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Welt

Nepal und Tibet: Gletschereinbruch löst verheerende Sturzfluten aus

Verheerende Sturzfluten im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet haben nach dem Abbruch eines Himalaya-Gletschers am Mittwoch zu schweren Zerstörungen und Opfern geführt. Mindestens 270 Menschen wurden bislang tot geborgen, während in den betroffenen Regionen Tausende Rettungskräfte im Einsatz sind und hunderte Personen weiterhin vermisst werden.

Eine schwere Naturkatastrophe hat am Mittwochmorgen das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet erschüttert. Um 8.37 Uhr brach ein massiver Teil eines Gletschers im Langtang-Nationalpark im Himalaya ab und stürzte in ein Tal etwa 60km nördlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Das Ereignis setzte eine so enorme Wucht frei, dass Seismographen zunächst einen Erdbebenschock verzeichneten. Die US-Erdbebenwarte USGS ermittelte schließlich eine Magnitude von 5.2, ausgelöst durch den Sturz von Fels und Eis.

Die Kollision und der nachfolgende Wasserausbruch entfesselten eine gewaltige Lawine aus Schlamm, Gestein und Wasser. Die Fluten bahnten sich ihren Weg über die Flüsse Lhende Khola, Bhotekoshi und Trishuli. Nach Angaben von Rettungskräften und Behörden wurden entlang dieser Flusstäler ganze Ortschaften und Siedlungen buchstäblich von der Landkarte getilgt.

Opferzahlen und Tausende Helfer im Einsatz

Die Bergungsarbeiten im unwegsamen und zerstörten Katastrophengebiet gestalten sich äußerst komplex. In Nepal wurden 270 Tote geborgen, wie aus Angaben der nepalesischen Polizei hervorgeht. Viele dieser Leichen wurden flussabwärts nahe der indischen Grenze entdeckt, was zeigt, welche Wegstrecken die Wassermassen gerissen hatten. Rund 240 Menschen konnten lebend gerettet werden, von denen etwa 30 mit Verletzungen in Krankenhäusern behandelt werden.

Parallel dazu läuft ein Großeinsatz. Mehr als 5.000 Einsatzkräfte von Armee und Polizei sind in den Krisenregionen im Einsatz. Auch internationale Hilfe ist angelaufen, und die Europäische Union hat ihren Satellitendienst Copernicus aktiviert, um die betroffenen Areale zu kartieren. Chinas Staatsmedien meldeten bislang drei Todesopfer in dem betroffenen Bezirk der Region Tibet, die von der Volksrepublik in den Jahren 1950 und 1951 annektiert worden war.

Hunderte Vermisste und betroffene Touristen aus aller Welt

Die Zahl der Vermissten ist dramatisch angestiegen. Auf der tibetischen Seite verdoppelte sich die offizielle Zahl auf 558 Personen, nachdem chinesische Behörden am Vorabend noch 265 Vermisste gemeldet hatten. Auch internationale Rettungskräfte verstärken den Einsatz: Weitere 111 Feuerwehrleute erreichten den Flughafen im südwesttibetischen Tingri, um ins Katastrophengebiet vorzustoßen.

Unter den Vermissten befinden sich nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde und des Tourismusministeriums zahlreiche Reisende. Insgesamt werden mindestens 590 Touristen vermisst, darunter 476 Ausländer. Staatsmedien in China bezifferten den Anteil ausländischer Vermisster in Tibet auf rund 260 Personen.

  • Über 170 indische Staatsangehörige
  • Rund 60 Personen aus den USA
  • Etwa 50 aus der Ukraine
  • 34 aus Australien
  • 33 aus Großbritannien
  • 25 aus Kanada
  • Weitere Personen aus Deutschland, Singapur, Südafrika und diversen anderen Ländern

Augenzeugenberichte aus den zerstörten Tälern Nepals

Die zerstörerische Kraft der Schlamm- und Wassermassen traf Dörfer und Städte völlig unvorbereitet. Am Gyirong-Grenzübergang zwischen Nepal und Tibet zeigten Videoaufnahmen Menschen auf der Flucht, während Trümmer Gebäude dem Erdboden gleichmachten und Busse wegspülten.

Nepal und Tibet: Gletschereinbruch löst verheerende Sturzfluten aus
Photo: orf.at

„As it got closer, it kept rising higher and higher. When I saw it enter our home, I tried to grab my wife’s hand and take her to the terrace. But she was swept away by the mud. Four or five hours later, a helicopter came to rescue me. My wife is still somewhere beneath the mud. She’s gone.“

Keshav Prasad Baral, survivor

„I started running. Then a wall of water came thundering down as if it was an earthquake,“

Bibek Kumal, Nepali labourer

Der Strom riss ihn mit sich, doch er sagte, dass er glücklicherweise in einem Mangobaum feststeckte, wie er von seinem Krankenbett im nationalen Traumazentrum in Kathmandu berichtete. Er fügte hinzu, dass er ohne diesen Baum vermutlich gestorben wäre.

Geowissenschaftliche Einordnung und Logistikprobleme

Experten vergleichen die Dynamik solcher Fluten mit extremen Naturereignissen. Schlamm und Wasser bewegen sich mit solchen Geschwindigkeiten und bilden eine tödliche Kombination

“like liquid concrete”

30 Canadians missing in deadly Nepal-Tibet flash floods

Hatim Sharif, hydrologist at the University of Texas, San Antonio

, der man nicht mehr entkommen kann. Dave Petley, Erdwissenschaftler an der Nottingham Trent University, charakterisierte die Dimension des Ereignisses als nahezu

“apocalyptic”

Dave Petley, earth scientist with Nottingham Trent University

.

Die Rettungskräfte kämpfen derweil gegen massive logistische Hürden. In den nepalesischen Bergorten Syapru Besi und Timure im Distrikt Rasuwa, die eine Bevölkerung von rund 50.000 Menschen zählen, konnten Rettungshubschrauber wegen der Beschädigungen an der Infrastruktur und des massiv erhöhten Wasserstandes zeitweise nicht landen.

Der Vorfall wirft auch ein Licht auf wiederkehrende Risiken in der Region. Bereits im Juli 2025 hatte sich am Oberlauf des Lhende-Flusses in Tibet ein Gletschersee plötzlich in den Bhotekoshi ergossen, was damals ebenfalls zu Todesfällen und zerstörten Brücken geführt hatte.

Nepal-Tibet deadly flash flood severely damages villages
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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