Die Geothermiebohrungen für die klimafreundliche Wärme- und Kälteversorgung des Otto-Wagner-Areals in Wien sind im Juli 2026 planmäßig abgeschlossen worden. Rund 430 Tiefensonden wurden in den Untergrund eingebracht, während das Areal gleichzeitig bis 2030 als neuer Campus für die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien weiterentwickelt wird.
Abschluss der Geothermiebohrungen im Juli 2026
Auf dem Otto-Wagner-Areal sind die umfangreichen Bohrungen zur Nutzung von Erdwärme beendet worden. Wie die Wien Holding mitteilte, wurden in den vergangenen Monaten rund 430 Geothermiebohrungen durchgeführt und die Sonden im Untergrund platziert. Nach dem Abschluss der Arbeiten im Juli 2026 wurden die Bohrstellen fachgerecht verschlossen und die beanspruchten Flächen vorübergehend wiederhergestellt.
Die eingesetzten Tiefensonden sollen mit Wärmepumpen klimafreundliche Wärme und Kälte für das Areal liefern. Über die Geothermie soll künftig ein großer Teil der benötigten Wärme und Kälte am Areal bereitgestellt werden, indem die relativ konstanten Temperaturen im Untergrund genutzt werden. Im Winter kann die dort gespeicherte Wärme über die Tiefensonden und Wärmepumpen zum Heizen der Gebäude genutzt werden und im Sommer lässt sich das System zur Kühlung einsetzen.
Dadurch sollen fossile Energieträger verringert und Emissionen reduziert werden. Ergänzend sind Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Pavillons vorgesehen. Zusammen sollen die beiden Technologien den Anteil erneuerbarer Energie bei der Versorgung des Areals erhöhen und langfristig zu stabileren Energiekosten beitragen. Die Technische Umsetzung von weiteren Teilen der Erzeugungsanlage wird in den nächsten Projektphasen fortgesetzt.
Neuer MUK-Campus und Investitionen am OWA
Die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) bekommt ein neues Zuhause – und zwar am geschichtsträchtigen Otto-Wagner-Areal. Das Otto-Wagner-Areal soll ein Ort der Wissenschaft, der Kultur, der Musik, der Bildung, des Gedenkens, des Sports und des Tourismus werden und bleibt weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich. Die MUK soll einen eigenen Campus inklusive Wohnmöglichkeiten am Otto-Wagner-Areal erhalten – mit dieser Neuigkeit ließ Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) Anfang der Woche aufhorchen.
Am Donnerstag präsentierte der Wien-Chef gemeinsam mit MUK-Direktor Andreas Mailath Pokorny, Vizedirektor Dieter Boyer und WSE-Geschäftsführer Josef Herwei die ersten Details. Der Campus soll demnach im Studienjahr 2030/31 am OWA eröffnen. „Das Otto-Wagner-Areal ist ein Lungenflügel der Stadt Wien und als Universitätscampus bestens geeignet“, betonte Ludwig. Die MUK zählt laut Pokorny zu den Exzellenzuniversitäten Wiens und bietet rund 900 Studierenden mit Unterstützung von 250 Lehrenden eine hochqualifizierte Ausbildung in Musik, Tanz und darstellender Kunst. Die bisherigen Standorte der Universität sind jedoch sanierungsbedürftig und bieten nicht mehr genug Platz. „Wir brauchen eine langfristige Lösung – das OWA bietet uns endlich den Raum, den wir brauchen“, so Pokorny.””
15 denkmalgeschützte Pavillons des Areals werden künftig für die MUK genutzt. Es soll ein moderner Campus nach amerikanischem Vorbild entstehen, der nicht nur Lernräume, sondern auch Wohnmöglichkeiten für Studierende bietet. Auf private Luxuswohnungen verzichtet man. „Unser Ziel ist es, einen offenen Ort des Austauschs zu schaffen – für Studierende, Lehrende und die Wiener Bevölkerung“, betont Boyer. Die Verträge der drei Mietobjekte, welche die MUK aktuell nutzt, und zwar in der Johannesgasse 4a, Bräunerstraße 5, und Singerstraße 26, werden rechtzeitig gekündigt, hieß es. Welche Nachmieter es dort geben wird, steht bislang nicht fest.”
Ein besonderer Fokus soll auf der Nachhaltigkeit liegen: 120 Millionen Euro wurden bereits in die Infrastruktur investiert, und weitere Projekte wie Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und dafür notwendige Tiefenbohrungen sind geplant. Auch ein elektrisch betriebener Quartierbus könnte die Erreichbarkeit verbessern. Das historische Erbe des OWA soll außerdem stärker beleuchtet werden: Das Dokumentenarchiv des Österreichischen Widerstands zieht ein, um die dunkle Vergangenheit des Ortes aufzuarbeiten.
Denkmalschutz, Wiederbegrünung und Kulturprogramm
Bei den baulichen Maßnahmen und Bohrungen musste laut der Geschäftsführung des Otto-Wagner-Areals besonders auf spezielle Bedingungen des Geländes Rücksicht genommen werden: Das Areal steht unter Denkmalschutz und umfasst neben den historischen Gebäuden auch umfangreiche Grünflächen. Das Areal zählt mit seinen mehr als 50 Pavillons zu den bedeutenden Jugendstilensembles Wiens. Bei der Neugestaltung und weiteren Entwicklung stehen auch der Erhalt der denkmalgeschützten Anlage sowie die Wahrung der Gedenkfunktion im Mittelpunkt. Seit 2023 wird das Kernareal saniert und schrittweise für neue Nutzungen in den Bereichen Bildung, Kultur, Wissenschaft, Technologie und Forschung adaptiert.

Die endgültige Begrünung der von den Bohrarbeiten betroffenen Bereiche ist erst für den Herbst geplant. Aufgrund der momentanen hohen Temperaturen und der längeren Trockenperioden seien die Bedingungen für eine nachhaltige Ansaat derzeit nicht geeignet, heißt es von der WSE Wiener Standortentwicklung. Die Umsetzung zu einem späteren Zeitpunkt bietet bessere Voraussetzungen dafür, dass die Begrünung dauerhaft und gleichmäßig anwächst und vollständig in das Landschaftsbild des Areals integriert wird.
„Der erfolgreiche Abschluss der Geothermiebohrungen ist ein starkes Signal für die nachhaltige Weiterentwicklung des Otto Wagner Areals. Hier verbinden wir den verantwortungsvollen Umgang mit einem einzigartigen historischen Standort mit innovativer und klimafreundlicher Energieversorgung. Dieses Projekt zeigt, wie zukunftsorientierte Stadtentwicklung in Wien konkret umgesetzt wird
Oliver Stribl, Direktor der Wien Holding
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