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Welt

Hamas ermordete deutsche Studentin Carolin Bohl im Kibbuz Nir Oz

Carolin Bohl, eine 22-jährige deutsche Studentin aus Berlin, wurde am 7. Oktober 2023 beim Hamas-Massaker im israelischen Kibbuz Nir Oz ermordet, nachdem sie ihren Aufenthalt um eine einzige Nacht verlängert hatte. Heute, drei Jahre nach dem Angriff, kämpft ihre Mutter Sonja Bohl-Dencker in Deutschland und Israel um das Erinnern.

Die letzte Nacht in Nir Oz und der verhängnisvolle Entschluss

An einem lauen Spätsommertag im 500-Seelen-Ort Otersen in Niedersachsen dringt die Sonne spärlich durch die Wolkendecke. Am 7. Oktober hat Sonja Bohl-Dencker ihre einzige Tochter verloren. Sie habe nicht mehr die Hoffnung, jemals wieder glücklich zu werden, sagt sie. Damals, am 7. Oktober 2023, befand sich ihre 22-jährige Tochter Carolin Bohl im israelischen Kibbuz Nir Oz. Die junge Frau aus Deutschland verliebte sich sofort in den friedlichen Ort am Rand der Negev-Wüste und schrieb nach Hause, der Kibbuz sei der Himmel auf Erden.

Nur wenige Tage später, am 7. Oktober 2023, verwandelte die Hamas Nir Oz in einen Ort des Grauens: Die Terroristen ermordeten Carolin Bohl und 47 weitere Bewohner des Kibbuz. An jenem Oktober beschoss die Hamas Israel mit Hunderten Raketen, und dann kamen die Terroristen in den Kibbuz. Bohl schickte ihrer Mutter noch eine Nachricht aus dem Schutzbunker: Ich liebe dich mit meinem ganzen Herzen, Mommichen. Und bin dir unendlich dankbar für alles, alles, alles. Das war die letzte Nachricht, die die Mutter von ihrer Tochter erhielt. Heute, drei Jahre danach, trifft BILD Carolins Mutter Sonja.

Hamas ermordete deutsche Studentin Carolin Bohl im Kibbuz Nir Oz
Foto: bild.de

Das Gedenken und die Einsamkeit der Hinterbliebenen

Bohl gehörte zu den rund ein Dutzend Opfern mit deutscher Staatsangehörigkeit, die die Terroristen der Hamas noch in Israel oder in der Geiselhaft in Gaza ermordet hatten. Sie war aber die einzige unter den Getöteten, die neben dem deutschen Pass keinen anderen hatte, deren Muttersprache Deutsch war, die in Deutschland geboren wurde und aufwuchs. Dafür ist es merkwürdig still um die junge Frau mit dem gewinnenden Lächeln und den langen blonden Haaren, die ihre Mutter als fröhlich und naturverbunden beschreibt.

Carolin Bohl studierte in Berlin nachhaltiges Modedesign und modelte nebenbei. Sie war das einzige Opfer des 7. Oktober, das in Deutschland geboren wurde und aufwuchs und neben dem deutschen Pass keine weitere Staatsangehörigkeit besass. Ihre Asche wurde in der Schweiz der Natur übergeben.

Carolin Bohl – Ermordet am 7. Oktober | Ihre Mutter Sonja erzählt ihre Geschichte

Jeder Tag ist ein Kampf. Wohl aber erinnert sie die rau gezimmerte Bank auf der anderen Seite der Landstrasse an ihre Tochter, die Carolins Freunde aus dem Dorf im Gedenken an sie aufgestellt haben. Sie nimmt ihren Hund an die Leine, schliesst Tür und Tor ab, schaut nach links, nach rechts, dann nochmals nach links und geht über die Landstrasse.

Nach dem Mord an ihrer Tochter hätten ihre Freunde aus dem Dorf beschlossen, eine Bank für sie zu bauen, sagt Bohl-Dencker. Eine tolle Idee, findet sie, denn ein Grab zum Gedenken gibt es ja nicht, weil wir ihre Asche in der Schweiz der Natur übergeben haben. Sie werde immer weiter über ihre Tochter reden, um die Erinnerung an die Opfer des 7. Oktober wachzuhalten, sagt Bohl-Dencker. Es ist ihre Art, mit der Trauer umzugehen. Carolin sei fröhlich und naturverbunden gewesen, sagt Sonja Bohl-Dencker über ihre Tochter.

Wut auf Demonstration und politische Gleichgültigkeit

Drei Jahre nach der Tat mischt sich in die Trauer der Mutter eine tiefe Wut auf die Mörder ihrer Tochter und deren Unterstützer. Sonja Bohl-Dencker kritisiert jene Demonstranten, die laut skandierend durch Strassen ziehen, ohne sich mit den Verbrechen der Hamas auseinanderzusetzen. Hier auf dem Land sind die Jungen im Umgang mit der Motorsäge vielleicht etwas versierter als in der Grossstadt. Gleichzeitig könnten manche Universitätsrektoren, die sich den Kampf gegen Diskriminierung auf die Fahnen schrieben, das Wort Antisemitismus nicht korrekt aussprechen.

Im Gespräch lässt Bohl-Dencker drei Wörter fallen, die erahnen lassen, wie sie mit ihrem Verlust umgeht.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.