Henri Kagan und Kenso Soai haben am 7. Oktober 2026 den Nobelpreis für Chemie für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur asymmetrischen organischen Synthese erhalten. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften zeichnete die Forscher für die Entdeckung nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse aus.
Die Lösung eines jahrzehntelangen Chemierätsels in Stockholm
Die Verleihung des renommierten Chemie-Nobelpreises würdigt in diesem Jahr eine fundamentale Entdeckung zur Entstehung der molekularen Händigkeit, der sogenannten Homochiralität. Viele lebenswichtige Moleküle existieren in zwei Varianten, die wie linke und rechte Hände exakte Spiegelbilder voneinander sind, jedoch nicht zur Deckung gebracht werden können.
Während lebende Organismen fast ausschließlich eine dieser Formen nutzen, stellte die spontane Entstehung dieser Asymmetrie die Wissenschaft seit mehr als hundert Jahren vor ein Rätsel. Henri B. Kagan und Kenso Soai präsentierten hierfür nun die entscheidenden Mechanismen.
The chemical reactions they have developed are spectacular.

Der in Frankreich geborene Henri Kagan ist mit der Université Paris-Sud in Orsay verbunden, während der 95-jährige Kenso Soai an der Tokyo University of Science in Japan forscht. Der nach letzterem benannte chemische Versuch ist in der Fachwelt als Soai-Reaktion bekannt geworden. Die Bekanntgabe durch die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften markierte dabei auch eine historische Neuerung: Erstmals in der Geschichte der Stiftung wurden die Namen der Preisträger in den Kategorien Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften von einer Frau verkündet. Die gebürtige Belgierin Ellen Moons trat zu Jahresbeginn 2026 ihr Amt als neue Generalsekretärin der Akademie an und ist damit die erste Frau auf diesem Posten seit der Gründung im Jahr 1739.
Bedeutung für die moderne Pharmaindustrie und Wirkstoffentwicklung
Die Grundlagenforschung der beiden Preisträger hat direkte Anwendungen in der modernen Medizin. In der pharmazeutischen Industrie besitzen Wirkstoffe oft zwei spiegelbildliche Versionen, von denen lediglich eine die gewünschte therapeutische Wirkung entfaltet, während die andere unvorhergesehene oder sogar schädliche Nebenwirkungen verursachen kann.
Durch die Arbeiten zur asymmetrischen Synthese gelang es den Wissenschaftlern, chemische Reaktionen gezielt so zu steuern, dass sie ausschließlich ein einzelnes molekulares Spiegelbild bevorzugen. Peter Somfai, ein Mitglied des Nobelkomitees, hob hervor, dass die Forscher zeigen konnten, wie das Verhältnis einer chiralen Form erhöht oder ein solches Spiegelbild unter Einsatz von Autokatalyse gleichsam aus dem Nichts erzeugt werden kann.
Peter Somfai erklärte: „Es ist schwer zu sagen, dass dieses oder jenes Medikament mithilfe hiervon entwickelt wurde. Ich würde sagen, alle von ihnen, da wir dies als Werkzeug nutzen.
In der langen Geschichte des Preises, der seit 1901 mit einigen kriegsbedingten Unterbrechungen vergeben wird, gab es insgesamt 198 Laureaten in 117 Verleihungen. Unter den historischen Preisträgern ragt insbesondere Marie Curie heraus, die als erste Frau überhaupt und als erster Mensch gleich zwei Nobelpreise erhielt. In den Vorjahren wurden unter anderem die Entwickler von Genscheren wie Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna sowie im vergangenen Jahr drei Wissenschaftler für metallorganische Frameworks ausgezeichnet.

Reaktionen der Preisträger und dotierter Preis im Jubiläumsjahr
Kenso Soai erfuhr von der Auszeichnung überraschend beim Einkauf. Gegenüber dem Nobelkomitee äußerte sich der 95-jährige Forscher von der Tokyo University of Science überglücklich über die Ehrung gemeinsam mit seinem französischen Kollegen, der an der Université Paris-Sud forscht.
Kenso Soai sagte: „Dies ist einer der aufregendsten Tage meines Lebens. Ich bin sehr froh, den Preis mit Professor Henri Kagan zu teilen.
Die feierliche Übergabe der Medaillen durch König Carl XVI.
Die Bekanntgabewoche der Nobelpreise startete am Montag mit der Medizin, deren Auszeichnung an Peter Hegemann, Georg Nagel und Karl Deisseroth für Entdeckungen in der Optogenetik ging. Am Dienstag folgte der Physik-Nobelpreis für den Teilchenphysiker Francis Halzen, während nach dem Chemiepreis in den kommenden Tagen noch die Bekanntgaben für Literatur, den Friedenspreis in Oslo sowie zum Abschluss am Montag der von der schwedischen Reichsbank gestiftete Wirtschaftsnobelpreis anstehen.
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