Zum Inhalt springen
Welt

Wahl in Brasilien: Bolsonaro-Sohn geht gegen Lula in die Stichwahl

Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen verfehlen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und Herausforderer Flávio Bolsonaro die absolute Mehrheit bei der Präsidentenwahl in Brasilien. Beide Kandidaten treten am 25. Oktober in einer Stichwahl an, während das Land vor einer richtungsweisenden Entscheidung steht.

Stichwahl zwischen Lula da Silva und Flávio Bolsonaro

Die Präsidentenwahl in Brasilien steuert auf eine Stichwahl zu. Es sind die siebten Präsidentschaftswahlen, an denen der 80-jährige Lula seit seinem ersten Antritt im Jahr 1989 teilnimmt.

Weil kein Bewerber die erforderliche absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen erreichte, kommt es am 25. Oktober zu einem entscheidenden zweiten Wahlgang. Knapp 160 Millionen Menschen waren im bevölkerungsreichsten lateinamerikanischen Land zu den Urnen gerufen worden. Dabei wurden neben dem Präsidenten und seinem Vizepräsidenten auch alle 513 Abgeordneten des Unterhauses sowie zwei Drittel des Senats bestimmt.

Brazil Election Results 2026 LIVE | Lula vs Flávio Bolsonaro | Minute-by-Minute LIVE Updates

In den frühen Teilauszählungen hatte Bolsonaro zunächst vorn gelegen. Beobachter führten dies darauf zurück, dass die ihm tendenziell zugeneigten Südstaaten ihre Ergebnisse schneller meldeten, wohingegen die Stimmen aus Lulas Hochburg im Nordosten langsamer ausgezählt wurden. In den letzten Umfragen vor der Wahl hatten die beiden Hauptkonkurrenten noch eng beieinander gelegen.

Das politische Erbe der Familie Bolsonaro und Lulas vierte Amtszeit

Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT strebt eine vierte Amtszeit an. Er regierte das Land bereits von 2003 bis 2011. Seine aktuelle Bilanz bewerten Beobachter als gemischt: Zwar sank die Arbeitslosigkeit, der Mindestlohn wurde angehoben und die Abholzung im Amazonasgebiet ging zurück, doch gleichzeitig belasten steigende Lebenshaltungskosten, hohe Staatsausgaben, Verschuldung und Korruptionsaffären die Regierung. Zudem hat die Arbeiterpartei PT bisher keine überzeugende Antwort auf den Wunsch vieler Wähler nach Wohlstand und gesellschaftlicher Anerkennung gefunden.

Wahl in Brasilien: Bolsonaro-Sohn geht gegen Lula in die Stichwahl
Foto: zeit.de

Herausforderer Flávio Bolsonaro ist der 45-jährige Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Aus Sicht der Familie und ihrer Unterstützer ist er ein politischer Gefangener. Sein Sohn, seit 2019 Senator, trat im Wahlkampf unter anderem mit dem Versprechen an, eine Amnestie für seinen Vater zu erreichen. Er wurde rasch zum führenden Kandidaten des rechten Lagers und zog auch Wähler an, die sich vor allem durch die Ablehnung von Lula und der PT definieren.

Während Lula für Sozialprogramme, öffentliche Investitionen und eine stärkere Rolle des Staates steht, verspricht der Kandidat der Liberalen Partei PL einen schlankeren Staat, Ausgabenkürzungen und ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität.

Präsidentenwahl in Brasilien #tagesschau #nachrichten #news #präsident #bolsonaro #lula

Sicherheitslage, Justiz und internationale Einflüsse

Der Wahlkampf war von einer starken Polarisierung und Streitigkeiten über das Oberste Gericht (STF) geprägt. Im Fokus stand dabei unter anderem der Fall des früheren Eigentümers der Banco Master, Daniel Vorcaro, gegen den die Bundespolizei wegen Korruptionsvorwürfen und Finanzdelikten ermittelt. Dabei wurden auch Verträge zwischen der Bank und der Anwaltskanzlei der Ehefrau von STF-Richter Alexandre de Moraes bekannt. Moraes wies Vorwürfe des Fehlverhaltens in diesem Zusammenhang zurück.

Ein zentrales Thema bleibt die Sicherheit.

Wahl in Brasilien: Bolsonaro-Sohn geht gegen Lula in die Stichwahl
Foto: Spiegel

Auch die Außenpolitik spielt eine entscheidende Rolle. Jair Bolsonaro war ein enger Verbündeter von Donald Trump. Die politische Landschaft Lateinamerikas hat sich seit der Rückkehr Trumps ins Weiße Haus verändert, wobei rechte Kandidaten zuletzt in Ländern wie Kolumbien, Chile und Bolivien Erfolge verzeichneten. Ein Sieg Lulas würde Brasilien neben Mexiko als große linke Bastion in der Region erhalten, während ein Erfolg Flávio Bolsonaros den Rechtsruck weiter vorantreiben und Brasilien stärker an Washington und konservative Regierungen binden würde.

Der Präsident des obersten Wahlgerichts TSE, Nunes Marques, erklärte bei einer Pressekonferenz, dass Geheimdienstberichte bislang keine konkreten Hinweise auf eine ausländische Einflussnahme auf die Abstimmung ergeben hätten.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.