Offener Brief der Kontinentalverbände
Neben Aleksander Ceferin unterzeichneten den Brief auch Salman bin Ibrahim Al Chalifa, der Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC), sowie Victor Montagliani, der Chef des Verbandes von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF). Zudem beteiligten sich die Generalsekretäre der jeweiligen Kontinentalverbände an dem Schreiben, in dem sie gemeinsam als „Konföderationen, die ihre Mitglieder vertreten“ auftreten.”
In dem Schreiben, in dem auf eine namentliche Nennung Infantinos verzichtet wurde, betonen die Verfasser, dass Fußball weder einer Institution noch einer Einzelperson gehöre. Zwar werde das jüngste Wachstum der FIFA als „real“ anerkannt, dies sei jedoch niemals das Werk einer einzelnen Person
gewesen. Die Führung im Fußball bringe die Pflicht mit sich, der Fußballfamilie zu dienen. Wenn Vertrauen durch Täuschung gebrochen werde und sich eine Person über das Kollektiv stelle, sei diese Pflicht vernachlässigt worden.
Die Unterzeichner erklärten, dass es ihnen nicht darum gehe, gemeinsam getroffene Entscheidungen – wie die Vergabe von Weltmeisterschaften – zu revidieren oder Mitgliedsverbände zu spalten. Vielmehr gehe es um die Integrität des Spiels und die Integrität der gewählten Führungspersonen.
Streit um den gescheiterten Investorendeal
Obwohl die FIFA und Generalsekretär Mattias Grafstrom in einem gemeinsamen Schreiben Reue über die Art der Einführung des kommerziellen Schemas zum Ausdruck brachten und „Fehler“ einräumten, überzeugte dies die Kontinentalverbände nicht. Sie werfen der FIFA-Führung vor, die Institutionen bewusst vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben. In dem offenen Brief heißt es, dass ein Vorschlag, der unter Zeitdruck und ohne sinnvolle Konsultation vorangetrieben wurde, nicht das Ergebnis eines Versehens, sondern das Ergebnis einer Absicht
gewesen sei, um die Kontrolle einzuschränken.
Drohende Boykotte und Forderungen nach Rechenschaft
Die Spannungen haben dazu geführt, dass die Drohung eines Boykotts von FIFA-Wettbewerben durch England und andere europäische Nationen real bleibt. Ein UEFA-Sprecher erklärte gegenüber Sky News, dass zwei Bedingungen für die Teilnahme an FIFA-Wettbewerben erfüllt sein müssten: die Rücknahme der Pläne zum Verkauf der großen Wettbewerbe sowie die Zusicherung, dass solche Versuche nicht erneut unternommen werden. Da diese Bedingungen nicht erfüllt seien, bleibe die Position des Vertrauensverlusts bestehen.

Konkrete Auswirkungen könnten bereits im nächsten Monat auftreten:
- Frauen-U20-Weltmeisterschaft: Ein möglicher erster Brennpunkt für den Boykott, für den England bereits einen Kader nominiert hat.
Reaktion der FIFA und politische Lage
Die FIFA wies die Vorwürfe zurück und erklärte in einem Statement, dass es gezielte Bemühungen einiger Akteure gebe, die FIFA und ihren Präsidenten zu untergraben. Die Führung in Zürich betonte, dass alle Maßnahmen im Einklang mit dem regulatorischen Rahmen der FIFA erfolgt seien und man keine Angriffe auf die Integrität und Good Governance des Verbandes mehr tolerieren werde.
Auch interessant
