Ein Autopsiebericht zeigt, dass der 20-jährige Tyrin Johnson im Juli von Mitgliedern der Tennessee National Guard in Memphis in den Rücken geschossen wurde. Die Befunde widersprechen den polizeilichen Darstellungen, wonach sich der junge Mann bei dem Einsatz umgedreht und eine Waffe auf die Einsatzkräfte gerichtet haben soll.
Ein tödlicher Schusswaffeneinsatz der Nationalgarde in Memphis im frühen Juli wirft neue Fragen auf. Wie aus einem Autopsiebericht der West Tennessee Regional Forensic Center Office of the Medical Examiner hervorgeht, wurde der 20-jährige Tyrin Johnson von hinten getroffen. Die Veröffentlichung des Berichts durch die Familie des Getöteten steht im direkten Widerspruch zu den offiziellen Berichten von Polizei und Militär, die bisher von einer Konfrontation von Angesicht zu Angesicht sprachen.
Die Widersprüche zwischen Autopsie und Polizeibericht
Die Ereignisse ereigneten sich in den frühen Morgenstunden des 5. Juli in der Innenstadt von Memphis, unweit des Stadions AutoZone Park. Die Sicherheitskräfte waren wegen eines Notrufs über abgefeuerte Schüsse ausgerückt. Laut dem Autopsiebericht trat ein einzelnes Geschoss in die rechte Seite von Johnsons Rücken ein und verließ seinen Körper im Bereich der oberen rechten Brust.
Der Bericht weist zudem darauf hin, dass keine Schmauchspuren, Rußanhaftungen oder Messestabdrücke an der Wunde zu finden waren. Nach Einschätzung des forensischen Pathologen Dr. Steven White, der den Bericht für die Nachrichtenagentur überprüfte, deutet dies darauf hin, dass die Schussabgabe aus einer Entfernung von mehr als drei Fuß beziehungsweise etwa 0,91 Metern erfolgte. Auch der leicht ansteigende Verlauf des Projektils durch den Körper spreche dafür, dass die Person weglief.
Im Gegensatz dazu beschreibt ein interner Bericht der Nationalgarde den Vorfall anders. Demnach näherten sich zwei Gardenmitglieder dem Verdächtigen, woraufhin dieser sich umgedreht und eine tan handgun at them gerichtet habe. Beide Soldaten feuerten daraufhin ihre Dienstwaffen vom Typ M17 ab. Ein Ermittlungsbericht des Tennessee Bureau of Investigation (TBI) führte ebenfalls auf, dass der Unbekannte an seinen Hosenbund griff, eine Schusswaffe zog und sich den Einsatzkräften zuwandte.
Reaktionen der Familie und rechtliche Bewertung
Die Familie des Getöteten fordert seit dem Vorfall lückenlose Aufklärung und die Offenlegung von Videoaufnahmen. Der Großvater Evaniel Johnson, ein früherer Justizvollzugsbeamter beim Sheriff’s Office im Bezirk Davidson County, kritisierte das Vorgehen scharf. Die Versionen von Behörden und der forensische Befund passen nach Ansicht des familiären Rechtsbeistands Andre Wharton schlicht nicht zusammen.
Die offizielle Todesart wurde als Tötungsdelikt beziehungsweise homicide
eingestuft. Dies drückt aus, dass der Tod durch das Einwirken einer anderen Person verursacht wurde, stellt jedoch noch keine rechtliche Bewertung oder einen Vorwurf einer Straftat dar. Die Staatsanwaltschaft im Shelby County Office of the District Attorney erklärte, dass bisher keine Entscheidung über eine Anklageerhebung getroffen worden sei. Das TBI betonte, dass die Untersuchung weiterhin open and ongoing
laufe.
Hintergrund der Nationalgarde-Einsätze in Memphis
Die eingesetzten Soldaten gehörten zur Memphis Safe Task Force. Diese Sondereinheit geht auf eine Initiative von Präsident Donald Trump zurück, der im vergangenen Jahr Truppen und Bundesagenten in demokratisch geführte US-Städte entsandt hatte. Seitdem patrouillieren Soldaten der Nationalgarde im Stadtgebiet von Memphis und sichern Tatorte ab.

Zuvor war bekannt geworden, dass die beiden in den Vorfall verwickelten Gardenmitglieder zum Zeitpunkt des Vorfalls 19 beziehungsweise 20 Jahre alt waren und damit das für die Memphis Police Department geltende Mindestalter von 21 Jahren für den Abschluss der Polizeiakademie nicht erreicht hätten.
Ein toxikologischer Bericht ergab bei Tyrin Johnson keine Hinweise auf Drogen oder Alkohol im System. Laut den von Medien eingesehenen Unterlagen befand sich in den persönlichen Gegenständen des Getöteten lediglich ein handgun magazine with rounds
, während eine Handfeuerwaffe in dem Autopsiebericht nicht aufgeführt ist.