Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und chronische Lungenerkrankungen sind eng miteinander verknüpft. Neue Studien und Metaanalysen zeigen, dass Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ein deutlich erhöhtes Risiko für Asthma und COPD aufweisen. Umgekehrt erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für Darmerkrankungen bei bestehenden Lungenleiden.
Epidemiologische Beweise und das Risiko für interstitielle Lungenerkrankungen
Die Verbindung zwischen dem Magen-Darm-Trakt und den Atemwegen geht weit über den Zufall oder eine bloße Nebenwirkung von Medikamenten hinaus. Groß angelegte Kohortenstudien und genomweite Analysen verdeutlichen, dass chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) und Lungenleiden Teil eines systemischen Krankheitsspektrums sind.
Ein zentrales Beispiel liefert die schwedische Nationalkohortenstudie (Kochar et al., 2026) mit insgesamt 85.705 IBD-Patienten. Die Untersuchung von Baekdal et al. (2026) berichtete eine Inzidenzrate für interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) von 34 pro 100.000 Personenjahren bei IBD-Patienten, verglichen mit 20 pro 100.000 Personenjahren in der Allgemeinbevölkerung (HR = 1.48, 95% CI 1.30–1.69). Das Risiko blieb laut Kochar et al. (2026) sogar dann erhöht, wenn ein Vergleich mit unbeteiligten Geschwistern gezogen wurde (HR = 1.81).
Wechselseitige Risiken bei Asthma und COPD
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zu 30 Beobachtungsstudien (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732) beleuchtete das Zusammenspiel zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und chronisch-entzündlichen Lungenerkrankungen. Zu den entsprechenden Lungenkrankheiten zählen zum Beispiel Asthma, COPD und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732). Die von Ding, C. et al. (2026; 17: 1226732) vorgelegten Analysen belegen, dass Personen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung später gehäuft an Asthma oder COPD erkranken. Gleichzeitig war auch der umgekehrte Zusammenhang zu beobachten, denn Menschen mit COPD oder Asthma entwickelten häufiger eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung als Menschen ohne diese Lungenerkrankungen (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732).
Besonders ausgeprägt zeigt sich diese wechselseitige Dynamik bei Morbus Crohn, wobei die wechselseitige Verbindung zwischen Lungenerkrankungen und Morbus Crohn stärker und konsistenter als bei Colitis ulcerosa war (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732). Bezüglich Bronchiektasen stießen die Autor:innen ebenfalls auf Hinweise auf eine Verbindung zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen; aufgrund einer begrenzten Datenbasis fiel die Evidenz hier jedoch weniger präzise aus, weshalb diese zusammengefassten Befunde mit gebotener Zurückhaltung bewertet werden sollten, wie die Studienautor:innen (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732) anmerken.
Die Rolle der Darm-Lungen-Achse und mikrobielle Mechanismen
Hinter der klinischen Schnittstelle steht ein komplexes, bidirektionales Kommunikationsnetzwerk: die Darm-Lungen-Achse. In IBD-ILD Pathophysiologie dient die Darmmikrobiotadysbiose nicht nur als Markenzeichen lokaler Darmläsionen, sondern auch als wichtiger systemischer Treiber für Lungenverletzungen.
Laut Ansicht der Forschenden sollten Medizinerinnen und Mediziner bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verstärkt auf Symptome im Bereich der Atemwege achten (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732). Eine gezielte Erfassung von Atemwegssymptomen oder entsprechende Untersuchungen könnten helfen, Begleiterkrankungen früh zu erkennen und zu behandeln (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732).
Empfehlungen für die klinische Praxis und offene Fragen
Die Studienergebnisse belegen zwar einen Zusammenhang, sie zeigen jedoch nicht, wodurch dieser entsteht (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732). Weil sowohl Asthma und COPD als auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen maßgeblich durch Entzündungsvorgänge bestimmt werden, kommen hierbei möglicherweise gemeinsame biologische Ursachen infrage (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732). Weitere Studien sind nötig, um dies genauer zu belegen (Ding, C. et al., 2026; 17: 1226732).
Für praktische Schritte und medizinische Entscheidungen wird empfohlen, qualifizierte Fachleute zu konsultieren.
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