Die Kontinentalverbände UEFA, AFC und CONCACAF haben in einem gemeinsamen offenen Brief an die „Fußball-Familie scharfe Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino geübt und ihm vorgeworfen, das Vertrauen der Institutionen durch Täuschung gebrochen zu haben. Auslöser des Konflikts sind die inzwischen gescheiterten Pläne Infantinos, Anteile an der sportschau.de an private Investoren zu verkaufen.
Vorwurf der bewussten Täuschung bei Investorendeal
Laut den Unterzeichnern sei der Vorschlag nicht das Ergebnis eines Versehens, sondern Ausdruck einer bewussten Absicht gewesen, die Kontrolle und Prüfung durch die Mitgliedsverbände einzuschränken. Dies begründen sie damit, dass der Plan unter Zeitdruck und ohne sinnvolle Konsultation vorgebracht und auf eine Frist hin vorangetrieben wurde
, bevor eine ordnungsgemäße Prüfung der Bedingungen möglich war, heißt es in dem Brief laut sportschau.de.
Kritik an Führungskultur und Rechenschaftspflicht
Die Kontinentalverbände betonen, dass Führung im Fußball eine Verpflichtung zum Dienst an der Gemeinschaft sei und nicht dem persönlichen Besitz oder der Machtausübung einer Einzelperson diene. Sie werfen Infantino vor, sich über das Kollektiv gestellt zu haben. In diesem Zusammenhang wird ein Treffen in Marokko kritisiert, zu dem Infantino eine ausgewählte Anzahl von Mitgliedern des FIFA-Führungsgremiums einberufte, anstatt in Zürich mit den Mitarbeitern zusammenzutreffen.

Dieser Vorgang werde als Fortsetzung eines problematischen Verhaltensmusters gewertet. In dem Brief wird konstatiert, dass Schweigen, wo Rechenschaftspflicht, und Distanz, wo Offenheit herrschen sollte
, vorherrsche. Die UEFA, AFC und CONCACAF fordern daher, dass die Aufarbeitung der Vorfälle nicht durch die FIFA selbst, sondern durch eine unabhängige dritte Stelle erfolge und sämtliche Unterlagen gesichert werden, berichtet Spiegel.
Mögliche Konsequenzen und Boykott-Drohungen
Während die FIFA in einem Statement behauptete, es gebe gezielte Bemühungen einiger Akteure, den Präsidenten zu untergraben, wächst der Druck auf Infantino, der derzeit der einzige erklärte Kandidat für die Wahl im März 2027 ist. Die UEFA hat bereits erklärt, das Vertrauen in den FIFA-Chef verloren zu haben.

Konkrete Auswirkungen könnten bevorstehen: Die Verbände diskutieren laut Medienberichten die Organisation eigener Wettbewerbe ohne die Hilfe der FIFA. Die UEFA hält zudem an einer Boykott-Drohung fest, sollte die FIFA nicht alle Bedingungen erfüllen. Dies betrifft unter anderem die im September startende U20-WM der Frauen in Polen, an der sechs europäische Nationen teilnehmen.
Zusammenfassung der Kernforderungen
| Bereich | Forderung / Kritik der Kontinentalverbände |
|---|---|
| Aufarbeitung | Untersuchung durch eine unabhängige dritte Stelle statt interner FIFA-Prüfung. |
| Investorenplan | Anerkennung, dass der Vorschlag „von Grund auf falsch“ und ein „gravierendes Fehlurteil“ war. |
| Transparenz | Sicherung aller Unterlagen zum Vorgang und Ende der Distanz zur Belegschaft. |
| Zukunft | Sicherstellung, dass Versuche, den Fußball durch den Verkauf von Anteilen zu „entstellen“, nicht wiederholt werden. |
