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Gesundheit

Kardiologische Gesellschaften aktualisieren Definition des Herzinfarkts

Vier führende kardiologische Gesellschaften haben die Fünfte Universelle Definition des Herzinfarkts vorgestellt. Die aktualisierte Klassifikation soll die Diagnose bei Patientinnen verbessern, während Fachleute zudem auf die oft übersehene Schaufensterkrankheit PAD als Herzinfarkt-Risiko hinweisen.

Die neue universelle Definition des Herzinfarkts und die Folgen für Frauen

Vier große kardiologische Gesellschaften – darunter die American Heart Association, die Europäische Gesellschaft für Kardiologie, das American College of Cardiology und die World Heart Federation – haben im August ein aktualisiertes Dokument zur Definition des Herzinfarkts veröffentlicht. Das Dokument mit dem Titel Fifth Universal Definition of Myocardial Infarction führt eine klarere Kategorisierung ein. Herzinfarkte werden demnach in drei Ursachen unterteilt: primäre Infarkte durch akute Probleme in den Blutgefäßen des Herzens, sekundäre Infarkte bei Sauerstoffmangel durch andere schwere Erkrankungen sowie Komplikationen nach kardiologischen Eingriffen (erklärt Dr. Patricia Rodriguez-Lozano von UVA Health).

Für Frauen bringt das Dokument besonders wichtige Anpassungen. So wurde der Begriff MINOCA grundlegend präzisiert. Bisher stand die Abkürzung für Myokardinfarkt mit nicht-obstruktiven Koronaren. Die neue Definition ändert dies zu Myokardverletzung mit nicht-obstruktiven Koronararterien. Wenn Patientinnen mit Brustschmerzen in die Notaufnahme kommen und Blutuntersuchungen eine Herzmuskelverletzung zeigen, aber keine großen Blockagen in den Herzkranzgefäßen vorliegen, dient dies als Arbeitsdiagnose. Weitere Untersuchungen wie ein kardiales MRT sind notwendig, um festzustellen, ob ein Herzinfarkt oder eine andere Ursache wie eine Entzündung des Herzmuskels vorliegt.

Symptome abseits des Lehrbuchs und biologische Unterschiede

Frauen weisen bei Herzinfarkten häufig andere Anzeichen auf als Männer. Zwar bleibt der Brustschmerz oder ein Druckgefühl in der Brust das häufigste Symptom, doch viele Frauen klagen zusätzlich über Kurzatmigkeit, Übelkeit, ungewöhnliche Erschöpfung sowie Beschwerden im Rücken, in beiden Armen oder im Kiefer. Dies führt oft zu einer verzögerten Diagnose und Behandlung. Hinzu kommen spezifische Risikofaktoren wie die reproduktive Historie, das PCO-Syndrom und der Zeitpunkt der Menopause. Zudem betonte das Dokument, dass der Referenzwert für das Herzverletzungsenzym Troponin bei Frauen niedriger liegt als bei Männern, was bei der Auswertung von Blutwerten berücksichtigt werden muss.

Die Rolle der peripheren Arterienerkrankung als systemisches Risiko

Neben akuten Koronarproblemen gerät eine andere Gefässerkrankung zunehmend in den Fokus: die periphere Arterienerkrankung, kurz PAD. Dabei handelt es sich um eine Einlagerung von Plaque in den Arterien der Gliedmaßen, die den Blutfluss in die Beine einschränkt. Die Erkrankung betrifft Männer und Frauen in etwa gleich häufig und erfasst in den USA konservativen Schätzungen zufolge mindestens 7 bis 12 Millionen Menschen. Bei Frauen wird PAD jedoch häufiger unterdiagnostiziert und unzureichend behandelt.

Fachleute weisen darauf hin, dass Frauen mit PAD seltener die klassischen Schmerzen in der Wade beim Gehen zeigen, die nach zehn Minuten Ruhe wieder abklingen. Heather Gornik, medizinische Direktorin des Women’s Cardiovascular Center am University Hospitals Harrington Heart & Vascular Institute, beschreibt, dass Frauen im Alltag oft stärker eingeschränkt sind. Ihre Mobilität, Gehgeschwindigkeit und Ausdauer leiden deutlich. Studien wie eine Untersuchung an fast 1.000 Frauen über 65 Jahren mit einer Behinderung zeigten, dass 63 Prozent der betroffenen Teilnehmerinnen keine klassischen Beinschmerzen bei körperlicher Aktivität angaben und als asymptomatisch galten.

PAD is a systemic problem.

Palma Shaw, Professorin für Chirurgie an der SUNY Upstate Medical University und Leiterin der Gefäßchirurgie am Community General Hospital in Syracuse, New York

Versteckte Beschwerden und gesundheitliche Folgen

Frauen sind doppelt so oft wie Männer von atypischen Symptomen betroffen. Statt Krämpfen beim Gehen spüren sie eher Müdigkeit in den Beinen, Taubheit, brennende Schmerzen, pochende Empfindungen oder Schwäche. Zudem neigen Frauen laut medizinischen Beobachtungen oft dazu, die eigene Gesundheit hinter die von Familienmitgliedern zu stellen und körperliche Warnsignale zu ignorieren.

Die Konsequenzen einer verschleppten Diagnose sind gravierend. PAD ist mit einem bis zu sechsfach erhöhten Risiko für Herzinfarkte und einem zwei- bis dreifach erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden. Wenn Arterien in den Beinen von Plaque verengt sind, liegt meist auch im übrigen Kreislaufsystem eine Gefässerkrankung vor. In Kanada weist ein neu entwickelter nationaler Aktionsplan zur peripheren Arterienerkrankung ebenfalls darauf hin, dass betroffene Patientinnen und Patienten oft erst spät im Krankheitsstadium versorgt werden.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

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