Zwei neue Untersuchungen von indischen Forschern belegen, dass der Himalaya-Monal durch wachsende touristische Aktivitäten und zunehmenden Lärm in seinem Verhalten stark beeinträchtigt wird. Der farbenprächtige Fasan ist gezwungen, seine Rufe in Frequenz und Dauer anzupassen sowie in höhere Berglagen auszuweichen.
Wenn Wanderer und Pilger heute durch die Täler des Himalaya ziehen, prägen Motorengeräusche, Hupen und Menschenmengen zunehmend die Geräuschkulisse. Forschungen aus dem Uttarakhand-Gebiet zeigen, dass der Lärm und der Verlust von intakten Naturräumen das Kommunikations- und Wanderungsverhalten des Vogels messbar verändern.
Monal passt Rufe an den Lärm an
Für eine der beiden Studien untersuchten Wissenschaftler wie Dr. Rajeev Lochan, Dinesh Kumar Sharma und Anand Kumar von der Hemvati Nandan Bahuguna Garhwal University das Verhalten des Monals in zwei Tälern des Kedarnath Musk Deer Sanctuary. Während das Madmaheshwar-Tal weitgehend ruhig bleibt und über keine Straßen verfügt, ist das Chopta-Tal ein stark frequentierter Touristenknotenpunkt mit dichtem Verkehr. Die Auswertung der im Fachjournal Behavioural Processes veröffentlichten Ergebnisse ergab, dass Tiere in lärmbelasteten Gebieten ihre Rufe mit signifikant höheren Spitzenfrequenzen ausstoßen.

Um den tieffrequenten Verkehrslärm zu durchdringen, verkürzten die Monale zudem die Dauer ihrer Laute in dem lauten Tal. Dr. Rajeev Lochan, der die Forschungen leitete, betonte, dass es sich dabei nicht um eine evolutionäre Mutation handelt.
„Das bedeutet nicht, dass die Art eine permanente oder evolutionäre Veränderung ihrer Stimmfrequenz erfahren hat; vielmehr legen unsere Ergebnisse eine verhaltensbedingte Flexibilität als Reaktion auf unterschiedliche akustische Umgebungen nahe.“
Dr. Rajeev Lochan, Leiter der Studie
Tourismus und Klima verengen den Lebensraum
Die zweite Untersuchung widmet sich den räumlichen Ausweichbewegungen des Vogels, der als Leitart für die Gesundheit des nordwestlichen Himalaya gilt. Da der Monal saisonal zwischen den unteren Berghängen und den hochgelegenen alpinen Zonen wandert, spiegelt sein Zustand den Druck auf das gesamte Ökosystem wider.
Durch den Tourismus und den Ausbau der Infrastruktur im vergangenen Jahrzehnt geraten die alpinen Wiesen stark unter Druck. Zudem treibt der Klimawandel die Tiere weiter nach oben, da schmelzender Schnee und wachsender Pflanzenwuchs neue Areale freigeben. Die Forscher modellierten die Habitatentwicklung über die Bundesstaaten Uttarakhand und Himachal Pradesh hinweg unter Verwendung von Klimaszenarien, die auch vom UN-Klimarat IPCC genutzt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wanderungen der Vögel zunehmend in fragmentierte und voneinander getrennte Regionen führen könnten, was die Fortpflanzung erschwert.
Ökosystem gerät unter Druck
Experten werten die Verhaltensänderungen des Monals als Alarmsignal für die gesamte Region. Die wirtschaftliche Entwicklung des Himalaya-Raums stehe nicht im Einklang mit dessen ökologischer Integrität, so Vishal Singh weiter. Die Wissenschaftler betonen, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um die genauen ökologischen Langzeitfolgen vollständig zu bewerten.
„Diese beiden Studien sind eine wichtige Warnung für andere, anfälligere Arten – wenn der Glanzfasan gezwungen ist, sowohl seine Stimme als auch seinen Aufenthaltsort zu verändern, wie reagieren dann erst empfindlichere Arten?“
Vishal Singh, Umweltschützer
„Wenn eine Art ihre Tonlage erhöhen muss, um über den Touristenlärm hinweg gehört zu werden, oder höher hinaufsteigt, weil die Almwiesen überfüllt sind, zeigt das, wie der menschliche Druck die Spielregeln des Lebens im Himalaya neu schreibt.“
Anjal Prakash, FLAME University
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