Ein ethischer Hacker hat im August 2026 unbefugt auf die zentrale Cloud-Steuerung von hunderttausenden Photovoltaik-Anlagen des Herstellers Sungrow zugegriffen. Hätte er die Anlagen europaweit abgeschaltet, drohte nach Einschätzung von IT-Experten ein massiver Stromausfall im europäischen Stromnetz.
Zugriff auf die Cloud-Steuerung von Hunderttausenden Solaranlagen
Ein sogenannter ethischer Hacker verschaffte sich ohne Passwort Zutritt zu den Nutzer-, Management- und Administrationskonten des chinesischen Wechselrichter-Herstellers Sungrow.
Dabei reichten nach Angaben der Berichte wenige Klicks aus, um die Steuerungssysteme zu öffnen. Insgesamt hätte der Angreifer 2,2 Millionen Solaranlagen weltweit und rund 250.000 Anlagen allein in Deutschland kontrollieren können, die über eine gemeinsame Cloud-Plattform vernetzt sind. Zeitweise waren über dieses System rund 18 Gigawatt Leistung erreichbar. Angesichts dieser Dimensionen betonte der als ethischer Hacker agierende IT-Experte und Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma, Marlon Starkloff, im Gespräch mit der „Zeit, dass er nicht gedacht hätte, dass es so einfach sein würde.
„Ich hätte die Wechselrichter abschalten oder auch Schadsoftware installieren können
Marlon Starkloff, IT-Experte und Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma, via T-Online
Wie die Sicherheitslücke in den Sungrow-Wechselrichtern funktionierte
Photovoltaikanlagen erzeugen Gleichstrom, den Wechselrichter in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandeln. Moderne Geräte sind permanent mit dem Internet verbunden, damit Betreiber ihre Erzeugung und ihren Verbrauch über Apps überwachen können und die Hersteller automatische Software-Updates einspielen können.
Die Daten dieser Überwachungskonten liegen in der Cloud des Herstellers. Der Sicherheitsforscher konnte sich jedoch ohne Passwort über das Internet in diese Accounts einloggen, obwohl die Systeme eigentlich geschützt sein sollten. Der Hersteller Sungrow reagierte inzwischen und schloss die Sicherheitslücke nach Angaben von der „Zeitper Hotfix. Dennoch weisen Behörden auf bestehende Regulierungslücken hin, da solche Wechselrichter bislang kaum als kritische Infrastruktur gelten.
Das Risiko für das europäische Stromnetz
Fachleute warnen, dass bereits der plötzliche und gleichzeitige Ausfall von drei Gigawatt Leistung ausreichen kann, um Blackouts im Verbundnetz auszulösen. In Deutschland summieren sich die Sungrow-Anlagen auf eine Spitzenleistung von insgesamt 7,8 Gigawatt.
Ein flächendeckender Ausfall hätte das Stromnetz massiv überlastet und einen tagelangen Stromausfall nach sich ziehen können. Ein vergleichbares Szenario ereignete sich 2025 beim großflächigen Stromausfall auf der iberischen Halbinsel, als ein plötzlicher Leistungsabfall das Übertragungsnetz zum Zusammenbruch brachte. Neben technischen Risiken sehen Experten zudem die Gefahr, dass eine Regierung wie die chinesische den Herstellern solcher in Europa verbauten Komponenten befehlen könnte, alle Anlagen abzuschalten, zu drosseln oder mit solchen Schritten zu drohen.
Weiterlesen