Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 zeigt eine neue Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF klare Fronten. Die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD führt deutlich, verpasst nach aktuellen Zahlen jedoch eine absolute Mehrheit im Magdeburger Landtag.
Umfragewerte und die Frage nach der Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt
Die politischen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt bleiben wenige Tage vor dem Urteil der Wählerinnen und Wähler stark polarisiert. Laut der am 28. August 2026 veröffentlichten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF erreicht die AfD einen Wert von 40 Prozent. Befragt wurden von Dienstag bis Donnerstag 1053 Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt. Auf dem zweiten Platz folgt die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze mit 23 Prozent. Die Linke kommt den Erhebungen zufolge auf 13 Prozent, die SPD auf neun Prozent und die Grünen auf sechs Prozent. Die FDP würde mit drei Prozent aus dem Magdeburger Landtag ausscheiden, während das BSW mit ebenfalls drei Prozent den Einzug in das Landesparlament verpassen würde.
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest-Dimap, das in dieser Woche – am Montag und am Dienstag – rund 1500 Wählerinnen und Wähler in dem ostdeutschen Flächenland befragt hat, sieht die AfD bei 42 Prozent (+1 zu Juli), womit sie ihre Wählerunterstützung von 2021 (20,8 Prozent) verdoppeln und bundesweit ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen erzielen würde. Die Linke käme aktuell bei Infratest dimap auf 11 Prozent (-2 zu Juli), die SPD auf 8 Prozent (+1), während die Grünen mit 6 Prozent (+1) rechnen könnten. Das 2024 gegründete BSW würde derzeit mit 4 Prozent an der Fünfprozenthürde scheitern, ebenso die FDP mit 3 Prozent.
Das Ringen um Koalitionen und eine mögliche Alleinregierung
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, und die aktuellen Umfragen lassen am Sieger schon jetzt keinen Zweifel: Der Vorsprung der AfD auf die übrigen Parteien ist einfach viel zu groß. Vor der Landtagswahl steht deshalb im Grunde nur noch eine Frage im Raum: Kann die Partei nach der Wahl die Macht im Land übernehmen? Mangels Koalitionspartnern setzt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf eine Alleinregierung. Eine Regierungsübernahme durch die AfD ist möglich, aber keineswegs sicher. Dem Datenteam der ZEIT zufolge sind die Mehrheitsverhältnisse im künftigen Landtag schwer vorherzusagen, wobei entscheidend vorrangig das Abschneiden der kleineren Parteien wie Grünen, FDP und BSW ist. Auch das Ergebnis der SPD, die in Umfragen bei rund sechs Prozent liegt, spielt dabei eine wichtige Rolle. Je weniger Parteien in den Landtag einziehen, desto größer werden die Sitzanteile der übrigen Fraktionen.

Gelingt es der CDU, geeignete Koalitionspartner zu finden, könnte sie die Landesregierung weiterführen. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene schließt sie eine Zusammenarbeit mit der AfD aus und beruft sich dabei auf die sogenannte Brandmauer. Auch eine Kooperation mit der Linken lehnt die CDU immer wieder ab. CDU-Spitzenkandidat Schulze stellte klar, es werde weder Ministerinnen oder Minister der Linken noch der AfD in seiner Regierung geben. Die Linke wiederum signalisierte Mitte Mai Gesprächsbereitschaft und erklärte, grundsätzlich mit allen demokratischen Parteien zusammenarbeiten zu wollen, wie etwa Heidi Reichinnek betonte. Wären die Grünen tatsächlich im künftigen Landtag, würde es auf Basis der Umfragezahlen für die AfD nicht zur absoluten Mehrheit der Mandate reichen. Auf der anderen Seite wäre Ministerpräsident Schulze für Regierungsgeschäfte ohne AfD-Einbindung auf die Unterstützung aller übrigen Landtagsparteien angewiesen. Die CDU müsste also die Linke in eine Koalition holen oder sich von ihr tolerieren lassen, was die CDU bislang ebenso ausgeschlossen hat wie eine Zusammenarbeit mit der AfD. Denkmöglich ist auch eine von der Linken geduldete Minderheitsregierung aus CDU, SPD und Grünen.
Stimmung im Land und der Blick der Bundespolitik
Es ist die deutsche Landtagswahl mit der höchsten Aufmerksamkeit seit vielen Jahren – im In- und im Ausland. Sollte die AfD eine Mehrheit im künftigen Landtag bekommen, wäre das eine schwere Hypothek auch für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der vor seinem Amtsantritt im Mai vergangenen Jahres das Ziel ausgegeben hatte, die Zustimmung zu den extremen Rechten durch gute Politik halbieren zu wollen. Das hat bislang nicht geklappt, im Gegenteil: Es zeigt sich ein Abstand von zwanzig Prozentpunkten zwischen der AfD und der CDU.

Für die CDU hofft Ministerpräsident Sven Schulze allerdings noch auf eine Wende und skizzierte Mitte Juni auf dem Parteitag der Sachsen-Anhalt-CDU in Dessau-Roßlau, wie er die Staatskanzlei führen möchte. In der Wirtschaft erwarte er wenig bis nichts, erklärte Schulze und führte aus: „Ich sehe nicht eine Idee, die Unternehmen in diesem Land voranbrächten, keinen neuen Ansatz, und vor allem: keine Zukunft, keine Zuversicht, nur Formeln für Wut und Angst, die man am Köcheln halten muss. Die AfD hat ein Interesse daran, dass es dem Land schlecht geht und alle sich elend fühlen. Nicht auszudenken, wenn es wieder aufwärtsgeht! Wie malt man da das Versagen des ‚Systems‘ in düsteren Farben aus?
Die endgültige Entscheidung in dem ostdeutschen Flächenland bleibt offen, zumal ein großer Teil der Wahlberechtigten laut den Erhebungen der Forschungsgruppe Wahlen noch unentschlossen ist.
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