Ein 72-jähriger Mann ist am Sonntag im Universitätsspital Lausanne (CHUV) an den Folgen eines Angrufs gestorben, den er Ende Juli in Sainte-Croix im Kanton Waadt erlitten hatte. Die Waadtländer Staatsanwaltschaft hat das Strafverfahren gegen einen tatverdächtigen 14-jährigen Franzosen in Absprache mit dem Jugendgericht auf Mord ausgeweitet.
Der gewaltsame Vorfall ereignete sich in der Nacht auf den 29. Juli 2026 kurz nach Mitternacht im Zentrum von Sainte-Croix, wie die Kantonspolizei Waadt mitteilte. Der 72-jährige Rentner, der von Freunden Tchotcho
genannt wurde, hatte den Abend zuvor mit seiner Frau und einem Bekannten bei einem Geburtstagsessen in einem Restaurant verbracht. Später kehrte er mit einem Freund auf ein Getränk in das Lokal El Latino in der Nähe des Bahnhofs ein, während seine Frau nach Hause fuhr.
Vor dem Lokal kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung mit einer Gruppe Jugendlicher, die mit einem Auto Lärm verursacht haben sollen. Der Streit eskalierte, und der Rentner wurde niedergeschlagen. Er stürzte schwer zu Boden, verlor das Bewusstsein und zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu.
Untersuchungshaft und Ausweitung des Verfahrens auf Mord
Nach der Tat leiteten die Ermittlungsbehörden rasch Schritte ein. Die Staatsanwaltschaft Waadt führte die Strafuntersuchung in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendgericht und der Kriminalpolizei. Im Zuge der Ermittlungen identifizierten die Behörden einen 14-jährigen französischen Staatsangehörigen als Hauptverdächtigen, der in der Region wohnhaft ist.
Der Jugendliche wurde einvernommen und dem Präsidenten des Jugendgerichts vorgeführt, der die Untersuchungshaft anordnete. Auch weitere beteiligte Personen wurden von den Inspektoren identifiziert und befragt. Nachdem der 72-jährige Mann am Sonntag, dem 23. August 2026, im Spital verstorben war, gaben die Behörden bekannt, dass das Verfahren nun offiziell wegen Mordes geführt wird.
Schwere Vorwürfe gegen den Tatverdächtigen an der Schule
Der Fall wirft Fragen zur Vorgeschichte des Jugendlichen auf. Der 14-Jährige besuchte das Collège de la Poste in Sainte-Croix und soll dort nach Angaben von Mitschülern bereits durch Gewalt und Mobbing aufgefallen sein. Ein ehemaliger Mitschüler berichtete, der Jugendliche habe an der Schule Angst und Schrecken verbreitet.
Mehrere Schüler erinnerten sich an einen Vorfall während des Schuljahres 2024/2025, bei dem der Tatverdächtige einen Mitschüler auf einer Schultoilette gewürgt haben soll. Das Opfer sei daraufhin zusammengebrochen. Ehemalige Mitschüler gaben an, dass der Jugendliche nach diesem Vorfall von der Schule ausgeschlossen und in einem Heim untergebracht worden sei. Trotzdem hielten Berichte über Schikanen an, und die Mutter eines Schülers berichtete, dass das Umfeld des Jugendlichen Familien bedroht habe, wenn diese sich gegen das Verhalten zur Wehr setzten.
Abschalten der lebenserhaltenden Massnahmen nach wochenlangem Kampf
Der verletzte Rentner war unmittelbar nach der Tat mit einem Rettungswagen ins Lausanner Universitätsspital CHUV gebracht worden. Sein Zustand blieb über Wochen kritisch. Am vergangenen Sonntag traf die Familie schließlich die schwere Entscheidung, die lebenserhaltenden Geräte abzuschalten.
In seinen letzten Tagen erlebte die Familie eine tragische Aneinanderreihung von Ereignissen: Während der 72-Jährige im Spital um sein Leben rang, kam eines seiner Enkelkinder zur Welt, und gleichzeitig verstarb einer seiner Hunde. Freunde beschrieben den Verstorbenen als sportlichen und lebensfrohen Menschen, der früher bei Romande Energie gearbeitet hatte und ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, Wanderer und Skifahrer war.
Laufende Ermittlungen der Waadtländer Behörden
Die genauen Umstände des Streits vor dem Lokal im Zentrum der rund 4.500 Einwohner zählenden Gemeinde im Jura-Hochland werden weiterhin untersucht. Zeugen, die sich zur Tatzeit vor Ort befanden, wurden von der Polizei vorgeladen und befragt. In den sozialen Medien löste die Bluttat heftige Reaktionen und Diskussionen aus, während die offizielle Justiz das Jugendstrafverfahren fortsetzt.

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