Ukrainische Drohnen haben am 24. August erstmals die russische Region Archangelsk und den strategisch bedeutsamen Weltraumbahnhof Plessezk attackiert. Nur kurze Zeit später startete Russland von dort aus eine Sojus-Rakete mit einem militärischen Satelliten, wie Berichte und Behördenangaben belegen.
Drohnenangriff auf den Weltraumbahnhof Plessezk und der Start des Geheim-Satelliten
Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hat eine neue Dimension im Hinterland erreicht. Nach Angaben des Portals United24 Media flogen mindestens zwei ukrainische Drohnen bis in das Gebiet des Weltraumbahnhofs in der Region Archangelsk. Ausgewertete Aufnahmen aus der geschlossenen Stadt Mirny zeigen Rauch in der Nähe des Weltraumbahnhofs, während Bewohner Drohnen am Himmel über Kargopol filmten. Wegen der möglichen Gefahr verhängten Behörden vorübergehend Flugbeschränkungen auf einem nahegelegenen Flugplatz.
Unmittelbar nach dem Vorfall zeigte sich die militärische Aktivität an dem Ort vor Ort ungemindert. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass am 24. August um 5.40 Uhr Moskauer Zeit eine Sojus-2.1b-Rakete von Standort 43 abhob. Der Satellit, der unter der Sammelbezeichnung „Kosmosgeführt wird, erreichte planmäßig den Orbit, und russische Bodenstationen nahmen den Kontakt auf. Technische Angaben zu dem Raumfahrzeug blieben jedoch geheim.
Strategische Bedeutung von Plessezk für Russlands Kommunikationsnetze
Plessezk nimmt eine besondere Bedeutung in der russischen Militärinfrastruktur ein. Neben dem Start regelmäßiger Militärsatelliten dient das Areal auch für Tests interkontinentaler Raketen. Wie United24 Media berichtet, spielt der Weltraumbahnhof zudem eine wichtige Rolle beim Aufbau des Kommunikationssystems Rasswet, welches als russisches Gegenstück zu Starlink gedacht ist. Bis Ende 2027 sollen zu diesem Zweck insgesamt 292 Satelliten im All sein.
Bereits im Frühjahr hatte der Chef der Weltraumorganisation Roskosmos, Dmitri Bakanow, erklärt, ukrainische Streitkräfte hätten vor einem geplanten Satellitenstart einen Drohnenangriff auf Plessezk versucht. Damals konnte der Angriff abgewehrt werden. Ob die Drohnen bei dem jüngsten Vorfall konkret den Start stören sollten oder ein anderes Ziel hatten, bleibt unklar.
Gleichzeitige Drohnenangriffe auf russische Industriestandorte und Infrastruktur
Der Vorfall in Archangelsk reiht sich in eine Welle von Fernangriffen ein. Nach Angaben regionaler Behörden forderten ukrainische Drohnenangriffe in russischen Regionen insgesamt mindestens acht Todesopfer und trafen wirtschaftliche sowie logistische Ziele. So schlug eine Drohne in Samara in einem Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries ein. Samara-Gouverneur Vyacheslav Fedorishchev bestätigte den Vorfall und erklärte, dass ein ausgebrochener Brand bekämpft werde und es keine Verletzten gab.
Die Angriffe auf Wildberries-Einrichtungen sind Teil einer Strategie. Streitkräfte haben nach Berichten seit dem 18. Juli etwa ein Dutzend Standorte des Unternehmens attackiert, um die Abläufe des Unternehmens zu stören. Weitere Angriffe trafen die Regionen Saratow, Udmurtia, Belgorod und Bashkortostan. In der Stadt Engels im Gebiet Saratow wurden nach Angaben von Gouverneur Roman Busargin zwei Menschen bei einem Einschlag in ein Wohngebäude getötet. Das ukrainische Militär teilte ergänzend mit, dass man die Raffinerie in Saratow, den Luftwaffenstützpunkt Engels sowie ein Öllager in der Region Kaluga angegriffen habe.
Erster erfolgreicher Drohnenboot-Angriff auf ein ukrainisches Marineschiff
Parallel zu den Luftangriffen im russischen Hinterland verzeichnete das Kriegsgeschehen im Schwarzmeer-Raum eine markante Neuerung. Nach Angaben des Portals The War Zone setzte Russland erstmals erfolgreich ein unbemanntes Überwassermaschinenboot (USV) gegen ein ukrainisches Kriegsschiff ein.
Photo: aol.com
Das russische Verteidigungsministerium erklärte weiter, dass das Schiff infolge des Angriffs sank. Offizielle Stellen bestätigten den Treffer mit Einschränkungen.
„We confirm the fact of the strike on the ship, Currently, the elimination of the consequences of the attack is ongoing. The overwhelming majority of the crew is safe. The search for several sailors continues. Unfortunately, one crew member was killed, and several were wounded.“
Ukrainische Medien werteten den Vorfall ebenfalls aus. Das Portal United24 Media hob hervor, dass es sich hierbei um den ersten dokumentierten Fall handelt, in dem russische Kräfte ein Marineschiff mithilfe einer Drohne trafen. Im Vorfeld des Angriffs war am 27. August ein US-amerikanisches Aufklärungsflugzeug vom Typ P-8A Poseidon über dem westlichen Schwarzen Meer gesichtet worden, das mit einem speziellen AESA-Radar ausgestattet ist.
Bezüglich der eingesetzten russischen Technologie, wie etwa dem Modell Katran, verweisen Publikationen wie Defense Express und Izvestia auf technische Einschränkungen. Im Gegensatz zu ukrainischen Systemen, die Starlink nutzen, fehlen dem Katran Satellitenkommunikationsfähigkeiten. Er ist auf Funkkanäle angewiesen, was die Reichweite auf 100 bis 200 Kilometer limitiert und das System anfällig für elektronische Gegenmaßnahmen macht.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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