Nach einer fast achtmonatigen Mission auf der Internationalen Raumstation ist die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot auf die Erde zurückgekehrt. In Köln warnte sie vor verfrühten bemannten Reisen zum Mars und betonte, dass entscheidende technologische Durchbrüche für eine solche Belastung noch fehlen.
Die Landung am 8. Oktober 2026 beendete einen Raumflug, der Sophie Adenot zur europäischen Astronautin mit dem längsten Raumflug machte. Knapp 235 Tage verbrachte die 44-Jährige im Orbit, darunter mehr als 200 Tage ab September 2026 sowie drei anstrengende Weltraumausstiege mit einer EVA-Gesamtzeit von fast 20 Stunden. Doch der Übergang zurück in die irdische Schwerkraft verlief alles andere als reibungslos.
Bereits kurz nach dem Öffnen der Kapsel, die nach einer Wasserlandung im Pazifik geborgen wurde, verspürte Adenot heftige körperliche Beschwerden. Sie kämpfte mit starker Übelkeit durch den Wellengang, wie sie auf einer Pressekonferenz der Europäischen Weltraumorganisation in Köln berichtete. Für einen Flug zum Mars wird die Reisedauer zurzeit auf sechs bis neun Monate veranschlagt – dies entspricht in etwa der Dauer von Adenots ISS-Mission, allerdings unter weitaus günstigeren Rahmenbedingungen.

„Direkt nachdem die Kapsel geöffnet wurde, war das Erste, was ich gesagt habe: ‚Schickt mich zurück ins All‘, weil mir schlecht war, mit dem Wellengang.“
Sophie Adenot, ESA-Astronautin
Medizinische Betreuung im Kölner :envihab und die physiologischen Folgen der Schwerelosigkeit
Nach ihrer Rückkehr trat Adenot den traditionellen Direct Return in die luft- und raumfahrtmedizinische Forschungsanlage :envihab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln an. Wie es für fast alle ESA-Astronauten seit dem Jahr 2014 üblich ist, führt der Weg von Sophie Adenot nach der Landung zunächst in diese DLR-Einrichtung in Köln, um dort den Wiedereinstieg in den irdischen Alltag zu bewältigen.
Dazu gehört Prof. Bimba Hoyer, die sie als Missionsärztin bereits im Februar 2026 kennengelernt hat. Die Mediziner kontrollieren im Rahmen des zehntägigen bis zweiwöchigen Programms gezielt die körperlichen Anpassungsprozesse.
„Ein wichtiges raumfahrtmedizinisches Thema sind die Augen, die sich in der Schwerelosigkeit verändern, zum Beispiel die Sehstärke betreffend. Oder der Sehnerv kann dicker werden.“
Prof. Bimba Hoyer, Ärztin des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin und der ESA
Neben Augen und Sehnerv stehen auch der Blutdruck, der Gleichgewichtssinn sowie die verkümmerte Rückenmuskulatur im Fokus, da diese Muskeln in der Schwerelosigkeit der ISS kaum arbeiten müssen. Laut Adenots Berichten haben mehr als die Hälfte aller Astronauten nach der Rückkehr mit ähnlichen Schwächezuständen und Erbrechen zu kämpfen.
Sophie Adenots deutliche Warnung vor einer bemannten Marsmission
Aus ihren eigenen Erfahrungen auf der ISS und den körperlichen Belastungen direkt nach der Landung zieht die französische Astronautin ein nüchternes Fazit für künftige interplanetare Reisen. Für Reisen zum Mars ist es nach Ansicht der französischen Astronautin Sophie Adenot noch zu früh. Eine bemannte Mission zum roten Planeten sei mit der heutigen Technik verfrüht.
„Wir sind nicht bereit, wir brauchen technologische Durchbrüche.“
Sophie Adenot, ESA-Astronautin
Die geschätzte Reisedauer zum Mars liegt derzeit bei sechs bis neun Monaten – ein Zeitraum, der zwar ihrer ISS-Aufenthaltsdauer entspricht, jedoch unter weitaus ungünstigeren Bedingungen stattfinden würde. Während die Raumstation verhältnismäßig viel Platz bietet und ein kontinuierliches Sportprogramm ermöglicht, müssten Crews in einem engen Transportraumschiff auf engstem Raum hausen.
Ohne wesentliche technische Sprünge drohe den Besatzungen eine extreme Belastung. Als mögliche Lösung nannte Adenot künstliche Schwerkraft durch ein in Rotation versetztes Raumfahrzeug, um den Körper dauerhaft einer Form von Gravitation auszusetzen. Bis dorthin seien jedoch noch zahlreiche Zwischenschritte erforderlich.
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