Der mutmassliche Hauptverdächtige im berüchtigten «Putney Pusher»-Fall in London ist tot. Nicholas Brandram, ein 44-jähriger ehemaliger Banker, wurde am Dienstagabend leblos in einem Haus im westlichen Londoner Stadtteil Chiswick aufgefunden (gemäss Berichten von L’Essentiel). Die Metropolitan Police teilte mit, dass Polizeibeamte und der Rettungsdienst gegen 19.12 Uhr zu der Adresse gerufen worden waren, nachdem ein Mann leblos in einer Immobilie entdeckt worden war. Der 44-Jährige wurde noch am Ort für tot erklärt.
Der Fall des «Putney Pusher» und der Tod von Nicholas Brandram
Die Behörden behandeln den Todesfall als unerwartet, gehen nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen jedoch nicht von verdächtigen Umständen aus (laut Angaben von 20 Minuten). Die Angehörigen des Verstorbenen wurden informiert, und die Polizei wird zu gegebener Zeit einen Bericht für den zuständigen Coroner vorbereiten.
Hintergrund zum Vorfall auf der Putney Bridge im Jahr 2017
Die Ermittlungen standen im Zusammenhang mit einem Vorfall, der sich am 5. Mai 2017 während der morgendlichen Rushhour auf der Putney Bridge ereignete. Damals wurde eine damals 33-jährige Fussgängerin von einem Jogger unvermittelt auf die Fahrbahn gestossen. In diesem Moment näherte sich ein Doppeldeckerbus der Linie 430, der mit rund zwölf Meilen pro Stunde unterwegs war. Dank der schnellen und Entschlossenheit des Busfahrers Oliver Salbris, der sofort auswich, wurde die Frau in letzter Sekunde verfehlt. Sie erlitt glücklicherweise nur leichte Verletzungen.
Besonders bizarr war das Verhalten des Joggers nach der Tat: Rund 15 Minuten später lief er über die Brücke zurück und passierte das Opfer erneut, während dieses noch von Passanten betreut wurde. Auf die Aufforderung stehen zu bleiben, reagierte er nicht und setzte seinen Weg fort. Die Polizei prüfte damals im Rahmen einer jahrelangen Fahndung mehr als 50 Männer und nahm drei Personen fest, schloss die Untersuchung im Jahr 2018 jedoch zunächst mangels Anklageerhebung ab.
Festnahme im Juni und weiterer Hintergrund des Verdächtigen
Im Juni dieses Jahres nahmen die Ermittler den Fall wieder auf und verhafteten Nicholas Brandram am 15. Juni wegen des Verdachts der versuchten schweren Körperverletzung. Die Metropolitan Police bezeichnete diesen Schritt als bedeutende neue Spur in dem langjährigen Fall. Kurz vor seinem Tod wurde bekannt, dass der 44-Jährige nicht mehr gegen Auflagen freigelassen war, sondern im Status under investigation
geführt wurde. Zu einer formellen Anklage im Bus-Fall kam es bis zu seinem Tod nicht.

Während seiner Festnahme im Juni geriet Brandram zudem wegen des Verdachts auf Besitz von Drogen ins Visier der Behörden, nachdem bei einer Durchsuchung seines Hauses entsprechende Substanzen sichergestellt worden waren. Berichten zufolge handelte es sich dabei um Betäubungsmittel der Klassen A und B. Auch in dieser Hinsicht war bis zu seinem Tod keine Anklage erhoben worden.

Brandram war beruflich als Relationship Manager für vermögende Kunden bei der HSBC Private Bank tätig gewesen. Zuvor diente er als Captain in der britischen Armee und war unter anderem in im Irak, in Bosnien und in Afghanistan im Einsatz. Im Jahr 2012 wurde er mit der Queen Elizabeth II Diamond Jubilee Medal ausgezeichnet. Zudem stammte er aus einer Familie mit Verbindungen zum europäischen Hochadel: Seine Grossmutter war Prinzessin Katherine von Griechenland und Dänemark, eine Urenkelin von Königin Victoria. Ob Brandram tatsächlich der Täter von der Putney Bridge war, bleibt infolge seines Todes ungeklärt.