Moderne Bluttests können Alzheimer-Biomarker wie p-tau217 und Amyloid-beta Jahre vor dem Auftreten erster Symptome nachweisen. Die von der US-Zulassungsbehörde FDA freigegebenen Verfahren ermöglichen präzisere Früherkennungen. Experten mahnen jedoch zur Vorsorge mit klinischer Begleitung, da es für symptomfreie Patienten noch keine zugelassene medikamentöse Therapie gibt.
Wie Alzheimer-Bluttests im Frühstadium das Gehirn analysieren
Wenn Gedächtnisprobleme im Alltag auftauchen, stehen Patienten und Angehörige oft vor der schwierigen Frage, ob es sich um normalen Alterungsprozess oder die Vorboten einer Demenz handelt. Bislang erforderte eine verlässliche Diagnose teure Hirnscans oder schmerzhafte Lumbalpunktionen zur Gewinnung von Nervenwasser. Das ändert sich grundlegend durch neue Blutuntersuchungen, die im Rahmen von Routineuntersuchungen durchgeführt werden können und Alzheimer-typische Eiweiße Jahre vor dem Einsetzen des Gedächtnisverlusts identifizieren.
Die Tests konzentrieren sich auf spezifische Proteine, die pathologische Veränderungen im zentralen Nervensystem widerspiegeln. Dazu zählen Amyloid-beta, das sich vor ersten Beschwerden als Plaques ablagert, sowie Tau-Proteine und deren modifizierte Formen wie p-tau181 oder p-tau217. Letzteres gilt in der Fachwelt als einer der präzisesten Indikatoren für die Erkrankung. Ergänzend messen Labore entzündungsanzeigende Marker wie das Glial Fibrillary Acidic Protein sowie Neurofilament Light Chain als Zeichen laufender Nervenschädigungen.
Genauigkeit und Zulassung: Der Weg von der Forschung in die Praxis
Die technologische Entwicklung hat durch behördliche Entscheidungen massiv an Dynamik gewonnen. So hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA Bluttests für Alzheimer freigegeben.
Die diagnostische Güte belegen umfangreiche Untersuchungen.
Kombination aus Genetik und Biomarkern präzisiert den Zeitpunkt des Ausbruchs
Wissenschaftler der Columbia University haben untersucht, wie sich der p-tau217-Test mit genetischen Analysen verknüpfen lässt, um den genauen Zeitpunkt des Symptombeginns zu berechnen. Die im Fachjournal The Lancet Neurology veröffentlichte Studie mit rund 8.500 Teilnehmern verschiedener ethnischer Herkunft ergab, dass die Kombination aus p-tau217-Bluttest und APOE-Genstatus verlässliche Prognosen erlaubt.

Sobald die p-tau217-Werte ansteigen, entwickeln Träger des risikoreichen APOE4-Gens demnach innerhalb von drei bis vier Jahren Symptome, während Personen mit anderen Genvarianten ein Zeitfenster von fünf bis sechs Jahren aufweisen.
The combination of the tests really makes a difference in predictive power.
Richard Mayeux, chair of the Department of Neurology at Columbia University’s Vagelos College of Physicians and Surgeons and neurologist-in-chief at NewYork-Presbyterian/Columbia University Irving Medical Center
Therapeutische Optionen und Grenzen der Früherkennung
Die enormen Fortschritte in der Diagnostik treffen auf eine neue Generation von Therapien. Es gibt krankheitsmodifizierende Behandlungen für Patienten im frühen Stadium, wie Amyloid-Targeting-Behandlungen für Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Demenz aufgrund von Alzheimer.

Dennoch raten Experten von flächendeckenden Screenings bei völlig beschwerdefreien Menschen ab. Da aktuelle Antikörpertherapien für symptomfreie Patienten offiziell noch nicht zugelassen sind, wirft ein positiver Test ohne therapeutische Handlungsoption ethische und psychologische Fragen auf.
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