Die Ölpreise haben ihren starken Kursanstieg fortgesetzt und sind an den Märkten um mehr als 3 Prozent geklettert, nachdem neue Angriffe auf die saudische Energieinfrastruktur und Schiffe im Nahen Osten die Sorgen vor weltweiten Versorgungsausfällen verschärft haben. Gemäß Berichten von Reuters kletterten die Brent-Rohöl-Futures um 3,43 US-Dollar beziehungsweise 3,3 Prozent auf 108,04 US-Dollar je Barrel. WTI-Futures legten um 3,49 US-Dollar oder 3,5 Prozent auf 103,54 US-Dollar je Barrel zu. Bereits in der Vorwogenwoche hatten Angriffe im Nahen Osten zu einem Preissprung von rund 9 Prozent geführt, wodurch Brent erstmals seit Juli wieder die Marke von 108 US-Dollar überstieg.
Ölpreise steigen nach neuen Angriffen im Nahen Osten stark an
Die jüngsten Preissteigerungen belasten auch die globalen Anleihenmärkte, da steigende Energiekosten die Inflation und höhere Zinssätze antreiben. Laut The Independent verzeichneten globale Aktienmärkte am Montag Rückgänge, bedingt durch sinkende Technologiekurse und steigende Rohölpreise im Vorfeld erwarteter Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten und Japan.
Pipeline-Abschaltung und Vorfälle an strategischen Seewegen
Die Situation in der Region bleibt nach einer Reihe von Zwischenfällen äußerst angespannt. Die saudi-arabische East-West-Pipeline, die zwischen Abqaiq und Yanbu verläuft und den Transport von bis zu 7 Millionen Barrel Rohöl täglich ermöglichen kann, wurde nach Angaben saudi-arabischer Offizieller infolge eines Drohnenangriffs vorübergehend abgeschaltet. Die Pipeline hilft dem Land normalerweise dabei, die Straße von Hormus zu umgehen. Mit dem Stillstand droht der Ausfall von bis zu 4 Prozent der globalen Ölversorgung, während die Lagerbestände am Rotmeer-Hafen Yanbu nach Angaben von Branchenquellen lediglich für fünf bis sieben Tage ausreichen.

Zusätzlich zu den Pipeline-Problemen kam es auf See zu schweren Zwischenfällen. Nach Angaben der britischen Seenotsicherheitsbehörde UKMTO wurde ein Schiff in der Straße von Hormus am Sonntag von einem Projektil getroffen, was einen Brand auslöste und die Besatzung zur Evakuierung zwang. Iran meldete zudem einen Vorfall vor seiner Küste, bei dem ein Besatzungsmitglied eines iranischen Handelsschiffs getötet und vier weitere verletzt wurden. Nach Angaben von Blockonomi zeigte das saudi-arabische Staatsfernsehen zudem Aufnahmen von Schäden an Häusern und einer Moschee in der südlichen Provinz Jazan nach Angriffen, die den Houthi-Kräften zugeschrieben wurden.
Auswirkungen auf Diplomatie und globale Märkte
Die diplomatischen Bemühungen zur Entspannung der Lage erhielten derweil einen Dämpfer. Omani-Außenminister Badr Albusaidi gab bekannt, dass ein für Montag in Oman geplantes Treffen zwischen Golfstaaten und Iran zur Erörterung der Situation in der Straße von Hormus verschoben wurde. Als Grund wurde die Notwendigkeit eines Konsenses nach dem Pipeline-Angriff genannt; ein neuer Termin wurde zunächst nicht festgelegt.

Analysten beobachten die Entwicklungen mit großer Sorge. PVM-Analyst John Evans erklärte, angesichts von Raffinerieausfällen und sinkenden Lagerbeständen frage sich die Branche, wo ein Schutz gegen 120 US-Dollar teures Brent-Öl zu finden sei. An den Finanzmärkten preisen Investoren derweil die Wahrscheinlichkeit ein, dass anhaltende Versorgungsstörungen die Zentralbanken zu rascheren Zinsschritten zwingen könnten, um den Inflationsdruck einzudämmen.
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