In Schipkau, Brandenburg, ist das mit 365 Metern höchste Windrad der Welt fertiggestellt. Das von der Gicon-Gruppe entwickelte Projekt nutzt eine Teleskoptechnik, um in bisher unerreichbaren Höhen Windenergie zu gewinnen. Die Inbetriebnahme ist für November geplant, wobei das Vorhaben vor allem die Effizienz der Stromerzeugung in windstarken Höhenlagen unter Beweis stellen soll.
Ein neuer Rekord in der Lausitz
Das neue Windrad in Schipkau überragt mit einer Gesamthöhe von 365 Metern bis zur Rotorspitze fast alle vergleichbaren Strukturen in Deutschland. Es ist nur drei Meter niedriger als der Berliner Fernsehturm, der weiterhin als höchstes Bauwerk Deutschlands gilt. Die Anlage steht auf einer ehemaligen Abraumhalde im Lausitzer Braunkohlerevier, einer Region, die sich zunehmend zu einem Zentrum für erneuerbare Energien entwickelt. Laut dem Unternehmen Gicon und dem Branchenverband Wind Energy Association handelt es sich um das derzeit höchste Windrad der Welt. Der vorherige Rekord für eine kommerziell produzierte Anlage lag bei 285 Metern in Bayern.
Die Konstruktion ist ein Pilotprojekt der Bundesagentur für Sprunginnovationen, bekannt als SPRIND. Ursprünglich sollte die Anlage bereits früher fertiggestellt werden, doch starke Windböen verzögerten die Abschlussarbeiten. Bereits Ende 2025 mussten die Arbeiten kurzzeitig unterbrochen werden, nachdem Probleme bei Stahlbauteilen festgestellt wurden. „Sicherheit und Qualität haben absolute Priorität in diesem weltweit einzigartigen Projekt, betonte Großmann zu diesem Zeitpunkt.
Teleskoptechnik für extreme Höhen
Das Unternehmen arbeitet bereits seit 2010 an dieser Technologie. Der Innenturm wurde auf eine Zwischenhöhe von 250 Metern gehoben, bevor die Anlage ihre finale Nabenhöhe erreichte. Dieser technische Aufwand ist enorm, soll jedoch den entscheidenden Meilenstein darstellen, um die in der Höhe stärkeren und gleichmäßigeren Windverhältnisse zu nutzen. Die Anlage in Schipkau verfügt über eine Nennleistung von 3,8 Megawatt, während künftige Ausführungen laut Projektbeteiligten die 7-Megawatt-Marke überschreiten könnten.
Wirtschaftlichkeit und Energieertrag
Die Erwartungen an die Anlage sind hoch. Gicon prognostiziert, dass das Windrad bei gleichem Rotordurchmesser etwa doppelt so viel Energie erzeugen könnte wie eine konventionelle Anlage mit einer Nabenhöhe von 150 Metern. Christoph Winkler vom Forschungszentrum Jülich hält eine Mehrproduktion von etwa 60 Prozent für „grundsätzlich plausibel. Der Wind blase in dieser Höhe konstanter, was zu einer deutlich höheren Auslastung führe. Die Anlage soll im Endausbau bis zu 7.500 Haushalte mit Strom versorgen.

Dennoch gibt es wirtschaftliche Herausforderungen. Stefan Emeis vom Science Media Center merkt an, dass die spezifischen Baukosten aktuell noch fast viermal so hoch seien wie bei einem normalen Windrad des Jahres 2025. „Dazu müsste bekannt sein, wie oft welche Windgeschwindigkeiten genau auftreten“, erklärte ein Energieexperte zur Frage der Rentabilität. Die langfristige wirtschaftliche Rechnung bleibe daher noch offen. Innovationsmanager Martin Chaumet betonte am Sonntag jedoch die Chance, Windenergie gleichmäßiger über das Land zu verteilen, was den Netzausbau reduzieren und den Strom für Verbraucher langfristig billiger machen könnte.”
Kontext der Energiewende
Das Projekt in Schipkau dient als Testlauf für eine effizientere Flächennutzung. Laut einer aktuellen Einschätzung könnte Deutschland theoretisch bis zu 4.000 solcher Höhenwindräder in bestehenden Windparks unterbringen, ohne neue Flächen erschließen zu müssen. Dies ist vor dem Hintergrund der nationalen Klimaziele relevant: Bundesumweltminister Carsten Schneider präsentierte Ende März das „Klimaschutzprogramm 2026“, das 67 Maßnahmen umfasst, um bis 2030 zusätzliche 25 Millionen Tonnen CO₂ einzusparen. Deutschland ist mit einer installierten Windkraftkapazität von rund 77,7 Gigawatt (Stand Ende 2025) führend in Europa, gefolgt von Großbritannien und Spanien.”
Ein zentrales Problem bleibt jedoch die Netzinfrastruktur. Laut Analysen des Tagesspiegels gingen allein im Jahr 2023 etwa 9,3 Terawattstunden Windstrom verloren, weil das Netz den Ausbau nicht bewältigen konnte. Die Kosten für dieses Engpassmanagement beliefen sich auf fast drei Milliarden Euro, die letztlich über die Netzentgelte von den Verbrauchern getragen wurden. In diesem Kontext könnte die konstante Stromeinspeisung aus 300 Metern Höhe einen Beitrag zur Entlastung leisten.
Mehr zu Schipkau
Nach fünf Jahren Bauzeit steht in Schipkau das höchste Windrad der Welt. Mit 365 Metern verfehlt die Anlage knapp einen weiteren Rekord – denn nur ein deutsches Bauwerk ist höher. https://t.co/f98QplyQnb
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