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Präsidentschaftswahl in Brasilien: Erste Runde hat begonnen

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und der rechte Senator Flávio Bolsonaro gingen am Sonntag in eine richtungsweisende und stark polarisierte Präsidentschaftswahl. Umfragen zeigten die beiden Spitzenkandidaten kurz vor der Abstimmung Kopf an Kopf, wobei eine wahrscheinliche Stichwahl am 25. Oktober angesetzt ist.

Die Wahl in Lateinamerikas bevölkerungsreichstem Land markiert eine entscheidende Wegmarke für die gesamte Region. Der 80-jährige amtierende Präsident Luiz Inácio Lula da Silva strebt eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit an, nachdem er das Land bereits von 2003 bis 2010 regiert hatte und 2023 nach einer annullierten Verurteilung und einer politischen Rückkehr ins Amt zurückgekehrt war. Sein Hauptkonkurrent ist der 45-jährige Senator Flavio Bolsonaro, der als Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro das Erbe der brasilianischen Rechten vertritt.

Der Wahlsonntag umfasst neben dem Präsidentenamt auch die Wahl aller 513 Abgeordneten des Bundesparlaments, 54 der insgesamt 81 Senatoren, 27 Gouverneure sowie regionaler Parlamente. Rund 160 Millionen registrierte Wählerinnen und Wähler sind in dem südamerikanischen Land aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Erste Runde hat begonnen
Foto: The Guardian

Umfragen und Stimmabgabe im bevölkerungsreichsten Bundesstaat São Paulo

Am Vortag der Wahl konzentrierten die beiden führenden Lager ihren Endspurt auf São Paulo. Der Bundesstaat zählt 46 Millionen Einwohner und ein jährliches Bruttoinlandsprodukt von 3,4 Billionen brasilianischen Reais, was umgerechnet rund $650 Milliarden entspricht. Rund 34 Millionen Wählerinnen und Wähler sind dort zur Stimmabgabe aufgerufen. Während der Amtsinhaber seine traditionelle Kundgebung an der zentralen Avenue des Bundesstaates abhielt, bereiste sein Herausforderer die Städte Santa Barbara d’Oeste und Americana im dortigen Landesinneren.

Eine am Samstag veröffentlichte Serie von Meinungsforschungsinstituten zeichnete ein Bild eines engen Rennens zwischen dem linken Amtsinhaber und dem als „Bolsonaro 2.0“ auftretenden Senator. Laut der CNT/MDA-Erhebung, die vom 30. September bis zum 2. Oktober unter 2.007 Befragten durchgeführt wurde, lag Lula bei den gültigen Stimmen bei 47,8 Prozent gegenüber 42,1 Prozent für Bolsonaro; im potenziellen Stichduell sahen die Daten Lula bei 47,3 Prozent und Bolsonaro bei 43,1 Prozent. Das Institut Datafolha ermittelte in einer Befragung von 4.006 Personen vom 2. bis 3. Oktober 45 Prozent für den Amtsinhaber und 42 Prozent für den Herausforderer, während die Stichprobe für eine Stichwahl ein enges Resultat von 47 zu 46 Prozent anzeigte. Quaest verzeichnete in einer Umfrage unter 3.702 Befragten 46 Prozent für Lula und 45 Prozent für Bolsonaro, wobei in der Stichwahl der Herausforderer mit 44 zu 42 Prozent vorne lag. AtlasIntel/Bloomberg maß bei 4.945 Befragten 47 Prozent für Lula und 44,1 Prozent für Bolsonaro, während das anvisierte Duell mit 47,6 zu 47,4 Prozent nahezu paritätisch ausfiel.”

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Wirtschaftliche Aussichten und Reaktionen der Finanzmärkte

An der Wall Street wird das Wahlergebnis mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da die wirtschaftspolitischen Ausrichtungen der Kandidaten stark divergieren. Fernando Marengo, Chefökonom bei Black Toro Global Investments, fasste die Situation mit den Worten zusammen: Das Brasilien-Geschäft lautet: Gewinnt Lula oder gewinnt Bolsonaro?

Fernando Marengo von Black Toro Global Investments erklärte: „Das Brasilien-Geschäft lautet: Gewinnt Lula oder gewinnt Bolsonaro?

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Erste Runde hat begonnen
Foto: Aljazeera

Finanzmärkte bevorzugen nach Einschätzung von Analysten einen Sieg Bolsonaros wegen dessen Versprechen zu strengerer Fiskaldisziplin. JPMorgan hob hervor, dass unter einer reformorientierten Regierung erhebliche Einsparungen und Marktgewinne möglich seien, während die Kursentwicklung an der Börse zuletzt sensibel auf die Umfragewerte des Herausforderers reagiert hatte.

Internationale Spannungen und der Einfluss aus Washington

Der Wahlkampf war zudem von außenpolitischen Reibungen mit den Vereinigten Staaten geprägt. US-Präsident Donald Trump erklärte vor der Abstimmung, er verfolge die Wahl in Brasilien sehr genau, ohne jedoch eine offizielle Wahlempfehlung auszusprechen. Die US-Regierung hatte zuvor im Jahr 2025 Zölle auf brasilianische Importe verhängt, was Beobachter in den Kontext der juristischen Auseinandersetzungen um den früheren Präsidenten Jair Bolsonaro stellten.

Lula oder Bolsonaro: „Es ist ein eindeutiges Kopf-an-Kopf-Rennen“ – ARD-Korrespondentin in Brasilien

Lula warf der US-Regierung daraufhin Einmischung in die inneren Angelegenheiten Brasiliens vor und stilisierte den Urnengang zu einem Test der nationalen Souveränität. Während Lula multilateral ausgerichtet ist und auf sozialpolitische Programme wie Bolsa Família verweist, hat Flávio Bolsonaro angekündigt, die Beziehungen zu Washington zu stärken, während Kritiker aus dem Lager des Amtsinhabers vor einer außenpolitischen Abhängigkeit warnen.

Weitere Themen, die die politischen Lager spalten, sind die künftige Umwelt- und Klimapolitik, der Umgang mit den strategischen Rohstoffreserven des Landes sowie die Ratifizierung des Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur-Staatenblock. Während frühere EU-Handelsverhandler und grüne EU-Parlamentarier betonen, dass eine Wiederwahl Lulas für die Umsetzung des Abkommens und den Schutz des Amazonas-Regenwaldes von Bedeutung sei, warnen Kritiker vor den wirtschaftlichen Herausforderungen im Inland.

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Erste Runde hat begonnen
Foto: Politico

Mit Blick auf den Ausgang des ersten Wahlgangs erklärten sowohl Lula als auch Flávio Bolsonaro, sie seien zuversichtlich, bereits am Sonntag die erforderliche Mehrheit zu erreichen. Angesichts der jüngsten demoskopischen Daten gilt eine Entscheidung jedoch erst im Rahmen einer für den 25. Oktober angesetzten Stichwahl als wahrscheinlich.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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