.